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Spätestens seit „American Pie“ ist es wieder en vogue potentielle Jungstars durch Teeniekomödien zwecks Etablierung zu hetzen und „Rache ist sexy“ ist genauso ein Vehikel.
Hauptfigur ist Kate Spencer (Brittany Snow), die von ihrer alleinerziehenden Mutter Lori (Jenny McCarthy) immer wieder zum Umzug gezwungen wird und von daher kaum der Wahrnehmung Gleichaltriger haften bleibt. Allerdings hat dies den Vorteil, dass sie bei ihrem Kellnerjob mitkriegt, das Schulschwarm John Tucker (Jesse Metcalfe) gleich drei Mädels gleichzeitig datet und alle ins selbe Restaurant schleppt. Diese Form von Unscheinbarkeit soll aus Kate eine Art hässliches Entlein machen, was nur halbwegs funktioniert, aber immerhin eine Abwechslung zum üblichen Brille-abnehmen-Haare-öffnen-Schema ist.
Allerdings kriegen die Mädels mit, dass John sie miteinander betrügt: Schlaufuchs Carrie (Arielle Kebbel), Cheerleader-Queen Heather (Ashanti) und Ökotussi Beth (Sophia Bush). Damit wäre also ein ganzes Raster etwas stereotyper Figuren abgedeckt, die erst durch Kates Intervention erkennen, dass sie sich nicht um John prügeln müssen. Stattdessen schreit die weibliche Psyche nach Rache und aus Filmen wie „Die Teufelin“ oder „Misery“ weiß man ja, wie fies Frauen sein können.

Also überlegt das ungleiche Quartett Rachepläne, die jedoch nicht aufgehen. Da muss ein härterer Schritt her: Kate soll ihn ködern, bis er sich wirklich in sie verliebt, und ihm dann das Herz brechen...
Hier wäre wirklich Potential für Bitterböses gewesen, doch insgesamt fällt „Rache ist sexy“ leider etwas zahm aus. Eine Herpes-Attacke und eine milde Entblößungsszene sind da schon die fiesesten Momente, nur gelegentlich kommt da mal die wirkliche Häme durch. Schlimm vor allem das Konsens-Finale, dessen halbgare Auflösung bereits danach riecht, als habe man gar nicht gewusst wie man den Film nun enden lassen wolle. Zumal man Johns übersehenen Bruder Scott (Penn Badgley) direkt als perfekten Partner für Kate etabliert.

Doch trotz verschenktem Potential hat man „Rache ist sexy“ immerhin nicht komplett vor die Wand gefahren, denn hat man sich damit abgefunden, dass der Film trotz seiner Prämisse und des Originaltitels „John Tucker must die“ wenig scharf ist, so kann man sich an ganz amüsanten Momenten freuen, zumal sich Betty Thomas’ Film auch traut seine weiblichen Hauptfiguren ebenso auf die Schippe zu nehmen wie Macho-Stereotype. Auch die Moral wird relativ sachte beigebracht, entweder bei einem Mutter-Tochter-Gespräch oder der Schilderung der sich anbahnenden Freundschaft unter den ungleichen Mädels.
Den neuen Superstar kann man inmitten der Truppe noch nicht ausmachen, doch das Frauenquartett überzeugt durch die Bank weg, selbst die aus dem Musikbusiness kommende Ashanti. Jesse Metcalfe ist solide, aber bleibt schwächer, etwas nervig hingegen Fatso-Fasano als dicker Klischeekompagnon, der auch für einen deplazierten Furzwitz und solche Scherze herhalten muss.

Alles in allem ist „Rache ist sexy“ eine reichlich konventionelle, aber immerhin flott abgefilmte und ganz amüsante Teeniekomödie. Sicher sehr vorhersehbar und angesichts des Potentials auch viel zu harmlos, aber auch kein großer Ausfall.

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