Ich will ja nicht verhehlen, daß „Studio 54“ ein klischeereicher Bauchklatscher mit nur wenigen guten Reminiszensen an die Dicso-Ära war, aber Whit Stillmans „Last Days of Disco“ kommt da kaum besser weg.
Wenn ich mir schon eine 20 Jahre zurückliegende Epoche zum Gegenstand meines Filmes mache, dann kann mal als Zuschauer auch schon mal eine generationstypische Analyse über diese Zeit erwarten.
Präsentiert bekommt man aber nur eine schier endlose Reihe von Yuppie-Charakteren (obwohl sie strikt ablehnen, dazuzugehören), die bemüht ist, Karriere zu machen, eine Art glückliches Liebesleben zu gestalten (aka: den Richtigen zu finden) und über den Zustand der Gesellschaft zu philosophieren.
Das stellt sich jedoch als strapaziöses Dauergelaber dar, denn eigentlich passiert in diesem Film nichts, außer das eine endlose Reihe von Themen und Thesen angeschnitten werden, faktisch bisweilen fundiert, unübertrefflich wortreich – und absolut unecht.
Hier trifft eine dermaßene Masse von Typen aufeinander, die so unglaublich tiefgründig über die Welt, in der sie leben nachdenken, damit sie beim nächsten Aufeinandertreffen ihr eigenes Unglück (oder momentanes Nicht-Glück) mit den anderen ausdiskutieren können.
Zwischendurch kriecht man mal in die Kiste oder es geht um einen prunkvollen Disco-Tempel und In-Schuppen, in dem sich alle Wege kreuzen, ob sie das nun sollen oder nicht.
Was die Anwesenden jedoch an Tanzbarkeit zur brauchbaren Musikauswahl auf der Tanzfläche von sich schütteln, dürfte Travolta in die Raserei treiben, denn allesamt frieren sie in Steifheit beinahe ein, was schon wieder zu den trockenen, hüftsteifen Diskussionsthemen paßt.
Diplom-Sozial-Pädagogen dürften einen Heidenspaß an diesem dialoglastigen Laberstreifen haben, alle übrigen wundern sich vermutlich über unvermittelte Handlungs- und Zeitsprünge, ausgelassene dramaturgische Möglichkeiten und einen Haufen Figuren, die sich gegenseitig eigentlich ankotzen, aber trotzdem ihre Zeit miteinander verbringen.
In einen historischen Kontext will das auch nur bedingt passen, denn so genau wird der Zeitpunkt (irgendwann am Beginn der 80er Jahre) auch nicht definiert, an dem das alles stattfindet.
Am Ende sind sich alle sicher, daß eine Ära vorbei ist und gehen, gemeinsam oder getrennt ihrer Wege. Bis dahin hat sich aber auch das Interesse des Zuschauers dorthin in alle Winde verstreut.
Da helfen auch die angeblich knackigen Jungdarsteller wenig, an die man sich wegen fast identischer Züge später kaum noch erinnert. Wenig Themen, wenig harte Thesen, das kann man in einem Film erschöpfend abarbeiten.
Aber eine endlose Reihe von Themen unbedingt mal anschneiden zu müssen in einem historischen Kontext, der so gar nicht zu Beschwingtheit der Disco-Ära passen will, das ist bloße Wichtigtuerei. Mit mir nicht! (3/10)