Review

Richtig schwierig wird es für den Symbionten aus Kritiker und gemütlichem Zuschauer, wenn beide Seiten offensichtlich gegeneinander arbeiten.
So auch hier wieder mal bei „Unbesiegbar“, einer wie für Disney vom Schicksal geschriebenen (und wahren) Story über den Barkeeper Vince Papale, der 1976 über ein offenes Training tatsächlich in die Football-Mannschaft der „Philadelphia Eagles“ rutscht und dort tatsächlich ohne große Vorbildung eine kurze, aber recht erfolgreiche Karriere macht.

Mark Wahlberg hat sich der Rolle des vom Pech verfolgten Aushilfslehrers und Bierzapfers angenommen, der geradezu demütig sich von Tag zu Tag durch das Trainingslager hangelt und jeden Abend dann doch nicht nach Hause geschickt wird.
Und Wahlberg ist dann auch der beste Grund, warum man sich diesen Film ansehen sollte.
Wie schon in „Boogie Nights“ fügt er sich traumhaft sicher in das Lokalkolorit der Mittsiebziger Jahre ein, trifft den Ton des Underdogs genauso wie den des spröden Antihelden, der in Gefühlsdingen schon ziemlich verunsichert, nicht sicher ist, ob er während seiner großen Chance der Liebe noch eine Chance geben soll.
Den Blick auf diese für die Stadt schwierigen Zeiten hat Regisseur Ericson Core gut eingefangen, in Sachen Stimmung eine Eins.

Und auch das Gesamtkonstrukt gerät zu einer amüsanten und sehr unterhaltsamen Aufstiegsstory eines unterschätzten Hobbysportlers, vom Training über das Trainingslager zu den Vorbereitungs- und dann zu den ersten Saisonspielen – wer kann da noch zweifeln, das da irgendwo draußen ein erster Touchdown auf Papale wartet, schließlich ist es ja eine Sportlerbiographie.
Wer es also begrüßt, dass Filme schön reibungslos die Erwartungsrutsche runterlaufen, der hat hier eine gute Zeit – alle anderen finden das vermutlich viel zu vorhersehbar.

Tatsächlich enthält der Film auch wenig Substanz für mehr, sondern konzentriert sich bis auf wenige kurze Ausflüge (Firmenstreiks) fast nur auf seine Hauptfigur: beruflicher Misserfolg, sportlicher Aufstieg und Frühlingsgefühle der langsamen Art.
Das ist ein dermaßen formschön geschnürtes Komplettpaket, dass man praktisch vorneüber einnicken könnte, denn das Ergebnis ist wirklich weitestgehend überraschungsfrei.

Funktionieren tut der Film dann aber seinen harten, aber nicht überstilisierten Spielszenen, die einen im Sessel stets dann packen, wenn man beginnt abzuschweifen.
Leider spinnen die Autoren das Skript nur bis zu einem bestimmten Punkt, dem Durchsetzen im Team durch den ersten Touchdown, erzählen verschiedene Handlungsstränge nicht zuende, sondern informieren durch (ziemlich knapp wirkende Schlußtitel), was den beteiligten Personen/Figuren danach noch widerfuhr.
Das ruppige, aber dafür relativ sülzfreie Ende ist wirklich gewöhnungsbedürftig, bewahrt uns aber vor zu großen Heldenarien amerikanischen Zuschnitts.

Ergo muß sich jeder entscheiden, ob das als „bekannt“ abtut oder als „Feelgood Movie“ einfach mal so zwischendurch einpfeift, ein wenig Zugehen auf die bei uns immer noch recht unbekannte Sportart vorausgesetzt.
Der zum Glück nüchterne und unpatriotische Ton in diesem Realweltmärchen bewahrt „Unbesiegbar“ für mich vor der Abgedroschenheit.
Aber das muß jeder für sich selbst entscheiden – wenig genug Interesse für diese beliebten US-Sportarten besteht ja seit längerem. (6,5/10)

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