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Tom Cruise spielt einen High-School-Absolventen, der sich entschließt, als Freiwilliger in die Army einzutreten und in den Vietnam-Krieg zu ziehen. Dort wird er schwer verwundet und querschnittsgelähmt. Als er schließlich zurückkehrt und er in seinem Land weder Hilfe, noch Anerkennung findet, protestiert er zusammen mit den politischen Aktivisten gegen den Krieg.

Nach dem Vietnam-Krieg blieben viele der Veteranen unbeachtet und Hilfe sowie Anerkennung blieben ihnen vorenthalten und dies war auch bei den dutzenden Vientnam-Filmen nicht anders. Und während Francis Ford Coppola, Stanley Kubrick und Michael Cimino in ihren Vietnam-Kriegsfilmen "Apokalypse Now", "Full Metal Jacket" und "Die durch die Hölle gehen" ebenfalls den Krieg an sich und nicht die Veteranen behandelten, setzt Oliver Stone, seines Zeichens selbst Vietnam-Veteran, nun einen Film über Kriegs-Opfer in Szene und liefert damit eines der verstörendsten und desillusionierendsten Vietnam-Dramen aller Zeiten ab. Wie schon bei dem ersten Teil seiner Vietnam-Trilogie "Platoon" und später bei "Zwischen Himmel und Hölle" ist auch "Geboren am 4. Juli" gerade deshalb so knallhart, weil er im Rahmen des Realistischen bleibt und das tragische Schicksal der sympathischen Hauptfigur so überzeugend und intensiv darstellt.

Natürlich beschäftigt sich der Film erst einmal kurzfristig mit der Schulzeit der Hauptfigur und anschließend mit der Ausbildung und kreiert dabei das altbekannte Bild des patriotisch naiven Jugendlichen, der für sein Land in Vietnam Krieg spielen möchte und auch vor dem Tod nicht zurückschreckt. Dabei hat die Hauptfigur durchaus Ecken und Kanten, ist aber dennoch so sympathisch und hat genügend Tiefgang, um den Zuschauer direkt emotional an seinem Schicksal teilhaben zu lassen. Die Schrecken des Vietnam-Krieges werden schnell und souverän abgehandelt und dann beginnt die tragische Geschichte um den Veteranen, der sich Hilfe und Anerkennung wünscht, auch wenn er dies niemals zugeben würde und lediglich Mitleid und teilweise sogar Verachtung erntet. Mit melancholischer Musik, starken Darstellern und einem überaus ruhigen Erzähltempo bringt einem Oliver Stone nun das Schicksal des sympathischen Veteranen näher und appelliert hervorragend an das Mitgefühl des Zuschauers. Stone geht darüber hinaus auf den Vietnam-Krieg ein und spiegelt die Meinung der amerikanischen Gesellschaft zum Krieg sehr gut wieder und stellt dabei den Wandel seiner Figur vom Befürworter zum Aktivisten gegen den Krieg sehr gut dar und gießt stellenweise noch einmal Öl ins Feuer und kritisiert so ziemlich das ganze amerikanische System, dass den Krieg verursacht und die Veteranen fallen gelassen hat. Zum Ende hin gibt es ein paar kleine Längen, vielleicht wäre eine Viertelstunde weniger Laufzeit besser gewesen. Dafür ist die Charakterkonstruktion aber vor allem beim etwas langatmigen Ende so eindrucksvoll detailliert, dass man in der Figur wie in einem Buch lesen kann und sein gesamtes Trauma nachvollziehen kann und so ertappt man sich schnell dabei, wie man die Faust in der Tasche ballt und sich über diese Ungerechtigkeit aufregt. Alles in allem gelingt Oliver Stone hier eine wirklich eindrucksvolle Biografie, für die er zu Recht seinen zweiten Oscar nach "Platoon" bekam.

Auch wenn sich Tom Cruise mit dutzenden Filmen wie "Cocktail" oder "Jerry Maguire" mit aller Macht sein Sunny-Boy- und Publikumsliebling-Image aufgebaut hat, sollte man nicht vergessen, dass er ein wirklich guter Darsteller ist. Und gerade in "Geboren am 4. Juli" zeigt er dies mit seinem intensiven Spiel, mit dem ihm die Sympathie des Zuschauers absolut sicher ist. Von der ersten bis zur letzten Minute ist er überzeugend und konzentriert und rechtfertigt seine Oscar-Nominierung mit seinem emotionalen Spiel voll und ganz. Mit "Eine Frage der Ehre" und "Rain Man" stieg er Anfang der 90er endgültig zum Superstar auf. Der übrige Cast spielt ebenfalls überzeugend und mit Willem Dafoe, Tom Sizemore, William Baldwin und Tom Berenger sind einige weitere bekannte Darsteller vertreten.

Fazit:
Einmal mehr gelingt Oliver Stone ein schonungsloser und desillusionierender Film, der das schockierende Leben eines Vietnam-Veteranen hart und realistisch darstellt und von Anfang an fesseln kann, aber auch der starke Tom Cruise kann nicht verhindern, dass dem Film zum Finale hin die Puste ausgeht.

82%

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