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Mit "Barton Fink" haben die Coen-Brüder einen ambitionierten Film abgedreht - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Obwohl atmosphärisch gekonnt inszeniert, spielt der Streifen aus dem Jahre 1991 eine Liga tiefer als "Fargo", "The Big Lebowski" oder "No Country For Old Man". Was auch ein Stück weit verständlich sein dürfte, schließlich befanden sich die Coens im Anfangsstadium ihrer Karriere. Auch Großmeister durchleben eine Entwicklung, und das merkt man "Barton Fink" an: Er ist keineswegs so ausgereift, wie man es von ihren späteren Werken gewohnt ist.


Die Geschichte des Protagonisten, Barton Fink (John Turturro), einem Theaterautoren, der sich für das Sprachrohr des kleinen Mannes hält und sich nun im Haifischbecken Hollywoods zurecht finden muss, wird langsam, mit schönen Einstellungen und surrealen Kamerafahrten erzählt. Dabei nimmt die Geschichte nur langsam an Tempo auf. "Barton Fink" ist ein ruhiger Film. Ein Großteil der Szenen gespielt in der Absteige (Hotel "Earle"), in der Fink untergekommen ist, um in Ruhe an seinem Erstlingswerk für die Leinwand zu schreiben. Unter einer Schreibblockade leidend, wird er desöfteren von seinem Nachbarn Charly (John Goodman) unterbrochen, der sich als Versicherungsvertreter aus gibt. Das Ganze hat etwas von einem Kammerstück (was es wahrscheinlich auch haben soll, wenn man Bartons ursprüngliches Metier in Betracht zieht) - wer so etwas mag, wird hierdrin seine Freude finden. Aber die Coens sind halt Filmemacher und keine Stückeschreiber: Die Dialoge lassen an Leichtigkeit vermissen, die man aus anderen Steifen von dem Brüderpaar gewohnt ist; für eine Theatersprache sind sie nicht pointiert genug.

Erst nach einer guten Stunde gibt es die ersten Turbolenzen (die manch einer schon früher erwartet haben dürfte), allerdings in angemessener Form, ohne dabei das ruhige Erzähltempo zu zerstören. Gegen Ende leben die Coens ihre erzählerischen Stärken aus, Spannungsbogen und Überraschungmoment erreichen ihren diabolischen Höhepunkt.

Wenn Fink mal sein Domizil verlässt, muss er sich mit den Mechanismen der amerikanischen Traumfabrik auseinandersetzen. Doch die beißende Satire, die andere Betrachter sehen wollen, sehe ich nicht. Der Blick auf die machthabenden Figuren fällt eher skurill aus, zuviele Klischées machen die Runde: Selbstüberschätzende Filmbosse, cholerisch-gestresste Produzenten und versoffene Autoren - alles passt in die Schablone. Wirklich tragisch wird es erst, wenn Fink nach der schier endlos andauernden Blockade sein Drehbuch fertiggestellt hat. Überzeugt davon, das beste Stück seiner Laufbahn geschreiben zu haben, muss er feststellen, dass Hollywood 08/15-Stoffe dem Anspruch vorzieht.

Fazit: "Barton Fink" deutet das Potenzial an, das Joel und Ethan Coen besitzen und in späteren Filmen preisgeben werden. Ein anspruchsvoller Film, technisch grandios in Szene gesetzt und von den gut aufgelegten Mimen John Turturro und John Goodman (die zusammen mit Steve Buscemi, hier in einer Nebenrolle zu sehen, zum Inventar der Coens gehören) getragen. Letztendlich fehlt der letzte Feinschliff, der aus einem guten Film einen großartigen machen könnte. Eine 9er oder 10er Wertung wäre unverhältnismäßig dem gegenüber, was wir von den späteren Coens zu sehen bekommen werden. (7,5/10)

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