Review

1. Das Pong:
Waren schon die gambling movies mit Karten nicht gerade ein Ausbund an filmischer Intelligenz und liessen sie sich grossteils auch nur verkaufen, wenn daraus eben eine weitgehend normale Actionkomödie mit allem drum und dran gebastelt wurde, so geben die zur Zeit spriessenden Mahjong - Filme dem eh kränkelnden Hong Kong Kino noch den Rest.
Mahjong, das Spiel der Winde, ist nunmal ein Zeitvertreib, der nicht von heute auf morgen verstanden wird und mehr Erklärungsbedarf benötigt als das ganz einfach die höchste Karte gewinnt. Ausserdem versteifte man sich gerade in dem Sub - Subgenre auffällig oft rein auf das Steinchenschieben selber und widmete sich dem Drumherum in sehr nachlässiger, gar ignorierender Art und Weise.
Das Pong besteht aus drei identischen Ziegeln. Die Filme entstammen alle derselben Grundidee und bieten die gleichen Ausschmückungen in kongruenter Form, was nicht gerade seitenlange Würdigungen der chinesischen Gegenwartskunst nach sich ruft.

Das war bei Mahjong Heroes [ 1981 ] so und das wurde bei Fat Choi Spirit [ 2002 ] in nahezu dreister Art und Weise auf die Spitze getrieben. Konnte man da noch froh sein, dass eben kein Übererfolg und damit eine Welle an Nachfolgeprodukten anstand, so brachen mit Kung Fu Mahjong 2005 alle Dämme. Neben zwei offiziellen Fortsetzungen folgten diverse Abfallprodukte wie House of Mahjong und eben Bet to Basic; die an den Kinokassen nicht mehr auf das anfangs erreichte Einspiel hoffen durften und auch bei den Kritikern unweigerlich keinen Boden gutmachten, aber über ein absehbar geringes Budget verfügen und entsprechend finanziell nicht viel falsch machen können.
Gerade im Ausland erregt man natürlich gar kein Aufsehen; es sei denn, man interessiert sich für wirklich Alles, übt eine Allround - Sammlertätigkeit aus oder möchte einfach auf dem Laufenden bleiben. Verlorene Wetten, eine Vorliebe für drakonische Strafen und andere Ausreden zählen natürlich auch.

2. Das Kan:
Das Kan besteht aus vier identischen Ziegeln. Wer zu einem Pong, das bereits offen ausliegt den vierten Ziegel zieht, kann dieses Pong in ein offenes Kan umwandeln.
Kung Fu Mahjong schloss sich dem Blockbuster Kung Fu Hustle an; was insofern keine Überraschung darstellt, da Initiator Wong Jing in unerschütterlicher Überzeug eh bei allem Gewinnträchtigen seine Hände hat und sich demnach auch an jede milchgebende Kuh hängt.
Wong selber hat hiermit nichts zu tun, wovon man aber nur in den Details etwas merkt. Autor Paul Chung Shing - yuen, der hiesig sein Regiedebüt absolviert, hält sich stark an der inoffiziellen Flanke vorgestanzter Erwartungen fest und schreibt und inszeniert so detailgetreu den prägnanten Fußstapfen folgend, dass man deswegen durchaus einem gewissen standardisierten Unterhaltungswert gewahr werden kann. Dankbar ist man vor allem für einen recht charismatischen Cast und eine angenehm entspannte Erzählführung; obwohl es unwahrscheinlich wäre, aus dem Wenigen an Plot eine Aufmerksamkeit zu beziehen, verkrampfen gerade dann einige Regisseure in Lärm und Exzess.
Chung lehnt sich zurück und lässt das 1 x 1 laufen:

3. Das Chi:
Als der recht naive Lloyd [ Jordan Chan ] nach zwanzig Jahren Amerika in seine alte Wirkstätte nach Hong Kong zurückkommt, merkt sein Cousin Flying Dragon [ Chin Kar Lok ] recht schnell, dass mit dem Simpleton gutes Geld zu machen ist. Lloyd kennt zwar die Regeln des Mahjong nicht, hat aber dermassen viel Glück, dass er jedesmal dasselbe wertvolle Spielbild auflegen kann. Allerdings hat auch er eine Achillessehne; deswegen nehmen sich die Lehrmeister Scott [ Eric Kot ] und Yuen Sam [ Yuen Wah ] sich den Einfaltspinsel vor, um gemeinsam ihre Nemesis Mephisto [ Samuel Pang ] beim "Ultimate King of Mahjong" Turnier zu schlagen.
Dabei ist man die meiste Zeit in einer eher niederen sozialen Schicht der Bevölkerung situiert, treibt sich auf abgelegenen Strassen, in Hinterhöfen oder ominösen Nachtclubs herum. Der Vorausscheid findet gar mitten an frischer Luft statt, obwohl die Darsteller dabei deutlich frieren und man nicht umsonst die dicken Jacken anhat.

4. Das Schlusspaar:
Wie es ausgeht, weiss man. Und wie es bis dahin verläuft weiss man auch. Wo sich nichts entwickelt, kann sich auch nichts ändern oder auflösen. Im besten Fall wird trotz äusserster Rationalität eine Phantasie und Kreativität gefördert, der es keiner grossen Mittel bedarf. Sich dessen bewusst wird hier so gar kein Trubel erzeugt, sondern locker - gelöst einige weitgehend harmlose Situationen verknappender Skizze geschaffen und nur etwas Witz und die mildeste Form der Spannung addiert.
Inhaltlich suggeriert man nur, dass etwas entsteht und legt stattdessen ein simples, nicht wirklich abendfüllendes Argumentationsschema an. Letztlich ist es sogar erstaunlich, dass man trotz fehlender Handlung nicht in die Langeweile driftet; liegt wahrscheinlich an dem harmonischen Ensemble und der zurückhaltenden, zuweilen richtig unmodern wirkenden Regieführung, die jegliche Hektik, Betriebsamkeit und Nervosität aus dem repräsentativen Querschnitt verbannt.

Stattdessen herrscht eine Präzision und Ökonomie in statischer Perspektive vor, in der Möglichkeiten und Ereignisse solange in manifester Komik zuwiderlaufen, bis sie am Ende wieder in den Ausgangszustand gerückt werden. Der Humor greift sich die zwischenzeitlichen Normverletzungen heraus und bezieht sich folglich aus der Beschädigung des Konsens und dem Soll-Ist-Vergleich; sei es gesellschaftlich oder einfach nur präskriptiv bzw. deskriptiv.
So fallen offensive Sprachkunstsentenzen, lustvolle Demontagen und Wongs Prinzip des Chaos komplett flach. Dafür bietet das sanftmütige Lustspiel vermehrt Unerwartetes im Biegen der Realität, dem Einbeziehen von filmischer Wirklichkeit, teilweise sogar biographischer Bezüge der Darsteller und dem Ausbreiten in Richtung von Parodien. Nicht ausserhalb jeglicher Konvention, und auch nicht gewaltsam brechend im völligen Durcheinander, sondern eher ehrend - liebevoll.

So darf Chin Kar Lok sich gleich zweimal in Erinnerungen an sein über ein Jahrzehnt zurückliegenden Full Throttle [ 1995 ] versetzen lassen. 1x läuft er mit einer spezifischen Motorradjacke samt aufgedrucktem Namen des damaligen Actionchoreographen Bruce Law durch die Gegend. Ein anderes Mal spielt er eine Schlüsselszene direkt nach, ohne dies aber vom eigentlichen und auch weiteren Fortgang zu trennen. Wer das Original nicht kennt, merkt gar nicht, dass etwas nicht stimmen könnte oder er auf etwas reagieren sollte. Auch Election findet in plötzlicher und dort umso amüsanter Manier seine Wertschätzung. Das Gleiche gilt für den Opener von Fist of Fury, der aber dann schon sehr ausgekostet wird. Als Zuschauer ist man allerdings dankbar über jeden erkennbaren, aber nicht direkt ins Gesicht springenden Humor und kann auf die simple Verkleidung als Frau oder Clown oder die aufdringliche Gesangsnummer dann auch guten Gewissens verzichten.

Trotz seiner behaglichen, schon zuweilen kindisch anmutenden Gangart ohne Schrecken, Schmerzen oder auch nur Action finden auch milde anarchische Gesten ihren Einzug ins easygoing Geschehen, ohne sich wie bei Wong in pedanter Beharrlichkeit darauf zu stürzen oder umgekehrt in ausschweifende Pappnasenparties abzudriften. Auch die Lektion in Sachen Liebe vs. Ruhm und der Zauber der nochmals erlebten Jugendjahre in all ihrer sentimentalen Unschuld kommt ohne Pflicht und zwingende Notwendigkeit herüber und stellt sich als sicher gedämpfte, wenn auch treudoofe Ergänzung des Angelpunktes dar. So artet die pfadfinderische Beschreibung des common man Lloyd und seiner reinen moralischen Tugend nicht in eine zeremonielle Feier von Individualismus und Idealismus, sondern eher in leichtgläubiger Unbedarftheit aus.

Für den Spielunkundigen ist das Ganze trotz einigermassen apodiktischer Modallogik in etwa so aufregend wie das Chi selber: Eine Sequenz aus drei aufeinanderfolgenden Ziegeln einer Farbe.

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