Kleine Morde - Kleine Filme
Die Zeiten, in denen Amateurfilme billige Simpelschlachtereien waren, die man auf billigsten Handkameras für den Hobbybedarf und die nächste Sensationshochzeit drehte, scheint zumindest vorbei, und auch in den letzten Jahren entwickelte sich der deutsche Amateurfilm, zumindest unter einigen auserwählten Ambitionisten vehement weiter, zumindest technisch, doch muss man feststellen, dass man Storytechnisch immer noch auf der Stelle schwankt. Beliebteste Themen sind da immer noch simple Zombiestreifen oder Backwoodslasher a la Jason etc. und Co, kann man diese genussvoll in deutschen Wäldern zelebrieren, ohne das man irgendetwas vermissen würde, was einen normalen Film auszeichnet. Doch damit liegen wir auch eigentlich schon bei einem größeren Problem, denn auch wenn wir da von einer Steigerung und Entwicklung sprechen, verfilmen die selbsternannten Möchtegernregisseure immer den ein und selben Stoff, vermögen aber nichtmal ansatzweise neue Impulse zu setzen. Schade um ein Genre, dass seit jeher im Verruf als selbstzweckhaftes Blutdilletantenspektakel steht, dass keine wirklichen Geschichten erzählen kann.
Kadaver von Marcel Walz macht da keine Ausnahme, bietet das Grundgerüst des Filmes jene Zutaten, die wir wie folgt aus zig anderen Vertretern zusammengeklaut sehen können. Natürlich ist das alles nicht ganz so schlimm, denn Film bleibt Film, und manchmal braucht man einfach nicht mehr, doch spannend ist das auch in dieser Variante eher weniger. Es reicht um durchzukommen, etwas vorzuzeigen, aber meisterliche Leistung schaut anders aus, vorallem lassen sich Höhepunkte mit nichtmal einem Finger ablesen. Was fehlt sind Schritte in die richtige Richtung, die diesem Film total fehlt. Der Film will etwas, kann aber nichts davon. Weder parodieren, noch hommagieren. Ein amateurhafter Fanklau.
Da gesellt sich die typische Truppe reiselustiger Teens zu einem mehr improvisorisch vorbereiteten Führerteam aus Andi und Uschi von Nebenan, die ihr Taschengeld als Reiseleiter aufbessern wollen. Als Beilage gibts ne Broschüre, n Shirt mit der Aufschrift "Scary Camping Tour 2006" und 2 informative Leiter, die mit einer Schauergeschichte daherkommen, die sich gewaschen hat. Das klingt nach Lagerfeuergrusel und 1000 Slashern der Filmgeschichte? Richtig, aber schliesslich zeichnen sich doch so viele 0815 Slasher durch nette und feingeschliffene Charaktäre aus, mit denen man mitfiebert, man erlebt Hochspannung im Stenotakt und wird Schaulustiger von absolut schockierenden und superb zermürbenden Goreeffekten, die in einem Kontext geschehen, dass sich solche Nervenzerfetzer wie Blutgericht in Texas warm anziehen müssen.
Leider ist das mal wieder alles gelogen, denn Kadaver spult dieses immergleiche Konzept vollkommen undramatisch und uninspiriert ab und es wirkt bisweilen leider immer wieder so, als wolle man nur auf den nächsten Goreeffekt hinausarbeiten. Das ist weder hochspannend noch irgendwie treibend, denn auch die Story beweist in ihrer ohnehin schon platten Einfältigkeit ozeandampfergrosse Logiklöcher, die sich zum Finale hin, während man schon glaubte, man sei erlöst, nach dem Abspann zur Monstertitanic emporragen. Auch wenn wir von den "Reiseführern" die grausamen Gewalttaten vergangener Tage erfahren, wissen wir leider nicht, wer die Killer sind, was sie dazu machte, und warum sie mit chlorgebleichten Bettlaken und Hip Hop Kleidung durch die Prärie stampfen. Wie ein kannibalistischer Mörderclan, wie es das DVD Cover uns weiss machen will und die ihre Degeneration und Wut ausleben, sieht das zwar nicht aus, und ist auch nur allzu lächerlich, aber vielleicht muss das heutzutage so sein? Vielleicht auch doch ein Schritt in die richtige Richtung, kann man diese Hip Hop Cannibal Killer als Parabel auf unsere immer mehr dem Gangsterghettotum degenierten Gesellschaft interpretieren? Eher nicht...
Ja, Kadaver ist unbeholfen inszeniert, beweist null Dramatikgefühl, und wirkt einfach nur abgearbeitet, kann aber im Gegenzug, für Amateurverhältnisse mit recht ordentlicher Optik und guter Kameraarbeit punkten, weiss aber für Vielseher des Genres nicht gerade Quantensprünge zu vollbringen, wobei die Goreeffekte auch nicht das Gelbe vom Ei sind. Wem das reicht, solls haben, aber ein etwas anderer Unterton hätte dem Film in keinsterweise geschadet.
Fazit:
Technisch sauber aber mohnoton, innovationslos und uninspiriert. Und ein amüsantes Gedärmehappening sieht auch anders aus. Walz,...lass die Drehbücher bleiben.
36%