Mit Seraphim Falls hat David von Ancken einen wirklich interessanten, spannenden und kurzweiligen Neo-Western abgeliefert, der nach klassischem Revenge / Treibjagd - Muster beginnt, um letztlich ziemlich überraschend in gänzlich unvermutete Kontexte abzudriften. Neben den starken Hauptdarstellern Brosnan und Neeson, sowie der gelungenen Inszenierung (wunderschöne Naturpanoramen, durch die sich die Figuren hetzen; realistisches Zeitcolorit des ausklingenden 19. Jahrhunderts) sind es vor allem die religiösen (man achte schon auf den Titel und Namen der Hauptfiguren) und philosophischen Subtexte, die den Film aus dem Einheitsbrei herausheben.
Auch die Erzählstrategie ist durchweg clever gehalten. Seraphim Falls startet in medias res mit einer Hetzjagd auf Leben und Tod, in der es Gideon (Brosnan) von Anfang an ans Leder geht, wenn Carver (Neeson) und seine Bande ihn verfolgen. Es dauert eine ganze Weile, bis die Hintergründe für den Hass Carvers und seine Motive Gideon lynchen zu wollen deutlich werden. Und an diesem Punkt schwenkt der Film dann eben ziemlich überraschend um - weg vom klassischen Showdown, hin zu surrealistischen Szenen ala DEAD MAN, in denen es um grundsätzliche Fragen geht.
Seht es euch einfach selbst an, es lohnt sich wirklich. Hervorheben möchte ich schließlich noch, dass es dem Film geschickt gelingt, voreilige Sympathisierungsstrategien des Zuschauers gnadenlos aufzudecken und zu hinterfragen.
Ein ebenso spannend unterhaltendes wie zum Nachdenken anregendes Filmchen. Ein echter Tipp ! 8/10