Schüleraustausch nach Frankreich - das verspricht, Erinnerungen an die eigene Jugend ins Gedächtnis zu rufen, in welcher man lockere Klassenfahrtstimmung und Nöte der Pubertät am eigenen Leibe erfuhr. Doch allzu verklärt und wehmütig gerät dann das Kinoregie-Debüt von Christian Ditter, der zuvor die RTL-Serie "Schulmädchen" inszenierte, doch nicht. "Französisch für Anfänger" ist ein locker-leichter Sommerfilm mit viel Humor und dementsprechend wenig Tiefgang.
Die Story dreht sich um Hendrik (Francois Göske, "Bibi Blocksberg"), welcher total verschossen ist in Valerie (Paula Schramm, "Schloss Einstein"), aber zu schüchtern ist, um sie anzusprechen. Als Valerie dann zwecks Schüleraustausch nach Frankreich fährt, beschließen der biedere Hendrik und sein betont cooler Freund Johannes (Lennard Bertzbach, "Die wilden Kerle 2") mitzukommen, ohne dass sie auch nur einen Satz Französisch fließend sprechen könnten. Dadurch kommt es natürlich während des Frankreichaufenthalts zu kulturellen Fettnäpfchen und Irrungen und Wirrungen in Sachen Liebe, die Hendriks Chancen bei Valerie zu landen immer aussichtsloser werden lassen...
Wie das ganze pubertäre Ringelreien ausgeht ist so vorhersehbar, dass ich es hier nicht zu erwähnen brauche. Fakt ist jedoch, dass diese recht dünne und konventionelle Story doch über weite Strecken gediegen zu unterhalten weiß. Da wären witzige Szenen um französische Tischsitten (Wein auf Cornflakes, Löffeln von Suppe) und andere Verständigungsprobleme zu erwähnen, die ob Hendriks bescheidener Sprachkenntnisse auftreten. Dabei folgt "Französisch für Anfänger" aber Schritt für Schritt den breitgetrampelten Pfad der Konventionen nach Schema F: Valerie hat natürlich einen anderen Kerl, der andauernd fremdgeht; Hendrik läuft die atrraktive und liebeshungrige Französin Charlotte hinterher, von der er gar nichts will, weil er Valerie liebt und so weiter und so fort. (ACHTUNG: SPOILER:) Irgendwie kann die Liebe aber die Steine, die ihr in den Weg gelegt werden, doch überwinden. Sei es nun mit dem Klau eines Busses oder ohne (wenn ihr den Film seht, wisst ihr, was ich meine).
Die Figuren des schüchtern-tiefgründigen Hendrik, der zunächst kratzbürstigen, aber dann interessierten Valerie und des pseudo-intellektuelle Lebensweisheiten verbreitenden coolen Typen Johannes wirken wie vom Reißbrett, obwohl sich die ehemaligen Kinderstars in ihren Rollen recht wacker schlagen. Auch die klischeehafte Zeichnung der Franzosen als zu Gitarrenuntermalung singendes, wolllüstiges Partyvolk ist eher daneben und wirkt, als hätte es die Zeit der Hippies in den 70ern nicht gegeben. Immerhin kommen Fans von "Wir sind Helden" auf ihre Kosten, deren Songs hier hoch und runter gespielt werden. Der übrige Score ist ebenso wie die pittoresken Landschaftsaufnahmen stimmig. Das einzige echte Highlight jedoch ist der kurze aber köstliche Auftritt von "Bullyparade"-Spezi Christian Tramitz zu Beginn als angepisster Französischlehrer.
Fazit: Locker-leichte, aber auch konventionelle Kost für den Sommer. "Französisch für Anfänger" ist eine weitgehend unterhaltsame Teenie-Komödie um die erste Liebe und Wirrungen der Gefühle ohne eigene Ideen zu entwickeln. Das taugt vielleicht für ein jugendliches Publikum, Erwachsenen dürfte der durchsichtige Plot allerdings etwas unterfordern. Und obwohl der Film besser ins Fernsehen gehört hätte: Für einen witzigen und unterhaltsamen Abend mit Erinnerungen an die erste Liebe reicht es - ganz ohne Wehmut.