Die Kombination von Regisseur Sheldon Lettich und Jean-Claude Van Damme brachte Solides („The Order“), Mäßiges („Leon“) und wirklich Gutes („Geballte Ladung – Double Impact“) – wobei das Gelingen von letzterem wohl auch maßgeblich Vic Armstrongs Verdienst war. Nun gehen die beiden mit „The Hard Corps“ an den Start.
Phillip Sauvage (Jean-Claude Van Damme) ist ehemaliger Elitesoldat, aber ein gebrochener Mann. Wir haben die üblichen Kriegstraumata, die in einem Subplot natürlich überwunden werden müssen, bekommen aber gleichzeitig einen Grund für die Fertigkeiten des Helden geliefert. Außerdem sind Rückblenden aus Kriegszeiten für kleine Actionmomente zwischendurch, die auch ziemlich gut gemacht sind.
Die Chance auf einen neuen Job bietet sich als ein Freund und Kriegskamerad als Bodyguard des ehemaligen Schwergewichtschampion Wayne Barclay (Razaaq Adoti) eingestellt wird. Er bringt Phillip mit ins Team. Wayne hat nämlich eine Rechnung mit dem kriminellen Plattenmogul Terrell Singletery (Viv Leacock) offen – und der will sich nach seiner vorzeitigen Entlassung rächen. Rapper im Filmbusiness sind momentan ja auch beliebt, wenngleich hier keine bekannten Musiker mitspielen.
Trotz einiger Startschwierigkeiten akzeptieren Wayne und seine Schwester Tamara (Vivica A. Fox), gleichzeitig seine Finanzmanagerin Phillip als ihren Bodyguard. Doch es stehen bereits Killertrupps bereit, die Wayne umbringen wollen...
„The Hard Corps“ orientiert sich von der Story her klar an dem Costner-Vehikel „Bodyguard“ und so ergeben sich ähnliche Reibereien zwischen Leibwächter und Auftraggeber. Wayne ist arrogant und halsstarrig, will die Vorgaben Phillips annehmen und besteht auf seinen eigenen Leuten im Leibwächterteam. Das führt zu kleineren Wortgefechten mit ein wenig Humor, doch die Parallelen sind schon sehr stark. Da Leibwächter und Schutzobjekt aber beide männlich sind, verliebt sich Phillip hier halt in Tamara, um die ganze Angelegenheit etwas persönlicher zu machen, doch das Rezept ist ähnlich.
Aufgrund der offensichtlichen Anleihen ist „The Hard Corps“ zwar nie hochspannend, doch Sheldon Lettich zieht die Chose flott vom Leder. Großartige Plottwists darf man nicht erwarten, immerhin stehen die Bösewichte von vornherein fest und dem Verräter auf guter Seite sieht man sein doppeltes Spiel auch bereits an der Nasenspitze an. Doch Lettich vermeidet größere Längen und das Rapmilieu bietet eine nicht allzu sehr verbrauchte Kulisse. Der obligatorische Hip-Hop-Soundtrack ist auch nicht zu aufdringlich und „The Hard Corps“ macht sich über ein paar Klischees lustig (z.B. das Schräghalten von Pistolen), wenngleich Filme wie „Love and a Bullet“ das bereits treffender getan haben.
Leider bietet „The Hard Corps“ actiontechnisch nicht genug, um die schlappe Story wirklich auszubügeln. Abgesehen von den Kriegsrückblenden gibt es zwei Anschläge auf Barclays Leben, einen Turnhallenfight und das Abräumen zum Schluss. Die Shoot-Outs sind dabei allesamt gut gemachter Standard, aber nicht übermäßig spektakulär; außerdem gibt es noch einige Nahkämpfe zu sehen. Die Fights erreichen nicht ganz das Niveau früherer Van Damme Kracher, sind aber schick choreographiert und halbwegs spektakulär.
Jean-Claude Van Damme ist körperlich immer noch recht fit, schauspielerisch war er aber schon mal besser. Trotzdem spielt er ganz solide, ist mit mehr Elan dabei als Steven Seagal in seinen letzten Filmen. Vivica A. Fox als Love Interest ist gut, Razaaq Adoti ebenso. Viv Leacock gibt einen soliden Bösewicht ab, ihm fehlt aber das Charisma zu einem wirklich beeindruckenden Schurken.
„The Hard Corps“ ist solide, ordentlich inszenierte B-Unterhaltung, kommt aber angesichts der nicht allzu großen Actionmenge und der nicht wirklich innovativen Geschichte nicht über den Durchschnitt hinaus.