Garfield Teil 2. Man kennt Teil 1 und deswegen kann man Teil 2 jetzt genießen, schließlich wird in diesem Leben niemand mehr erwarten, dass die Realverfilmung den zynischen Comic von Jim Davis irgendwie noch adäquat einfangen wird.
So entwickelt sich die Reihe um den fetten Kater aus dem Rechner nun gewissermaßen zu einer eigenen Franchise, und unter diesem Aspekt gesehen findet man sich langsam, aber sicher damit ab, dass “Garfield - the Kinoverwertung” durchaus als gelungene Angelegenheit für Kinder und kindliche Gemüter durchgeht. Die Fortsetzung ist wie eine Erleichterung, da man nun keinen falschen Erwartungen mehr nachlaufen muss. Und fragmentarisch ist noch immer so manche Anleihe von dem Kultfaulpelz aus Davis’ Feder spürbar, so dass das orangefarbene CGI-Geschöpf wahrhaft seine Momente hat.
Für das Sequel wurde die im Comedysektor beliebte Doppelgängerformel wieder aufgetaut - eine heutzutage abgedroschene Idee, werden doch schreckliche Erinnerungen wach daran, wie die US-Sitcom “Alle unter einem Dach” die schon vormals beliebte Bild-Zweiteilung wie etwa in manchen Spencer-Hill-Filmen zu Tode ritt mit der doppelten und dreifachen Ladung Urkel. Heute braucht es die veraltete Technik nicht mehr, denn die doppelten Figuren können miteinander interagieren - in Anbetracht der Computerherkunft schon gaaaaanz lange keine Besonderheit mehr. Storytechnisch kann sich “Garfield 2" aber damit herausreden, dass es sich bei den Doppelgängern um Tiere handelt - die kann man bekanntermaßen rassenintern ja mal leichter verwechseln als Menschen. Außerdem bedeutet zweimal Garfield die doppelte Portion schlafender, fressender, tanzender, sprücheklopfender Pummelwutz - alles klar?
Jawoll. Was schon den ersten Teil ausgezeichnet hatte, darauf mochte man glücklicherweise auch diesmal nicht verzichten. Viel Garfield bedeutet viel Spaß und Halleluja, danke, dass diese Formel nicht verworfen wurde, denn auf der anderen Seite haben wir folgende Geschichte: Breckin Meyer möchte Jennifer Love Hewitt heiraten und reist ihr dafür nach London nach. Würg! Kotz! Zumal Meyers Jon eh schon einer dieser absonderlichen Typen ist, die man wegen ihrer Fixierung auf das eigene Haustier nur schwer ertragen kann (dabei bin ich selbst stolzer Katzenbesitzer und liebe meine Knuddelviecher über alles, aber nachvollziehbar ist die übertriebene Heile-Welt-Einstellung dieses vom Original total entfremdeten Jon für mich als erwachsenen Zuschauer nicht) und seine Angebetete auch nicht mehr ganz sauber zu ticken scheint, da sie die Schwiegersohn-Type auch noch so toll findet, möchte man den Subplot am liebsten ganz beiseite schieben. Bequemerweise erledigen die Drehbuchautoren das aber sogar für uns: die Geschichte beansprucht nur wenige Minuten und ist bloß Vorwand, um die Handlung nach England zu verfrachten. Yes, Sir!
Die Londoner Altstadt lädt selbstverständlich zum Träumen ein und das königliche Anwesen inspiriert zu einer Eröffnung, die an “Shrek” angelehnt ist: Bilderbuchoptik und ein schön oldschooliger 2D-Garfield, der in den rittertümlich designten Bildergeschichten eine Menge Unsinn anstellt.
Die Gags, die an die Location angelehnt sind, haben aber leider überwiegend einen Bart; Briten-Klischees, wohin das Auge reicht. Von der hochnäsigen Art des Adels bis hin zum obligatorischen Ich-ärgere-die-Wache-mit-dem-Wuschelhut-die-sich-nicht-bewegen-darf-Gag ist das ganze Programm enthalten. Das geht so weit, dass Billy Connollys grundsätzlich amüsante Performance als Lord Dargis anmutet wie eine Parodie auf Monty Python-Mitglied John Cleese. Genau genommen muss man zweimal hinschauen, um sich zu vergewissern, dass das nicht Cleese selbst ist in seiner Paraderolle als missgünstiger Snob, der bei der Testamentssprechung übergangen wird und deswegen seine eigenen Taten sprechen lässt, um doch noch an das begehrte Erbe zu kommen - und sich dabei auch nicht scheut, über (Tier-)Leichen zu gehen.
Dem kurz gehaltenen Jon-Plot steht eine größere Geschichte um diverse Hoftiere entgegen, die wie gehabt - ebenso wie Odie - nicht animiert wurden, sondern deren Münder man lediglich morphte, um eine Synchronisation zu ermöglichen. Mit sehr starken Anleihen an “Aufstand der Tiere” ausgestattet, liegt das menschenlose Treiben der animalischen Gesellen allerdings auf dem Unterhaltungsniveau von “Schweinchen Babe” und wäre ohne den animierten Hauptdarsteller tatsächlich nicht mehr. Mit Dressur werden die Tiere zu menschlich wirkenden Gesten animiert und Anthropomorphismen liegen in der Luft, wohin man nur sieht. Trotz der Verweise auf die Filmhistorie kommen Erwachsene dabei aber keineswegs auf ihre Kosten; Kinder hingegen werden ihre Freude daran haben zu sehen, wie Huhn, Ratte, Pitbull, Hase & Co. gemeinsam Lasagne backen. Es besteht aber ein auffälliges Nebeneinander von Kinder- und Erwachsenenunterhaltung und das ist letztendlich für beide Seiten nicht hundertprozentig befriedigend.
Wirkliche Treffer in Sachen Humor sind dann auch wirklich nur von Garfield selbst zu erwarten. Alleine das Design und die Bewegungsabläufe des übergewichtigen Katers sorgen schon für die halbe Miete. Die Animatoren leisten bei der Figur wirklich ganze Arbeit. Nicht nur technisch (mit Spiegelungen auf Autolack etc.), vor allem die Bewegungsabläufe spielen elegant mit Realismus (wenn etwa der Butler sich anschickt, Garfield vom Boden aufzuheben und er in eine Duckposition geht) und comichafter Überzeichnung (wenn Garfield z.B. tanzt).
Die Sprüche selbst landen nicht immer hundertprozentig, treffen aber manchmal auch mittig ins Schwarze mit ihrer Verballhornung von Fragmenten der Film- und Popkultur. Aus “Bond, James Bond” wird da “Field, Garfield” und Neil Armstrong werden so richtig schön die Worte im Munde verdreht. Während Bill Murray seinen Job gewohnt lethargisch ausfüllt und den Geist des echten Garfield zumindest zu kitzeln weiß, darf ein Aufatmen durch Deutschland gehen: Gottschalk ist weg! Juhuuu, jetzt ist das Ding mit deutschem Ton endlich halbwegs erträglich. Ersatzmann wurde Medienkritiker Oliver Kalkofe, der auf Anhieb wesentlich besser passt und sich in Teilen auch zu entfalten weiß. Das Optimum (meines Erachtens eine dunkle, kratzige Stimme ähnlich derjenigen aus der Trickserie) liegt zwar immer noch weit entfernt, aber zumindest stößt man die Stimme nun nicht mehr ab, sondern akzeptiert sie. Garfields königlicher Doppelgänger “Prince” wird im Original - treffender geht’s nimmer - von Tim Curry vertont, im Deutschen hat Keanu Reeves-Stammsprecher Benjamin Völz das Rennen gemacht und er überdreht das Adlige wirklich königlich, was seine Szenen ebenso amüsant macht wie die von Kalkofe.
Fazit: Passable, d.h. die Mindestanforderungen erfüllende Fortsetzung zum umstrittenen “Garfield”, die nun endlich den Ballast abschütteln kann, dass man von ihr erwartet, den Comics gerecht zu werden. Wirklich besser als das Original ist sie in meinen Augen aber trotz des gestiegenen Aufwands und der “Larger than Life”-Story nicht; eher noch einen Tick schwächer, weil die Gags für Erwachsene und diejenigen für Kinder sich nicht auf einen Nenner bringen lassen wie etwa bei “Pixar” - und das Nebeneinander (inklusive nervigen Gesangseinlagen) fällt noch ein wenig stärker auf als im wesentlich bodenständigeren ersten Teil. Alleine die Garfield-Figur - diesmal in doppelter Ausführung - erhebt auch diesen Film über handelsübliche Kinderunterhaltung, und auf genau diese Figur kommt es eben an.