Die Reihe der „Cidade“ Filme aus Brasilien nimmt nicht ab. Zunächst war „Cidade de deus“ ein Kassenschlager, der das Elend in den brasilianischen Favelas zeigte. Mit „Cidade baixa“ beschränkt sich Regisseur Sérgio Machado fast auf ein Drei-Personen-Stück, welches in Sachen Dramatik und Tragik seinen US-Vorbildern mal wieder um längen voraus ist.
Irgendwo in Brasilien. Hier schlagen sich Deco und Naldinho durch, suchen Arbeit, um wenigstens ein wenig zu leben. Unterwegs treffen sie die Prostituierte Karinna (Alice Braga), die sie mit nach Salvador nehmen, dafür aber den Preis verlangen, mit ihnen zu schlafen.
Nachdem Naldinho eine Wette beim Hahnenkampf verliert, wird er von einem Wettanbieter niedergestochen. Nur mit Mühe können Deco und Karinna Naldinho zu einem Arzt bringen.
Von da an wird die Freundschaft von Deco und Naldinho auf eine harte Probe gestellt. Beide scheinen in Karinna verliebt, die zeitgleich sich aber noch mit anderen Freiern vergnügt. Die ehemaligen Freunde misstrauen sich immer mehr unter der Gier nach Karinna...
Was vielleicht noch Anfangs wie ein billiger Abklatsch altbekannter Hollywoodfilme aussieht (Beste Freunde kämpfen um eine Frau), wird im Laufe der Zeit zu einem wirklich hervorragenden Drama, was sich natürlich auch in der Kulisse Brasilien wiederspiegelt. Im Gegensatz zu den amerikanischen Vorbildern, ist „Cidade baixa“ einfach nur schonungslos ehrlich, ähnlich wie schon „Cidade de deus“. Warum sollte man die Realität irgendwie beschönigen, wenn sie doch in Wirklichkeit so ist.
So verzichtet Regisseur Machado auch einfach darauf, die Hauptdarsteller einfach irgendwelche dumme Phrasen dreschen zu lassen. In der Hinsicht wird nicht viel geredet, wenn man die Chance auf eine Frau hat, wird sie genutzt. Da vergisst man irgendwelche Skrupel gegenüber sich selbst und den vermeintlich besten Freund.
So zeigt Regisseur Machado das wirkliche Leben in Brasilien. Aus der Schicht ,aus welcher Deco und Naldinho kommen, hat man eigentlich keine Chance auf ein gutes Leben .So halten sie sich mit irgendwelchen Gelegenheitsjob über Wasser, schwören sich ewige Freundschaft, die doch schneller zerbrechen wird als ihnen bewusst ist. Auch wird hier nicht in der Hautfarbe unterschieden, es gibt sowohl einen schwarzen als auch einen weißen Protagonisten, die durch das Elend Brasiliens müssen. Dies ist halt manchmal nur mit einer gewissen Menge Alkohol zu ertragen. Von Wagner Moura und Lázaro Ramos ist der Zuschauer als überzeugt.
Ihre bis dato erfolgreichste Performance stammt aber von Alice Braga. War sie in „Cidade de deus“ nur in einer kleinen Nebenrolle zu sehen, scheint ihr der Durchbruch nun mit „Cidade baixa“ gelungen zu sein, zumindest, wenn man sich diverse Berichterstatzungen durchliest.
Schon allein optisch fällt Alice Braga in diesem Film auf, hat sie doch extra für diesen Film blonde Haare, auch nicht gerade wirklich häufig unter den brasilianischen Prostituierten, die es im Film gibt. „Cidade baixa“ ist ein Film, bei dem es auch um den schnellen Sex geht. Geredet wird kaum, wenn das Bedürnis da ist, legt man halt los. Und hier ist Alice Braga genau die Richtige. Freizügig wie nie läuft sie durch den Film und verdreht den beiden Hauptdarstellern den Kopf, was man wirklich verstehen kann. Umso erstaunlicher sind die vielen Sexszenen, selbst Braga macht es nichts aus, sich vollkommen nackt vor der Kamera zu zeigen. Treffender als der folgende Satz aus der New York Times kann man Alice Braga in diesem Film nicht beschreiben: „...Alice Braga, one of the most forthrightly and powerfully sexual screen actresses in the world“. Alice Braga baut, zumindest aus männlicher Sicht, eine sexuelle Atmosphäre auf, weit abseits der hochgestylten Filmschönheiten, die ohne Schminke nicht mehr aus dem Haus gehen können.
So bleibt zu sagen, „Cidade baixa“ ist ein ruhiges Drama, bei dem uns der Regisseur keine Lösung präsentieren kann und wahrscheinlich auch nicht will. Beziehungen dieser Art kommen täglich vor, doch selten werden sie so gekonnt und ungeschönt auf die Leinwand übertragen.
Fazit: Nach „Cidade de deus“ kommt mit „Cidade baixa“ der nächste anspruchsvolle brasilianische Film, der wieder die brasilianische Unterschicht zeigt und auch hier einfach nur wieder die alltägliche Realität wiederspiegelt. Wer Action erwartet, ist hier vollkommen fehl am Platz. „Cidade baixa“ ist ein ruhiges Drama, welches sich langsam steigert und zeigt, wie schnell Freundschaften zerbrechen und in Hass umschlagen, alles wegen einer Frau, die man doch nie für sich alleine haben wird. Alice Braga ist in diesem Film der Inbegriff von Sexappeal jenseits diverser Hollywoodstars. Gerade das ungeschönte, die vermeintliche Realität macht diesen Film aus und damit besser als manch andere Dramen. Fans von „Cidade de deus“ kommen auch an „Cidade baixa“ kaum vorbei.