Review

Franco Nero spielt einen ehemaligen Soldaten namens Django, der im Grenzgebiet zwischen Mexiko und den USA in den Kleinkrieg zweier rivalisierender Banden eingreift, um dabei das große Geld zu machen.

"Django" ist sicherlich ein solider und unterhaltsamer Italo-Western und auf keinen Fall ein schlechter Film, warum er aber zu den besten Vertretern seines Genres gezählt wird und schließlich zum Kultfilm avancieren konnte, kann ich definitiv nicht nachvollziehen, da er, bis auf seine hohe Brutalität kaum neuen Wind ins Genre bringen konnte und sich darüber hinaus ziemlich offensichtlich bei Sergio Leones "Für eine handvoll Dollar" bedient.

Die Handlung um den wortkargen Anti-Helden, der zwei verfeindete Banden gegeneinander ausspielt ist altbekannt und in meinen Augen mit einem hohen Maß an Dreistigkeit übernommen, so fließen nur kleinere eigene Ideen mit in den Film ein, wobei einige dieser Einfälle, wie z.B. der Sarg mit dem Maschinengewehr durchaus Stil haben, so blieb Nero mit seinem Sarg im Gepäck für immer das Markenzeichen der Reihe. Ansonsten kann ich der Story nichts Neues entnehmen, zumal auch die Charakterkonstruktion sämtliche Genre-Klischees erfüllt und Django selbst nach dem typischen Anti-Helden-Muster gestrickt ist.

Aber eine Idee hatte "Django" dann doch zu bieten. Während man in den meisten Italo-Western zuvor einen Bodycount von höchstens zehn bis zwanzig Toten verzeichnete, gibt es hier doppelt bis dreifach so viele Tote. Mit der menschenverachtenden Grundeinstellung des Actionkinos der 80er reibt Sergio Corbucci dem Zuschauer die brutalen Massenerschießungen Djangos genüsslich unter die Nase. Damit sind die Schießereien durchaus sehenswerter, als bei vielen anderen Italo-Western, leider fehlt bei diesen Gewaltexzessen jedoch der sonst übliche schwarze Humor und so ist der Unterhaltungswert dann doch nicht so hoch, wie er sein könnte.

Vor allem beim dramaturgischen Aufbau und beim Spannungsbogen ergeben sich weitere Fehler, die "Django" ausbremsen. "Django" ist sehr eigentümlich und wirr erzählt, auf spektakuläre Action-Szenen folgt oftmals ein ganz neuer Ansatz und so ist auch kein roter Faden erkennbar, der einen hohen Spannungsbogen hätte erzeugen können. Das Finale ist dann zwar so spannend, wie man es sich erhoffen konnte, aber Corbucci arbeitet in meinen Augen sehr unbeholfen daraufhin und bremst seinen Film völlig unnötig mehrfach aus und kurbelt immer dann, wenn der Film wieder neue Spannung aufbauen kann, das Erzähltempo wieder herunter.

Handwerklich betrachtet ist "Django" durchaus gelungen. Die Filmmusik ist passend gewählt und baut vor allem bei den Schießereien eine gespannte Atmosphäre auf. Die Action-Szenen sind gekonnt in Szene gesetzt, auch wenn sie teilweise übertrieben sind, so aber sicherlich einen Meilenstein für das Action-Genre darstellten. Die Kulisse, die Weiten der Grenzregion zwischen den USA und Mexiko sind ebenfalls stark in Szene gesetzt und so kann "Django" auch optisch durchaus überzeugen.

Franco Nero stieg mit der "Django"-Rolle, mit der er für immer in Verbindung gebracht wurde und seine Paraderolle bleiben sollte zu einem der bekanntesten und gefragtesten Darsteller des Genres auf. Verdient hat er sich dies in meinen Augen aber nicht. Seine Darstellung ist ganz klar eine Imitation von Clint Eastwood, der die vergleichbare Rolle wesentlich besser gemeistert hat, so spielt er den Anti-Helden ohne Charisma und vor allem ohne den nötigen Zynismus und ist damit einfach zu glatt, kalt und trocken, wobei er wenigstens sympathisch genug ist, um den Zuschauer für sich zu gewinnen. Der übrige Cast ist solide.

Fazit:
Mit einigen menschenverachtenden Massenerschießungen, die absolut humorlos, beinahe genüsslich serviert werden, war "Django" wegen seiner Brutalität richtungsweisend, was man der Entwicklung des Italo-Western und des Action-Genres durchaus entnehmen kann. Aber die Brutalität kann doch beim besten Willen nicht alles sein, denn mit der dürftigen Leistung von Franco Nero, der offensichtlich von "Für eine handvoll Dollar" übernommenen Story und dem ungeschickten dramaturgischen Aufbau ist "Django" durchaus ein solider bis ordentlicher Italo-Western, aber nicht so gut, wie er des Öfteren dargestellt wird.

58%

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