Review

Absoluter Absacker von Film

Ein unbedarfter Lehrer in einem kleinen, schwitzigen Kaff in Australien. Die letzten Minuten der letzten Stunde vor den (sauheissen!) Weihnachtsferien laufen über den Vorspann, dann geht’s ab nach Hause. Zumindest war das der Plan. Doch ein wettgieriger und alkoholgeschwängerter Zwischenhalt in dem anliegenden Städtchen „Yabba“ macht ihm einen alptraumhaften Strich durch die Rechnung… 

Sommerfilm. Weihnachtsfilm. Alkifilm. Terrorfilm. Horrorfilm. 

„Wake In Fright“ ist ein unheimlich unangenehmes und schweißtreibendes Thrillerträumchen aus Down Under. Intensiver geht’s kaum. Backwood, Psychostudie, Treibjagd, Fiebertraum. Alles in einem und doch sein ganz spezielles, eigenes Ding. Australischer und gastunfreundlicher geht’s ebenso kaum - mehr Anti-„Werbung“ für ein Land ist schwer denkbar. Bei der überstrengen Zensur dort heutzutage wäre das aktuell wohl kaum mehr auch nur ansatzweise so möglich. „Wake In Fright“ geht unter die Haut. Es wird gesoffen, gerülpst, gefickt, geflucht, gewettet und sich komplett im Sud der (Un-)Menschlichkeit (und Langeweile!) gesuhlt. Höchst desillusionierend. Gefährlich gut. Ekelig, selbstredend komprimiert, beschleunigt, befeuert - und doch näher an der Realität als man meint! Traurig. Trist. Trostlos. Danach will man duschen. Man riecht förmlich Schweiß und abgestandenes Bier. Zwischen Minen, Pubs und Frustration. Da gehen schnell und gerne alle Manieren für die Barbarei drauf. Und da rede ich nicht nur von der schockierenden „Kängurujagd“… „Wake In Fright“ ist noch immer ein Brett! Ein Paradebeispiel und wegweisendes Frühwerk der hypnotischen, (passiv-)aggressiven „Australian New Wave“. Er nimmt „Wolf Creek“ und „The Surfer“ voraus. Er ist psychedelisch, archaisch und verstörend. Er hallt nach und bellt nicht, er beisst. Sofort und direkt. Und obwohl er in der Tradition von Backwoodtraumas wie „Deliverance“ steht, von B-Western wie „Bad Day At Black Rock“ und auch von Alkoholismusdramen wie „The Lost Weekend“ - er steht allein auf weiter Flur, in brütender Steppe und seiner eigenen Suppe. Da wird jeglicher Sinn weggebrutzelt. Komplett zerstörerisch wie Hochprozentiger. Selbstgebrannt. Im Kreis gerannt. Nihilistisch. So strahlend hell die Sonne ist - so dunkel und kaputt sind die Seelen… Alk essen Seele auf. Testosteron und Bier, blutende Roos und keine Tabus. Absolut abartig… und absolut gut! 

Der schlimmste Kater der Filmgeschichte

Fazit: heiß, schwitzig, mit heftigen Umdrehungen und einer ekeligen Atmosphäre. Fieser als Vegemite. Problemlos wirklich metaphorisch als Hölle/Fegefeuer zu sehen. Hart. Haltlos. Blendend. Sauftour nicht am, sondern direkt im Abgrund. Anti-bierselig. Spürbar. Texturreich. Unkaputtbar. Ein Trip. Ein Hit. Der Shit! Ein Rausschmeisser. Vergisst man nimmer! 

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