Heiteres Filmparodienraten ist mal wieder angesagt, wenn der Besuch von "Scary Movie 2" überhaupt zu etwas taugen soll. Denn diese zusammengeschnipselte Fortsetzung des Filmhits von 2000 bietet im Vergleich zum ebenfalls nicht perfekten Vorgänger noch weniger von so ziemlich allem.
Dabei fängt es an, als würden sich sämtliche Beteiligte in absoluter Bestform befinden. Die siebenminütige Pre-Title-Sequenz, die sowohl den Exorzisten als auch Amityville durch den Kakao zieht, ist der Brüller, auf den man die ganze Kinowerbung über so sehnlich gewartet hat. Zwar feiert hier schon die Gross-Out-Komik unter Einsatz beinahe sämtlicher Körperflüssigkeiten (und fester Substanzen) Triumphe, doch dafür ist dieser Ausflug in die niedersten Gefilde ungemein gelungen. Das liegt weniger an Rotz und Kotz, als vielmehr an einem wie für diese Art von Comedy geboren scheinenden James Woods, der in absoluter Leslie-Nielsen-Manier toternst und staubtrocken buchstäblich jeden Scheiß mitmacht und hieße das auch, mit hunderten Liter künstlicher Kotze beworfen zu werden. (Kaum vorstellbar, daß Marlon Brando den Part übernehmen sollte.)
Leider war diese Sequenz dann auch der einzige (wirklich erwähnenswerte) Höhepunkt des ganzen Films, denn sobald wir in die reguläre "Handlung" starten, trocknet der Film aus wie ein Bachbett in der Sahara. Nicht, daß von nun an nicht ebenso auf die Tube gedrückt wird und die Gags wesentlich reinlicher werden würden, doch die Qualität läßt mehr und mehr nach.
Das jetzt ganz allein auf die Besetzung zu schieben, die man beinahe vollständig aus dem ersten Teil herübergerettet hat (auch wenn die meisten dort bereits verstorben waren), aber einen gewissen Güte-Unterschied zu Woods gibt es schon. Der Gag-Standard jedenfalls wurde beibehalten. Anna Faris mimt wieder das Dummchen und darf erneut in einer Sperma-Fontäne baden. Marlon Wayans reiht wieder Kiffer-Gags aneinander, deren Niveau genauso dunstig ist, wie der Pot-Nebel, der ihn ständig umgibt und sein Bruder vögelt wieder alles, was nicht schnell genug unter dem Bett ist (und auch das reicht noch nicht), egal welchen Geschlechts. Dazu die kleine Schwarze mit der großen Klappe und als Extra die 90210-Schönchen Kathleen Robertson (als mega-draller Vamp) und Tori Spelling (als ungewaschene, aber extrem anhängliche Schlampe) und wir haben eine gute Grundlage für jede Menge Geschmacklosigkeiten.
Womit wir auch schon beim Hauptproblem des Ganzen wären. "SM2" präsentiert sich nämlich als eine endlose Aneinanderreihung schmierigster Gross-Out-Gags, lediglich unterbrochen von beinahe ebensovielen Filmparodien, die mal geschickt, mal ungeschickt wirken. Wer jetzt glaubt, das sei genug, der sei noch informiert, daß das durchaus nicht reicht. Qualvoll vermisst wird hier nämlich ein roter Faden, die die Szenen irgendwie zusammen hält. Die Grundstory (das heißt, der am meisten zitierte Film) heißt hier zwar "Das Geisterschloss", aber das bedeutet noch nicht, daß das als Story funktioniert. Planlos wird ein Szene an die andere gebastelt und geklebt, ganz offensichtlich nur, weil der Gag bei einer Testvorführung wohl gut angekommen ist. Gewisse Szenen fallen aus dem Rahmen, werfen Fäden aus, die nie wieder aufgenommen werden oder offenbaren deutliche Anschlußfehler. Wer also z.B. die im Trailer vorkommende Szene erwartet, in der Marlon mittels Marihuana-Rauch einen Raum zukifft, um den Geist sichtbar zu machen (der dann ebenfalls high ist), die ist im Film nicht drin. Und so wird wohl auch das meiste Material auf dem Boden des Schneideraums geblieben sein und bestimmt nicht immer das Schlechteste.
Denn leider sind die Erwachsenenfiguren noch erbärmlicher als die Teenager. Tim Curry wird als notgeiler Professor mehr als verschenkt und sein Schicksal dem Zuschauer komplett vorenthalten. David Cross hat als Rollstuhlfahrer zwar eine nette Actionsequenz, bringt sonst aber kaum brauchbare Szenen, obwohl er einige hat. Am schlimmsten ist jedoch der ermüdende Einsatz Chris Elliots als Butler Hanson, der mit einer eklig verkrüppelten Hand für magenverdrehende Komik sorgt, die sich jedoch bereits beim ersten Einsatz erschöpft, ehe es überhaupt zu der völlig überlangen Dinnersequenz kommt, in der er ein Minimum an Komik aus einem Maximum an Ekligkeiten destilliert. An dieser Figur hätte deutlich gespart werden können, vor allem, was die Länge seiner Auftritte betrifft.
Tricktechnisch ist das höchstens lau zu nennen, obwohl reichlich Effekte zum Einsatz kommen, doch die Geisterhausfilme werden ja nicht umsonst des öfteren in die Mottenkiste eingeordnet. Harte Szenen sollte hier niemand erwarten, denn diesmal bleiben Tote jeder Couleur weitgehend aus.
Zum Glück ist der böse Spuk, der nicht einmal einen richtigen Höhepunkt besitzt, nach knapp 75 Minuten Nettospielzeit bereits vorbei und belästigt uns auch im Nachspann nicht mit Outtakes, sondern nur mit Fotos vom Dreh. Wer also noch nicht genug hat von endlosen und zusammenhangslosen Kot-, Urin-, Kotze- und Spermawitzen, angereichert durch Parodien von Filmen, die bisweilen bereits ihre eigenen Parodien sind, der bekommt hier die Volldröhnung. Allen anderen bleibt der eine oder andere funtionierende Gag (z.B. der Kampf mit der Katze und die "Drei Engel"-Parodie) und zuviele kleine Brüder, die sich einfach nie zu einem brauchbaren Lacher entwickeln können, weil sie mit der groben Kelle geschmiedet sind.
Ein (kurzer) Film wie eine Patchworkdecke für alle, die mal wieder die Keule statt des Degens schwingen möchten. Ob der Streifen jedoch sein Eintrittsgeld wert ist, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden, auf jeden Fall sollte eine weitere Fortsetzung vermieden werden. Im Zweifel nach der Pre-Title-Sequenz aus dem Kino flüchten. (3/10)