Review

Eigentlich war Pierce Brosnan (Goldeneye, Der Ghostwriter) nur zweite Wahl, den Richard Gere hätte die Hauptrolle übernehmen sollen. Der sagte aber glücklicherweise ab und Brosnan liefert zweifelsohne eine der besten Leistungen seiner Karriere. Wer dem Genre Western etwas nachtrauert, der ist über jeden Beitrag froh, doch außer "Todeszug nach Yuma" und "Open Range" war in den letzten Jahren nicht sehr viel los. "Seraphim Falls" darf sich ebenfalls zu den gelungenen Beiträgen zählen, es ist das Spielfilm-Debüt vom Serien-Regisseur David Von Ancken (Cold Case, Californication), der auch noch das Screenplay zu dieser spannenden Hetzjagd lieferte.

Carver (Liam Neeson) hat sich vier Kopfgeldjäger angeheuert und jagt den Trapper Gideon (Pierce Brosnan) erbarmungslos durch die kalten Ruby Mountains. Carvers Motiv sind die damaligen Geschehnisse in "Seraphim Falls" während des Krieges. Gideon ist damit kein Anfänger, schwer verwundet gelingt es ihm trotzdem Carvers Helfer zu dezimieren. Der wird im besessener davon Gideon endlich zu erwischen, seine Helfer machen sich langsam auch ihre Gedanken und planen sogar auszusteigen. Irgendwann kommt es zur finalen Konfrontation, für die alle Beide einen hohen Preis bezahlen müssen.

Von Ancken spart sich die Vorgeschichte und wirft uns mitten ins Geschehen. Wir befinden uns im Jahr 1868 in den verschneiten Ruby Mountains, wo Gideon ein paar Sekunden im Bild ist und schon auf ihn geschossen wird. Das erste Drittel ist eine durchweg atemberaubende Hetzjagd vor eiskalter Kulisse, Gideon ist seinen Jägern komplett unterlegen, denn er hat nicht mal ein Pferd. In dieser Kälte muss er sich auch noch eine Kugel aus dem Arm holen und seine Kleidung trocknen, weil er bei der Flucht vor Carver in den Fluss gefallen ist. Man zittert hier quasi mit Gideon mit, dank der grandiosen Naturkulisse und den authentischen Naturaufnahmen kann man die Kälte fast selbst spüren. Mit Carver und Gideon bekommen wir zwei Männer vorgesetzt, die ein gemeinsames Ereignis während des Bürgerkrieges verbindet. Um was es sich dabei handelt, bekommen wir erst gegen Ende zu sehen, jedenfalls erlebt der Zuschauer in diesem Bezug eine böse Überraschung. Als Zuschauer ist man herzlich eingeladen kräftig bei der Jagd mitzufiebern, wobei Gideon der eindeutige Sympathieträger ist. Dennoch entpuppt auch er sich als eiskalter Killer, der besonders gut mit seinem Messer umgehen kann.

So führt er teilweise eine Art Guerillekrieg gegen Carver und seine Helfer, wobei es nur zu wenigen Konfrontationen kommt. Diese hat Von Ancken aber ziemlich brutal in Szene gesetzt, so landet Gideons Messer mal im Kopf oder im Hals eines Menschen, auch seine selbst gebastelte Falle erfüllt auf grausame Weise ihren Zweck. Auf richtige Actionszenen muss man hier komplett verzichten, auch lässt "Seraphim Falls" nach einem starken ersten Drittel etwas nach. Dabei erhalten wir auch Einblicke bei Carver und seinen angeheuerten Kopfgeldjägern, die sich erfreulich menschlich verhalten und auch mal meutern. Carver würde dagagen ohne zu zögern in den Tod gehen, um Gideon zu erwischen. So landet man bald in einer Stadt die noch im Entstehen ist und weiter geht es von der Steppe in die Einöde, bis hin zur richtigen Wüste. So bietet man Kulissentechnisch genügend Abwechslung und Von Ancken lässt seinen Film auf ein unkonventionelles Ende zu steuern. Natürlich dürfen sich der Jäger und seine Beute noch gegenüber stehen, doch das Duell endet völlig anders, als man erwartet. Dabei geben Pierce Brosnan und Liam Neeson (96 Hours, Darkman) zwei verbissene Gegner ab, Beide ziemlich skrupellos. Bis in die Nebenrollen ist "Seraphim Falls" hochkarätig besetzt, hier tummeln sich Ed Lauter, Tom Noonan, Michael Wincott, Xander Berkeley und Anjelica Houston.

Ein kompromissloser und brutaler Western vor atemberaubender Naturkulisse, besonders Brosnan und Neeson liefern eine brillante Vorstellung. Dennoch vermag "Seraphim Falls" von seinem anfänglichen Zauber etwas einzubüßen, dabei zieht sich das Finale in der Wüste zu sehr. Auch auf die üblichen Schusseinlagen sollte man verzichten können, denn Von Ancken ist kaum auf Konfrontationen aus, wenn dann geht es richtig brutal und dreckig zur Sache. Gegen Ende darf es noch eine böse Überraschung geben, welche die scheinbar simpel gestrickte Story deutlich aufwertet.

Details
Ähnliche Filme