Zuweilen fallen europäische Co-Produktionen durch ihr überzeugendes Package auf: Internationale Besetzung, absolut versierte Kamera, tolle Auswahl der Kulissen und eine ungeheuer fesselnde Musikuntermalung sind auch hier deutlich positive Bestandteile dieses stark mystisch angehauchten Verschwörungs-Thrillers.
Leider sind es dramaturgische Schwächen und nicht unerhebliche Logiklöcher, die der interessanten Geschichte ein wenig in die Quere kommen.
Liu San, das ist der siebenjährige Junge asiatischer Wurzeln, der als Baby von der französischen Übersetzerin Laura (Monica Bellucci) adoptiert wird.
Beide leiden vermehrt unter Alpträumen und als ein folgenschwerer Autounfall geschieht, werden mehrere Leute in Lauras Umfeld ermordet.
Alle Hinweise deuten auf Liu San als Schlüssel hin, bis dieser in die Mongolei entführt wird…
Das Geschehen fordert dem Zuschauer eine Menge Geduld ab, gerade in Bezug auf verschiedene Mystik-Elemente, die von plötzlich erscheinenden Adlern, über Schamane, bis hin zu Tierverwandlungen und der Zeremonie des steinernen Kreises einiges an Kauderwelsch in die Mitte werfen, ohne diese Elemente in Einklang zu bringen, - sie wirken oft wahllos eingestreut.
Gleiches gilt lange Zeit für den ominösen Figurenkreis, da außer Laura und Liu San niemandem zu trauen ist, - schließlich geht es im Kern um einen von langer Hand geschmiedeten Plan, der alle Unwahrscheinlichkeiten impliziert, die nur denkbar sind.
Doch man ist bei der Sache, da immer wieder für markante Momente gesorgt wird. Sei es durch starke Bilder mit außergewöhnlichen Kontrasten, ungewöhnliche Perspektiven oder eben Monica Bellucci, die sämtliche Mitspieler wie Moritz Bleibtreu oder Catherine Deneuve gnadenlos an die Wand spielt und den facettenreichen Part zwischen Power-Mutter und lähmender Verzweiflung grandios meistert.
So etwa ab Mitte der Laufzeit hat man schließlich komplett durchblickt, worauf die Sache hinaus laufen soll und ab da ergeben sich schematisch bekannte Abläufe fast wie von selbst.
Eine Tonbandaufnahme mit seltenem mongolischen Dialekt, ein Geheimnis über den Tod der Eltern kommt ans Tageslicht und eine Spontanheilung von besonders hohem Ausmaß lassen kein Zweifel daran aufkommen, was im letzten Drittel in einer abgelegenen Gegend der Mongolei stattfinden dürfte.
Erstaunlicherweise finden sich hier die inszenatorisch atmosphärischsten Momente, während auf inhaltlicher Ebene nichts Überraschendes mehr stattfindet.
So wird die Geschichte betont ruhig erzählt, im Mittelteil ein wenig dröge aufgezogen, doch zum Finale häufen sich stimmungsvolle Momente, wobei man auf diverse Spezialeffekte hätte verzichten können, - manche Gegebenheiten kommen stärker zur Geltung, wenn man sie nicht vollends visualisiert.
Tiefer gehende Spannung ist zwar insgesamt Mangelware, dafür kann die zuweilen starke Bildsprache über einige Defizite hinwegtrösten.
Storytechnisch nicht immer fest im Sattel, bietet der Streifen solide Unterhaltung auf handwerklich ordentlichem Niveau und wer sich von der Prämisse „Mutter kämpft um ihr Kind und wird vom Rest der Welt nahezu im Stich gelassen“ etwas verspricht und nicht von diversen okkulten Einbindungen abgeschreckt wird, könnte einen Blick riskieren.
6 von 10