Ordentlicher B-Actionkrimi von „Tough and Deadly“ Regisseur Steve Cohen, wenn auch diesem unterlegen.
Sean Thompson (Chad McQueen) ist ein Top-Polizist, geht furchtlos gegen Gangster vor und wird mit Spitznamen Martial Law genannt. Das bekommen auch ein paar Geiselnehmer zu spüren, denn der als Pizzabote getarnte Sean liefert statt heißer Pizza einen Satz heiße Ohren und dellt den Räubern formschön die Stirnfalte ein. Ganz netter Einstieg: Zwar nicht übermäßig spektakulär, aber bodenständige Action und gut inszeniert.
An sich führt Sean als knallharter Cop (so wie alle knallharten Cops des B-Actiongenres) ein gemütliches Leben und hat eine Affäre mit einer Kollegin, der ebenfalls kampfgewandten Billie Blake (Cynthia Rothrock). Doch sein Bruder Michael (Andy McCutcheon), das schwarze Schaf der Familie, wird beschuldigt ein Autodieb zu sein und Sean kann ihn nur mit Mühe aus größeren Schwierigkeiten heraushalten. Die Idee mit dem Familiehintergrund ist zwar nicht neu, aber ganz nett – krankt nur leider an Chad McQueens nicht vorhandenem Schauspieltalent.
Doch Michael steckt in größeren Schwierigkeiten als Sean ahnt: Er arbeitet für Dalton Rhodes (David Carradine), einen mächtigen Gangster, der vor allem vom Handel mit Drogen und Waffen lebt und nicht zögert, störende Personen unter die Grasnarbe zu bringen. Nachdem Sean einen von ihm getöteten Kleingangster gefunden hat, macht er sich auf die Jagd nach dem Boss – unwissend in welcher Klemme sein kleiner Bruder steckt...
Die Geschichte von „Martial Law“ ist nicht unbedingt die allerbeste im B-Actiongenre, da sie in erster Linie eine Standard Krimihandlung absolviert und die Kampfszenen verbindet. Dabei erreicht der Spannungspegel immerhin ein durchschnittliches Niveau und langweilig wird dem Zuschauer auch nie, aber die Hatz auf den Gangsterboss ist kaum mehr als ein roter Faden.
Die im Plot integrierte Familienkiste gibt der Story einen etwas originelleren Touch und fügt sich gut in die Handlung ein, aber Dramatik sollte man nicht erwarten. Zudem wirkt Chad McQueen mit seinem Repertoire aus 0,5 Gesichtsausdrücken in den Familienszenen arg überfordert aus. Doch durch die routinierte Regie von Steve Cohen gewinnt der Film an Stil, auch wenn er für meinen Geschmack zu viele Szenen bei Nacht hat (Schlafen B-Film-Cops denn nie?). Allerdings bleibt „Martial Law“ in allen Punkten, egal ob Story, Darsteller, Locations, Action usw. hinter „Tough and Deadly“ zurück.
Die Action besteht fast nur aus Prügeleien von ein wenig kurzem Schusswaffengebrauch abgesehen. Dabei könnten die Fights durchaus zahlreicher sein, aber dafür sind sie sehr temporeich inszeniert. Cynthia Rothrock schlägt sich hier weitaus besser als der eher ungelenke Chad McQueen. Nachdem ich bisher nur eher lahme Filme wie „Female Justice“ kannte, bin ich vom Können der Frau doch halbwegs beeindruckt, denn die gute Cynthia Rothrock agiert unglaublich schnell und gewandt in den Kampfszenen. Das deutsche FSK 18 Video von „Martial Law“ ist ja im Gegensatz zu den Nachfolgern ungeschnitten, nur leider etwas zu dunkel. Besonders hart ist der Film dann aber auch nicht.
Chad McQueen zeigt hier eindrucksvoll, was er kann: Gar nichts. Eher plump und ungelenk spielt er sich mit dem ewig gleichen Gesichtsausdruck durch den Film und wird selbst von den Nebendarstellern an die Wand gespielt. Die restlichen Darsteller wie Cynthia Rothrock oder David Carradine hingegen bringen ganz ordentliche Leistungen, freilich ohne zu begeistern.
„Martial Law“ ist ein gelungener B-Actionkrimi für Genrefans, auch wenn man nicht viel Neues und kein Übermaß an Actionszenen erwarten darf.