Review

Alter schützt ja bekanntlich vor Torheit nicht und so manch kutliger Schenkelklopfer im filmischen Bereich gewinnt erst mit einer gewissen Reife. Ich kann mich noch genau erinnern, als mir mein Großvater mein erstes Werther´s Original ... nein, Schluss mit dem unsäglichen Namedropping. Nochmal: Ich kann mich noch genau erinnern, dass ich meinen ersten Kontakt mit "The big Lebowski" total entäuschend fand. Ebenso "Fear and Loathing in Las Vegas", ja sogar "Fight Club" - womit eigentlich sämtliche allgemeingültigen Kultklassiker abgehakt wären. Komischerweise ging es mir mit "Scary Movie 2" ähnlich. Und dabei ist man doch in jungen Jahren geradezu prädestiniert für Fäkal- und Sexwitze weit unterhalb dessen das man N-I-V-E-A-U buchstabiert.

Nun, das ist lange her und in Anbetracht des stetigen qualitativen Rückschritts der Reihe, wollte ich es dann doch nochmal versuchen - manchmal verliebt man sich ja erst auf den 2. Blick. Die Vorzeichen standen schließlich gut. Mittlerweile dürfte ich ein Groß der Horrorklassiker kennen, die mir damals im besten Fall vom Namen her bekannt waren. Zudem bin ich dem etwas dereberen Witz durchaus nicht abgeneigt und als "Southpark"fan dürfen ruhig und gerne sämtliche Geschmacksgrenzen durch- ja von mir aus sogar erbrochen werden. Ausserdem war das ja auch noch die letzte Arbeit der Wayans-Brüder, die ja zumindest mit dem Erstling noch einen recht amüsanten Beitrag zum ZAZ-Komödienkonzept lieferten.

Der Anfang lässt sogar noch eien kurze Zeit auf einen amüsanten Filmabend hoffen, denn eine recht stimmig inszenierte "Exorzist"-Referenz stimmt eigentlich immer recht glücklich. Zumal mit Ed .. äh James Woods auch noch ein namhafter Schauspieler sein Stelldichein gibt. Doch was im Folgenden an wahrlich platten und austauschbaren Gags abgespult wird, spottet jeder Beschreibung. So gut wie jeder WItz ist eine plumpe und wirklich vollkommen humorlose Sexzote, wie sie selbst den Machern von "American Pie", die 2. Generation oder den (großartigen) Peter Steiner-Sexfilmchen der 70er Jahre (da ist doch was im Busch) zu dämlich sein müsste. Dieser Humor lässt einen nicht einmal peinlich berührt zurück, was ja wenigstens Etwas wäre. Stattdessen schleicht sich ein gefühl unendlicher Langeweile ein. Ach was, von wegen schleichen, es platzt zur Tür herein und hat seine Freunde "Abschalten" und "Schlaf" mit dabei.

Sämtliche Gags werden zu Tode geritten (und diese Anspielung ist tatsächlich um Welten besser als das was im Film geboten wird - JA, WIRKLICH!) und verpassen mit schlafwandlerischem Geschick ihr Timing. Dazu kommt, dass Anna Farris und Kollegen DEN großen Fehler des Untergenres begehen (mit Untergenre ist wieder das ZAZ-Konzept gemeint). Statt, wie beim großen König des Gaga-Humors Leslie Nielsen mit stoischer Gelassenheit und Ruhe auf die absurden Momente zu reagieren, ja so zu tun als ob das alles normal sei - reageren die Personen hier mit überdrehtem "aaaah" und "ooooh" und "wääääh" auf das Geschehen. Gerade aber der Kontrast zwischen grotesker Situation und stoischer Ruhe macht den Witz bei dieser Art von Komödie aus. Die Protagonisten halten alles für total normal, nur Zuschauer und manch kontrastierende Nebenperson erkennen die Absurdität.

Dazu kommt, dass fast alles - jeder Witz, jede Anspielung - mit dem Silbertablett serviert wird. Anstatt auch mal im Hintergrund einen Gag abzuspielen - auch auf die Gefahr hin, dass der Zuschauer diesen erst bei der 2. Sichtung bemerkt - passiert hier nur Lustiges wenn die Kamera voll draufhält. Ein Zugeständnis an den Intellekt der Kinobesucher.

Last but not least sind die Filme, die hauptsächlich in der Handlung veralbert werden, dem heutigen Publikum kaum noch bekannt. Hier waren die Macher alles andere als vorausschauend. Während Nummero uno auf absolute Kulthits wie "Scream" und "Die üblichen Verdächtigen" aufbauten, haben wir es hier mit einer Mischung aus "Das Geisterschloss" (grauenhaft und kaum noch bekannt, im Gegensatz zum alten schwarz-weiß Klassiker) und "House on haunted hill" (okay, wenn auch gegen Ende völlig verhunzt). Beides sind nunmal Produkte ihrer Zeit (dazu tragen schon die inflationär und vor allem schlecht verwendeten Computereffekte bei) und heute teilweise zu recht vergessen.

Beim letzten Punkt mögen die Wayans einfach Pech gehabt haben, nur fällt das halt noch stärker auf, wenn schon der Rest nicht passt. Um sich in Erinnerung zu rufen, wie man es richtig macht, möge man sich doch bitte nochmal die ganz großen Klassiker des sinnlosen Humors genehmigen. Ob nun "Top Secret", "Airplane" oder "Die nackte Kanone" - hier kann man noch nach 30 Jahren lachen. Bei "Scary Movie 2" konnte ich es schon im Erscheinungsjahr nicht. 

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