Review

"... Aber wenn ich zum Himmel hinauf blicke, sehe ich dort die rostfarbene Erde."

"Pale Cocoon" lädt sehr zum interpretieren ein. Dazu ist es notwendig den Großteil der Story zu spoilern was ich hier auch tun werde. Wer sich den Kurzfilm also noch unbefangen ansehen möchte sollte nicht weiter lesen.

In einer postapokalyptischen Zukunft ist die Erdoberfläche durch Überbevölkerung und Umweltverschmutzung verlassen. Die Menschen haben sich in einen unterirdischen Komplex zurückgezogen und den Großteil der alten Tage vergessen. Eine Exhuminierungsstelle hat sich gebildet welches alte Datenfragment analysiert und wiederherstellt. Doch scheint es als wollten die meisten gar nicht wissen was sich einst über ihnen abgespielt hat. Nur wenige Mitarbeiter kümmern sich noch um die Erforschung alter Daten, darunter Ura und Rika. Ura ist fasziniert von den Bilder der einst blühenden Erdoberfläche. Rika ist dem ganzen Thema dagegen eher verhalten eingestellt. Eines Tages entschlüsselt Ura eine Videodatei die ihn an allem was er bis dato glaubte zweifeln lassen sollte...

In nur ca. 20 Minuten erzählt die japanische Animationsschmiede Rikka eine Geschichte über eine uns mögliche, drohende Zukunft. Gehalten wird diese Geschichte von gerade mal 2 Charakteren. Für mehr ist einfach keine Zeit und selbst diese beiden werden weder veranschaulicht noch entwickelt sich Sympathie zu diesen Figuren.
Die kurze Laufzeit ist ein Manko, die Geschichte und die Welt selbst hat in dieser kurzen Zeit kaum Raum sich zu entfalten. Viel zu groß und episch ist die Story angelegt und viel zu klein die Möglichkeit diese dem Zuschauer näher zu bringen. Als Appetitanreger bzw. einzelne Folge einer Serie würde sich der Kurzfilm wunderbar eignen, so bleibt nur der Hunger nach mehr.
Schuld daran ist unter anderem der viel zu lange Einstieg. Bereits 7 Minuten werden zur Einführung verwendet bis es um das eigentliche Thema, nämlich der Entschlüsselung der Videodatei, geht. Soviel Zeit kann man bei einem Film "normaler" Länge verwenden, sogar noch mehr, nicht aber bei einem Kurzfilm.

Generell sieht „Pale Cocoon“ sehr gut aus. Detailliert gezeichnete Figuren werden mit Computergrafiken und jeder Menge Partikeleffekte verbunden. Besonders die Hintergründe und Umgebungen sind dabei sehr gut gelungen und tragen sehr zu Bildung der Atmosphäre bei.
Die psychedelisch, futuristischen Bilder sind mit ruhiger, melancholische Musik unterlegt. Es wirkt alles ein wenig düster, trist, trostlos aber nicht traurig.
Die Atmosphäre ist sehr gut gelungen.

Im Endeffekt scheitert "Pale Cocoon" an seiner Erzählweise. Viele Details der Welt werden nicht geklärt sondern man muss sich diese selbst erarbeiten. Es werden Hinweise gegeben, aber die wenigsten Hinweise werden bekräftigt. Hier bleibt viel Spielraum für eigene Gedankengänge und Interpretationen. Dies mag zwar schön und gut sein jedoch gibt es kaum Möglichkeiten sich an etwas zu orientieren. Denn dafür hört und sieht man viel zu von der aufgesetzten Welt.
Das schönste Beispiel ist der Schluss. Eingangs erwähntes Zitat lässt bereits vermuten, dass sich das Geschehen gar nicht auf der Erde abspielt. Dies bekräftigt sich als Ura zum Finale den blauen Planeten am Horizont entdeckt. Und hier verunsichern direkt hunderte von Vermutungen. Hat sich das Ökosystem der Erde von selbst regeneriert? Wurden die Menschen die vermutlich im Untergrund des Mondes leben vielleicht vergessen? Oder ist vielleicht sogar alles ein wahnwitziges Schwindel und der blaue Planet ist nur eine Projektion? Zugegeben: Ein paar Fragen die ich hier stelle sind etwas überzogen. Aber genau dies passiert wenn man wirklich so gut wie nichts hat, an dem man sich orientieren kann, denn dann zweifelt man schon mal alles an.

Schwache Charakterspezifizierung, eine viel zu kurze Spieldauer für eine so groß präsentierte Welt und viel zu viele Möglichkeiten zu philosophieren trüben die hervorragende Atmosphäre, Animation und Musik. Für den Ein- oder Ausstieg zu einer Serie wäre diese "Folge" optimal. Leider verfehlt die Erzählung als Kurzfilm hier seine Wirkung.

4 / 10

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