Es ist schwer für einen Film wie "Barton Fink" die richtigen Worte zu finden. Schwer ist dieser Film zu kategorisieren, und zu viele Genreversatzstücke sind darin zu finden. Was sollte er nun sein, eine zynische Satire auf Hollywood, ein stilles Drama, dass die Vereinsamung eines in einer Schreibblockade steckenden Schriftstellers darstellt, oder ein surreales Kammerspiel? Im Grunde entdeckt man all diese und viele andere Eigenschaften in diesem Film.
1941, Amerika kurz vor dem Kriegsbeitritt, Barton Fink (grandios von John Turturro verkörpert), der gerade großen Erfolg auf den New Yorker Bühnen als Autor feiert, träumt von größerem. Die versnobte New Yorker Kunstszene anzusprechen war nie sein Ziel. Vielmehr ging es ihm darum auch den "kleinen Mann" anzusprechen bzw. über ihn zu schreiben. Dank seines Erfolges klopft auch bald Hollywood an. Ein wenig widerwillig nimmt er das Angebot an. Und recht bald steht er vor dem Filmproduzenten Jack Lipnick (Michael Lerner), der ihm im wahrsten Sinne geradezu die Füße küsst. Der Idealist Barton, bezieht nicht wie erwartet ein First Class Hotel, sondern eine geradezu heruntergekommene Absteige. Dort macht er Bekanntschaft mit seinem Nachbar Charlie Meadows (John Goodman). In ihm scheint er genau das Klientel gefunden zu haben nach dem er suchte. Der "kleine Mann von der Straße", der Arbeiter mit geringer Bildung aber großem Herzen. Barton schwärmt ihm vor, daß er ihn für seine Einfachheit bewundere und geradezu arrogant beginnt er über das Leben des einfachen Mannes, wie Charlie eines zu haben scheint, zu schwadronieren. Hier wird der satirische Grundton bemerkbar, statt Charlie ,der laut eigenen Aussagen einige seiner Geschichten erzählen könnte, einmal zu Wort kommen zu lassen, textet Barton ihn selbstverliebt mit seinen intellektuellen Ergüssen zu. Barton hat gar nicht vor sich die Geschichten des "kleinen Mannes" anzuhören über die er schreiben will, sondern verbleibt in einer verklärten Vorstellung von ihm.
Satirisch geht es auch stets bei Filmproduzent Jack Lipnick zu. Bartons Auftrag, ein Drehbuch für einen Catcherfilm schreiben, einem wie er offenbar zehnmal im Jahr gedreht wird. Es soll nichts besonderes werden nur den typischen Mustern des Genres folgen, eine typisch amerikanische Underdog-Story halt. Barton ein wenig skeptisch macht sich auf, diese vermeintlich einfache Aufgabe zu meistern und verfällt prompt einer Schreibblockade. Schnell erliegt Barton deren Auswirkungen, so hört er statt zu schreiben lieber dem Liebesspiel seiner Nachbarn zu oder versucht den sich langsam von den Wänden lösenden Tapeten Herr zu werden. Dazwischen starrt er auf das weiße unbeschriebene Blatt Papier in seiner Schreibmaschine. Einzig Charlie leistet ihm hie und da in seinem kargem und langsam verfallendem Hotelzimmer Gesellschaft.
Durch seine offensichtlichen Schwierigkeiten mit dem Buch überhaupt erst anzufangen, bekommt er den Rat, sich mit einem erfahreneren Autor auszutauschen. Und prompt lernt er den ausgebrannten und dem Suff verfallenen Schriftsteller Bill Mayhew kennen. Doch der entspricht nicht wirklich den Vorstellungen von Barton. Langsam dem Wahnsinn verfallend, ungehobelt und längst jede Liebe zum Schreiben verloren. Aber mehr noch, Barton erfährt, dass Audrey Taylor (Judy Davis), die Frau von Bill, in Wahrheit einen Großteil seiner Bücher geschrieben hat. Für Barton bricht eine Welt zusammen, eines seiner Vorbilder ist vom zermürbenden und kreativitätsvernichtenden System Hollywoods besiegt worden. Barton, der mit der Aufgabe einen simplen wie eindimensionalen Catcherfilm zu schreiben überfordert bzw. unterfordert ist, bittet Audrey, die sich offenbar besser als jeder andere damit auskennt, ihm dabei zu helfen. Mitten in einer Nacht findet sie sich also in Bartons Hotelzimmer ein, um ihm bei seinem Problem zu helfen. Nach der sich daraus ergebenden Liebesnacht wacht Barton plötzlich neben dem leblosen Körper von Audrey auf.
Visuell absolut betörend, erzählerisch einige Rätsel aufgebend und mit einem für die Coens typischen, absurd schwarzen und entlarvenden Humor ausgestattet. Aber was will uns der Film mit seinen schrägen und überspitzten Charakteren sagen? Charlie Meadow (John Goodman) etwa ist der undurchsichtigste, der nette naive Nachbar von nebenan oder doch ein bestialischer, abgründiger Serienkiller? Der scheinbar einfache Mann, wie ihn Barton gerne sehen würde, entlarvt sich als grausamer Killer, der mit reiner Willkür zu handeln scheint, sich aber im weiteren Verlauf als Bartons Retter entpuppt. Auch die beiden Polizisten mit ihren antisemitischen Bemerkungen über Barton, die im Finale von Charlie (stellvertretend für Barton?) mit einem spöttischen "Heil Hitler" regelrecht hingerichtet werden, strotzen nur so vor unterschwelliger Symbolik. Längst augenfällig geworden ist, dass sich die Themen Antisemitismus, Rassismus und Nationalsozialismus, wenn auch meist nur andeutungsweise und humorvoll, wie ein roter Faden durch viele Filme der Coens zu ziehen scheint.
Sehr interessant stellt sich jedenfalls die Inszenierung rund um Charlie heraus. Anfangs noch die Versinnbildlichung des "einfachen Mannes", sich später zu einem Landesweit gesuchten psychopathischen, offenbar auch sexuell motivierten, Mörder ausweitend und endent als leibhaftige wie infernalische Erlöserfigur. Die Figur selbst, ob nun tatsächlich existent oder nur eine Wunsch bzw. Wahnvorstellung seitens Barton, sei dahingestellt, wird stets durch die verklärenden Augen von Barton betrachtet. Zu riesigen unwirklichen Idealfiguren heraufbeschworen steht Charlie jeweils für die Ängste, Hoffnungen, Wünsche und die Sexualität von Barton. Das Bild des vielzitierten und verklärten "einfachen Mannes" durch den Coen'schen Reißwolf gedreht und resultierend als bösartiger, vielschichtiger und abgründiger Klumpen.
Der Film richtet sein Augenmerk aber auch auf eine metaphernreiche Bildsprache. Vor allem bemerkbar in dem Hotel in dem Barton lebt und dass gut die Häfte des Filmes zu sehen ist. Es erinnert in seiner Darstellung an einen dunklen kafkaesken Mikrokosmos, Erinnerungen an Kubricks "Shining" kommen hier hoch. Düster, beklemmend mit fiebrig hitziger Atmosphäre, gleich einem Höllengemälde mit nicht weniger verschrobenen und rätselhaften Figuren, wie etwa dem Hotelportier (Steve Buscemi), der das Treiben mit leichenblassem Teint hinnimmt und irgendwie in seiner unheimlich stoischen Art über den Dingen zu stehen scheint.
Weniger schwer zu deuten sind die bitterbösen satirischen Spitzen gegen Hollywood respektive gegen ihre geldgeilen Produzenten und ihren unterwürfigen Ja-Sagern. Hier kommen wohl persönliche Erfahrungen der Coen-Brüder ins Spiel. Auch die Figur Barton, in ihrer idealistischen, arroganten und geradezu weltfremden Art, scheint aus dem persönlichen Erfahrungsbereich, wenn nicht gar von ihnen selbst abgeleitet zu sein. Mit viel Freude an der Zerstörung und Entlarvung der Traumfabrik gehen sie hier zu Werke, jeder bekommt sein Fett ab. Der in seiner eigenen intellektuellen Blase steckende, sich zu höheren berufen fühlende Künstler, der an dem System zerbrochene und dennoch hochmütig sich hinter geschmackvoll formulierten wie zynischen Phrasen versteckende Schriftsteller und der lächerliche, kulturfeindliche Filmproduzent.
Am Ende sehen wir Barton alleine an einem uns seltsam vertrauten Strand einsam im Sand sitzen, ein kleiner von Charlie übergebener Karton neben ihm. Nachdem Barton mit seinem Drehbuch gescheitert und von nun an in der Hand der Produzenten ist, scheint er zu resignieren. Er ist selbst zum kleinen unterwürfigen Rädchen des Systems geworden und steht vor dem Scherbenhaufen seiner anfangs noch so blühenden Karriere. Doch was ist in dem Karton? Etwa der Kopf seiner kurzzeitgeliebten Audrey oder kryptischer ausgedrückt, die Kreativität von Barton die von jetzt an, wenn es nach den Produzenten geht, auch keine Rolle mehr spielen darf und demnach verschlossen bleiben sollte.
Wie dem auch sei, bei allen Spekulationen und Interpretationen, zu denen der Film geradezu einlädt, den Coens ist ein erstaunlich vielschichtiger wie bitterböser Film mit starkem satirischen Ton gelungen, der mit seiner langsamen, deutlich an den Film-Noir angelehnten Inszenierung und seinen brillanten wie doppelbödigen Bildern zu faszinieren weiß.