Warum sehen wir uns eigentlich Filme an ?
Weil wir am liebsten Männer im Parka und Frauen in Schlabberklamotten sehen wollen ? - Wohl kaum. Klar, es sollte nicht übertrieben sein und am besten authentisch, aber glaubt wirklich Irgendjemand, daß selbst das lässigste Outfit nicht ein Ergebnis harter Arbeit von Kostümbildnern und Designern ist ?
Nichts anderes macht Miranda Priestly (Meryl Streep),die ein großes und wichtiges Modemagazin in New York leitet, dessen Meinung entscheidend ist für den Erfolg ganzer Modelinien. Die Art wie sie das Magazin leitet hat etwas Gutsherrenartiges an sich - jeder Vorschlag muß vor ihrer Meinung bestehen, alles wird letztendlich von ihr entschieden - dazu ist sie vernichtend in ihren Beurteilungen, so daß der gesamte Laden vor ihr kuscht.
Für ihre Organisation benötigt sie zwei persönliche Assistentinnen, die ihr alles vom Leib halten müssen und dafür verantwortlich sind ,ihr sämtliche Wünsche sofort zu erfüllen - egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit.
Nur, was ist daran teuflisch ? - Vielleicht ihre nahezu perfekte Selbstbeherrschung, aber keineswegs ihr Arbeitsstil. Meryl Streep spielt hier keine verrückte Furie oder einen selbstherrlichen Oberboss, sondern bleibt absolut professionell bei ihrer Arbeit. Sie spielt großartig mit kleinen Gesten und gerade in ihren vernichtendsten Momenten ist sie besonders leise - doch als Betrachter hat man immer das Gefühl, daß ihr gesamtes Verhalten der Sache dient.
Natürlich könnte man darüber sinnieren, ob ein wenig menschlicherer Umgang nicht möglich wäre und manchmal greift sie zu drastischen Mittel, um die Angestellten zu fordern - das ist altmodischer Stil, aber wer von uns wollte behaupten, er wüßte besser, wie eine solche Firma zu leiten ist oder die Mitarbeiter anzuleiten sind ? - Im Grunde fordert sie von ihren Mitarbeitern nur das, was sie selbst auch macht - nämlich ständig zu arbeiten. Und wenn sie dann Andrea (Anne Hathaway) spät abends oder am Wochenende anruft, dann hat das immer mit dem Job zu tun. Selbst private Organisationen - etwa für ihre Kinder - sollen ihr nur den Rücken für ihre wichtige Arbeit frei halten.
Durch ihr Spiel gelingt Meryl Streep hervorragend die Darstellung einer professionellen Managerin, die ihren Job perfekt beherrscht und die gleiche Perfektion streng von ihrer Umgebung einfordert. Dabei hat sie einen ausgezeichneten Blick für echte Qualitäten bei ihren Mitarbeitern, sonst wäre ihr Laden längst zusammen gebrochen. Aber letztendlich will sie mit ihren harrschen Methoden auch das Beste aus ihnen herauskitzeln. Wer daran scheitert, war es eben nicht wert...
Das Andrea Sachs über diese Methoden nicht begeistert ist, ist nur zu verständlich. Sie wollte eigentlich einen Job als Journalistin und jetzt ist sie Assistentin der Chefin eines Modemagazins und das war keineswegs ihr Traumjob.
Ihre kleine Welt um ihren Freund Nate, mit dem sie in einer einfachen Wohnung lebt, und ihren Freunden, die sie regelmäßig trifft ,wird als Gegenentwurf zu der großen Modewelt dargestellt. Junge Menschen, die einen anspruchsvollen Job mit Engagement suchen und sich nicht weiter um die glänzenden Fassaden der Mode- und sonstigen Welt kümmern.
Trotz dieser scheinbar bescheidenen Haltung wirkt Andrea von Beginn an nicht wie ein häßliches Entchen, sondern wie eine leicht studentisch wirkende hübsche Frau. Das sie sich damit bei ihrem neuen Job der Lächerlichkeit preis gibt ist nur zu verständlich, denn sie erfüllt den Dress-Code dort in keinster Weise und muß sich wegen Kleidergröße 36 als "dickes Mädchen" bezeichnen lassen. Der Film spart dann auch nicht mit bissigen Kommentaren bezüglich des Schlankheitswahns, aber Andrea leidet nicht wirklich unter diesen Anschuldigungen. Im Grunde weckt das nur ihren Ehrgeiz, denn natürlich ist es für sie ein leichtes - nach entsprechender Beratung - auf die geforderte Linie umzuschwenken - das notwendige Aussehen und Selbstbewußtsein hat sie schon dafür.
Im Grunde erzählt der Film eine klassische Geschichte des Arbeitslebens - eine junge ehrgeizige Frau kämpft sich durch ihren ersten Job und weil sie intelligent und talentiert ist, findet sie auch einen Weg zu ihrer weiteren Karriere. Das so etwas nicht ohne manchmal schmerzliche Entscheidungen abgeht - auch betreffend des Privatlebens - ist völlig normal und wird hier nur besonders schön plakativ auf den Punkt gebracht.
Dabei ist der Film jederzeit unterhaltend und amüsant erzählt, aber keine Sekunde komödiantisch - wer hier irgendwelche Lacher erwartet, wird enttäuscht. Komödienhaft ist die Leichtigkeit und ironische Distanz mit der der Film optisch schön von der harten Arbeit erzählt, die hinter dem schönen Schein steckt. Dabei bleibt er jederzeit ernsthaft und authentisch und ist keine Sekunde diffamierend.
Der Schwachpunkt des Films liegt in der dargestellten "Gegenwelt", die hier besonders symphatisch wirken soll.
Man fragt sich, wieso Andreas Freund Nate, der als Koch arbeitet und auch Karriere machen will, immer zu Hause wartet. Gerade das ist doch ein Job, bei dem man sich die Nächte und Wochenenden um die Ohren schlägt. Auch ihre Freundin, die als Künstlerin arbeitet, reagiert völlig überzogen auf einen Kuß, den Andrea einem ihr bekannten Galeriebesucher auf die Wange drückt. Vielleicht liegt es auch daran, daß "Der Teufel trägt Prada" sich nur sehr wenig mit Andreas Privatleben beschäftigt - so bleibt gerade dieser Bereich klischeehaft und unwirklich.
Denn es geht gar nicht darum, welchen Job man moralisch angemessener findet - quasi von einem übergeordneten Standpunkt aus gesehen - sondern zu wissen, welcher Job für einen selbst am besten geeignet ist.
Der abschließende Blick auf Miranda Priestly läßt keinen Zweifel daran - sie ist für ihren Job am besten geeignet . Andrea dagegen muß ihren eigenen Weg finden...
Fazit : Sehr amüsanter, ironischer Blick auf das Arbeitsleben bei einem Modemagazin. Getragen von einer großartigen ,beherrschend aber gleichzeitig beherrscht spielenden Meryl Streep ,spinnt sich eine Geschichte um die junge Andrea - von Anne Hathaway durchaus überzeugend zwischen Schüchternheit und aufkommendem Selbstbewußtsein angelegt - die wir bei ihren ersten Schritten im Arbeitsleben erleben.
Die Story selbst ist konventionell und die "nette Gegenwelt" etwas klischeehaft, aber darüber kann man getrost hinwegsehen, weil man durchgehend gut unterhalten wird und gleichzeitig viele Schauwerte zu sehen bekommt. Oder mögen wir diesen wunderschönen Schein etwa nicht ? (8/10).