Beware the stare of Mary Shaw
She had no children only dolls
And if you see her in your dreams
Be sure you never ever scream
Dieses rezitierte Gedicht aus “Dead Silence” verdeutlicht bereits ein wenig, worum es in dem Werk der “Saw” – Macher James Wan und Leigh Whannell geht:
Die Rache einer dämonischen Bauchrednerin, die sich mit Hilfe von Puppen über die Nachfahren ihrer Peiniger hermacht.
Was ein wenig altbacken nach „Puppetmaster“ oder gar „Chucky“ klingt, entfaltet sich als durchaus atmosphärisch, doch letztlich fehlt dem Ganzen ein Quäntchen Raffinesse, um im Gesamtergebnis über zahlreiche Genreklischees hinwegsehen zu können.
Im Mittelpunkt steht hier Jamie (Ryan Kwanten), dessen Frau soeben ermordet wurde.
Für Detective Lipton (Donnie Wahlberg) gilt dieser als Hauptverdächtiger, da man am Tatort keine fremden Fingerabdrücke fand. Doch kurz vor dem Mord erhielt das junge Paar eine anonyme Kiste mit einer Bauchrednerpuppe. Jamie folgt dieser Spur und landet kurz darauf im Kaff „Ravens Fair“, in dem seit geraumer Zeit immer wieder Leichen ohne Zunge aufgefunden werden.
Was hat es mit dem Tod der Bauchrednerin auf sich, warum musste Jamies Frau sterben und inwieweit sind er und seine Familienangehörigen von einem Fluch betroffen?
Zugegeben, sonderlich innovativ ist die Story nicht, die alte Frau, die sich als Dämon mit übersinnlichen Fähigkeiten an ihren Peinigern rächt, kennt man bereits aus ähnlich gelagerten Werken wie „Darkness Falls“.
Doch hier versüßen einige gelungene Zutaten den ansonsten vorhersehbaren Horrortrip.
Da gibt es diese starr blickenden Puppen, die, wenn man sie nicht mag, ohnehin ein grundlegendes Unwohlsein auslösen. Auch wenn sie nur ihren Kopf wenden, mit den großen Augen rollen oder ihren Mund öffnen, - von ihnen geht etwas dauerhaft Unberechenbares aus.
Allzu agil bewegen sie sich nicht, schließlich haben wir es hier nicht mit Chucky zu tun, sondern mit eigentlich leblosen Figuren, denen ihre „Mutter“ Leben einhaucht.
So tauchen diese immer wieder unvermittelt auf, wie Detective Lipton, der nach wie vor nicht an Jamies Unschuld glaubt. Indes forscht Jamie in der Vergangenheit. Er besucht seinen kranken Vater und dessen deutlich jüngere Frau, wird die Puppe Billy nicht los, findet das Grab von Mary Shaw (und das ihrer Puppen) und erfährt letztlich vom Schwiegervater einige Hintergründe über die tote Bauchrednerin, welche dieser als Kind während einer Vorstellung in einem Theater erlebt hat.
Jamie kann dieses Theater ausfindig machen, wo allerdings das wahre Grauen auf ihn wartet.
Bietet das Geschehen über weite Teile eher ruhiges Gruseln mit kleineren Pausen, wird spätestens während der letzten 20 Minuten für Spannung gesorgt, zudem kann ein kleiner Plot Twist überraschen, der allerdings auch kleinere Logiklöcher beinhaltet.
Überraschend ist hier aber der geringe Anteil an Gewalteffekten, denn letztlich sieht man nur ein paar wenige Opfer mit weit aufgerissenem Mund und das auch nur ganz kurz.
Stattdessen setzt man auf atmosphärische Szenen und kleinere Schreckmomente wie das Vorbeihuschen einer Gestalt im Spiegel erkennbar oder das Hervorschnellen zweier Greifhände.
„Saw“ – Freaks werden ihre Erwartungen bezüglich einschlägiger Erfahrungen etwas zurückschrauben und sich auf einen etwas konventionelleren Stoff einstellen müssen.
Allerdings ist Regisseur Wan recht stilsicher an die Umsetzung herangegangen und setzt im Vergleich zum vorherigen Werk weniger auf Clip-Ästhetik, als auf stimmungsvoll düstere Bilder, die eine angenehm dichte Atmosphäre erzeugen.
Die Schauplätze werden dauerhaft in leichte Blaufilter getaucht, wodurch fahlgraue Farben dominieren, die etwas Unwirkliches beinhalten.
Zudem werden die Kulissen stimmungsvoll eingesetzt, wie das verlassene Theater, in dem alles eingestaubt ist und man es so vorfindet, als wäre es tatsächlich seit den 40ern nicht mehr betreten worden. Von außen wirkt das Gebäude beinahe wie ein Tempel mit hohen Säulen und an einem See gelegen.
Kleine visuelle Höhepunkte finden sich jedoch nicht nur mit der Ausstattung der Landschaften, sondern auch in kleinen Details. Szenenwechsel, bei dem man von einem bewegungslosen Bild in eine Pupille wandert oder das Eintauchen in eine Landkarte zu einem fahrenden Wagen im Grünen verfolgen kann, bewirken schon eine leichte Faszination.
Zudem untermalt der Score mit vielen Soundkollagen treffend das Geschehen, während bei den Darstellern nicht alle gänzlich überzeugen.
Hauptdarsteller Ryan Kwanten performt zwar insgesamt passabel, bleibt aber vor allem während der konfrontationsreicheren Szenen etwas zu blass.
Demgegenüber weiß Donnie Wahlberg als leicht comichaft gezeichneter Detective von Beginn an zu überzeugen. Ausgestattet mit Pornobalken und deutlichen Geheimratsecken macht seine leicht schmierige Vorstellung einfach Freude.
Die übrigen Darsteller wie Amber Valletta, Michael Fairman und Bob Gunton fungieren in kleineren Rollen mit wenig Screentime, agieren aber allesamt ordentlich.
So. Da haben wir also unseren rasenden Dämon und ein paar Bauchrednerpuppen, die eigentlich weniger aktiv sind, als uns das Cover suggeriert.
Das gestaltet sich innerhalb der knapp 90 Minuten zumeist kurzweilig, weiß aber insgesamt selten so richtig zum Mitfiebern anzuregen.
Denn dafür sind die Zutaten der Story zu verbraucht und austauschbar, auch wenn Wan sie recht stimmungsvoll verpackt hat.
Einen Überraschungshit wird das „Saw“ – Team demzufolge kein zweites Mal hintereinander landen, aber wenn man die Erwartungen nicht allzu hoch ansetzt, wird man mit einem durchweg soliden und unterhaltsamen Horrorfilm bei Laune gehalten.
7 von 10