Sie kennen Barton Fink nicht? Wie schön für Sie, denn je weniger Sie über diesen Film wissen, desto größer wird Ihre Verblüffung nach dem ersten Anschauen sein. Barton Fink wurde im Jahre 1991 von den Coen-Brüdern inszeniert und von den Filmkritikern als eine zynische Abrechnung mit der Skrupellosigkeit Hollywoods gefeiert. Er wurde aber nicht besonders populär und gilt heute wohl eher als Geheimtipp unter Cineasten.
Barton Fink, oder besser gesagt, das, was ihn besonders macht, zu beschreiben, ist nicht einfach, denn der Film ist so vielschichtig, dass man über ihn locker einen Aufsatz schreiben könnte, ohne damit alle Aspekte wirklich tiefgründig beleuchtet zu haben. Dabei gibt sich die Rahmenhandlung an sich recht schlicht und klingt auch zunächst wenig aufregend. Barton Fink (John Tarturro) kommt als frisch gefeierter New Yorker Theaterautor in den 40er Jahren nach Hollywood, um dort Drehbücher zu schreiben. Sein erstes Werk soll ein ehrlicher, einfacher Catcher-Film werden, nur dummerweise hat der intellektuell-humanistisch geprägte Barton überhaupt keinen Zugang zu diesem Thema. Und so sitzt er ideenlos vor seiner Schreibmaschine und starrt wie hypnotisiert auf das Bild einer Strandschönheit, das den einzigen Blickfang in seinem ansonsten so trostlosen und einsamen Hotelzimmer darstellt. Recht bald lernt Barton unfreiwillig seinen grobschlächtigen Zimmernachbarn Charlie Meadows (John Goodman) kennen, der sich ihm als Versicherungsvertreter vorstellt und sich sowohl physisch als auch charakterlich als völliges Gegenstück zu Barton entpuppt. Doch Barton merkt zunächst gar nicht, dass Charlie ihm bei der Lösung seines Problems behilflich sein könnte und so muss vor dieser Einsicht erst ein dramatisches Ereignis geschehen…
Den Coen-Brüdern gelang mit Barton Fink ein kleines Meisterwerk, das sich langsam aber stetig zu einer filmischen Achterbahnfahrt entwickelt, in der raffiniert und für den Zuschauer lange Zeit fast unmerklich zwischen verschiedenen Erzählebenen hin und her gesprungen wird. Meisterlich sind ebenfalls die darstellerischen Leistungen, insbesondere die von John Tarturro in der Titelrolle und John (ich liebe ihn!) Goodman. Ihr Schauspiel verleiht dem Film in Kombination mit der wirklich einmalig trostlosen Atmosphäre des Hotels, in dem sich der überwiegende Teil der Handlung abspielt, eine ganz besondere Note. Barton Fink schafft es wie kaum ein anderer mir bekannter Film, die Genres Krimi, Komödie und Drama gekonnt miteinander zu verbinden und wartet mit einem der wohl rätselhaftesten Enden der Filmgeschichte auf. Ganz David Lynch-like (Lost Highway, Mulholland Drive) bleibt alles offen und so beginnt der wahre Film im Grunde erst nach dem Film – nämlich im Kopf des Zuschauers.