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"Glauben sie an Geister?"

Der Japaner Hashimoto (Yosuke Eguchi) und seine Assistenten Mei (Janine Chun-Ning Chang), Ren (Bo-lin Chen) und Su (Barbie Hsu) entwickeln einen Würfel, der Geister sichtbar macht und gefangen hält. Für gewöhnlich lösen sich Geister nach kurzer Zeit des verstorbenen Menschen auf. Aber der Geist eines Jungen (Kuan-Po Chen) in den obersten Stockwerken eines Mehrfamilienhauses ist schon viele Tage dort und hat bereits seine ersten Opfer gefordert. Hashimoto ist fasziniert von ihm und will herausfinden, was ihn an die reale Welt bindet. Dazu wirbt er den Polizisten und Scharfschützen Tung (Chang Chen) an, der eine außergewöhnliche Sehfähigkeit hat und Lippenbewegungen lesen kann. Zunächst lehnt Tung den Auftrag ab, da er gerade persönliche Probleme zu bewältigen hat. Doch nach der Sichtung des Geistes ist er ähnlich fasziniert und folgt ihm während seiner Ausflüge durch die Stadt.

"Silk" geht unter die Kategorie des Mystery-Horror. Die asiatische Geistergeschichte greift ein paar innovative Methoden zur Erfassung von Geistern auf und unterscheidet sich somit von konkurrierenden Exorzismus-Geschichten. Der Film beschreitet den Mittelweg zwischen asiatischem und internationalem Kino. Dies bemerkt man beim Cast zu Beginn und der eher bodenständigen Inszenierung. Viele Fehler in der inneren Logik und eine unvollkommene Charakterzeichnung machen das grundsolide Werk jedoch brüchig.

Ganz klassisch beginnt "Silk" mit einem übernatürlichen Todesfall. Das leicht futuristische Werkzeug wird eingeführt und demonstriert, genauso wie die Figuren. Erzählerisch schreitet der Film zunächst flott voran und hakt ein paar Standardsituationen ab, geht dann ein wenig mehr in die Tiefe und integriert ein paar Überraschungen.
Ab der zweiten Hälfte wird "Silk" jedoch mühsamer. Die übernatürliche Geschichte wird zum Melodram und verliert an Spannung. Weitere Logiklücken gesellen sich zu den bereits vorhandenen. Die Luft ist bis zum Ende hin raus.

Die Atmosphäre ist durchaus gelungen. Klavierklänge unterstreichen die düstere, etwas unterkühlte Stimmung des Films. Die wissenschaftliche Herangehensweise ist nicht so abgegriffen wie die religiöse und hält über längere Zeit das Interesse wach. Schade ist daher besonders, dass "Silk" immer wieder gegen Erklärungsnöte stößt und somit die Glaubwürdigkeit enorm leidet.

Die Technik ist nicht besonders ausgefeilt. Zu Beginn sind Zugriffe der Polizei und Schusswechsel annähernd auf amerikanischen Kinoniveau und auch so inszeniert. Die digitalen Effekte sind jedoch eher anorganisch. Später erinnert ein Verkehrsunfall gar an das Niveau der 90er.

Die Charaktere leiden unter ähnlichen Defiziten wie die Schauspieler. Durch ihr unterkühltes Dasein stellt sich nur eine geringe Sympathie her. Besonders tragisch ist dies für Chang Chen ("Tiger and Dragon"), der in der Vergangenheit so viel mehr geleistet hat. Eine aufgesetzte Romanze ist genauso leistungsschwach, wie die unterschwellige Herangehensweise über ein tragisches Familiendrama.

"Silk" hat seine Momente und nimmt sich den Geister-Horror mal von einer anderen Betrachtungsweise vor. Man könnte ihn auch als konventionellen Krimi betrachten, der mit übernatürlichen Elementen ausgestattet wurde. In der Hälfte bricht der Film jedoch ein, verringert sein Tempo zugunsten eines schwerfälligen Dramas und schafft es nicht sein interessantes Setting zu fokussieren und glaubwürdig zu interpretieren. Die häufig amateurhaften Effekte hinterlassen letztendlich einen zwiespältigen Eindruck.

5 / 10

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