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Der britische Englischlehrer John Grant (Gary Bond) ist Aushilfslehrer im australischen Outback. Dorthin wurde er für ein Jahr von der Regierung geschickt, um so im Ausgleich ein staatliches Darlehen für ein weitergehendes Studium zu erhalten. Auf seiner Rückreise in die Weihnachtsferien nach Sydney landet er im verschlafenen Kaff Bundanyabba, von wo sein Flug nach Sydney am nächsten Tag gehen soll. Um die Zeit bis zum Abflug zu überbrücken, geht er in eine Bar, trinkt viel, verliert eine Unmenge Geld beim Glücksspiel, strandet ohne Geld bei einem freundlichen Bürger der Stadt, versucht, mit dessen Tochter anzubändeln, macht bei einer blutigen Känguru-Jagd mit, trinkt noch mehr und droht immer mehr, abzustürzen...

"Wake in Fright" oder "Outback" galt jahrelang als der unbekannteste, aber auch beste Film, der je über und in Australien gedreht wurde. Er lief 1971 sogar auf den Filmfestspielen in Cannes mit großem Erfolg und war in einigen Ländern (USA, England, Frankreich) auch leidlich erfolgreich im Kino zu sehen. Lediglich in seinem Heimatland lief er quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit, kam nie im Fernsehen und erschien nie auf DVD oder VHS. Erst der Cutter des Film, Anthony Buckley, fand nach langen Jahren in Pennsylvania eine komplette, gut erhaltene Fassung, auf deren Basis dann letztes Jahr in seinem Heimatland eine DVD erschien. Erst dann erhielt der Film auch seine angemessene Würdigung in Australien und wurde als Meisterwerk gefeiert.
Und zwar zu Recht. "Wake in Fright" ist der wohl schonungsloseste Film über Australien, den ich je gesehen habe. Ich war noch nie Down Under, daher kann ich nicht beurteilen, wie wahrhaftig er ist, aber wenn man diverse Forenbeiträge von Australiern über diesen Film liest, scheint er nicht wirklich unrealistisch zu sein. Sein ursprünglicher Misserfolg zuhause lag wohl daran, dass er ein so wenig schmeichelhaftes Bild eines Landes zeichnet, unter dessen dünner Zivilisationsschicht ein brutales, gieriges und rücksichtsloses Volk lauert, dass v. a. Unmengen Alkohol konsumiert, um die dröge Existenz im Outback überhaupt ertragen zu können.
Der Regisseur, der Kanadier (!) Ted "Rambo" Kotcheff sorgt stellenweise für so beklemmende, geradezu apokalyptische Bilder (besonders bei der Känguru-Jagd), dass einen das langsame Grauen beschleicht. Dabei wertet er überhaupt nicht, sondern zeigt eine ganz langsame Spirale in einen hedonistischen Abgrund, in der sich der junge Lehrer John wieder findet. An winzigen Einzelheiten merkt man dies, so trinkt er anfänglich im Zug Wasser, am Ende trinkt er Bier im Zug. Der Film hat keinerlei romantische oder verklärende Naturaufnahmen, Australien scheint in diesem Teil vielmehr nur aus Bier, Blut und Staub zu bestehen. Die Einheimischen sind durchaus freundliche, aber dumpfe Gesellen, die Frauen sind primär Sexobjekte und Tiere billige Fleischlieferanten.
Atmosphärisch erinnerte mich der Film etwas an "Walkabout", "Deliverance" oder sogar einige Western, aber irritierend und gegensätzlich zu Western ist hier auch, wie der "Held" des Films selbst Teil des Geschehens wird und immer mehr in einen primitiven Zustand abgleitet. Am Ende fragt man sich, ob John aus dem verstörenden Geschehen irgendeine Konsequenz gezogen hat - ich befürchte nicht.
Es bleibt ein echter Geheimtipp, der demnächst auch in den USA und in England auf DVD erscheinen wird und vielleicht dann auch hier etwas bekannter wird.
Sehr sehenswert, aber so krass wie ein Sandstrahlgebläse mitten ins Gesicht.

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