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„Von den Machern von Saw“ kreischt es von der DVD – selten war eine auf Popularität hoffende Werbezeile dermaßen irreführend, denn allein die Tatsache, dass James Wan und Leigh Wannell auch „Saw“ erfunden haben, verlinkt sie noch nicht mit diesem Film.

Einzige Parallele zum großen Vorbild ist eine Bauchrednerpuppe, die eine gewisse Ähnlichkeit mit der Horrorpuppe aus den Jigsaw-Filmen hat, doch ansonsten ist „Dead Silence“ ein vollkommen eigenständiger Film und tut gut daran.

Die Story an sich ist nicht überaus beeindruckend, eine Mischung aus „Puppet Master“ und „Darkness Falls“, in der ein junger Mann in seine Heimatstadt zurückkehrt, nachdem seine Frau auf grauenhafte Art und Weise ermordet wurde – direkt nach Zusendung einer hässlichen Bauchrednerpuppe. In der vom Zerfall zerfressenen Heimatstadt kommt er in Kontakt mit einer alten Legende von einer Bauchrednerin, die keine Kinder, aber 101 Puppe besaß und die Rache an ihren Mördern und deren Familien verübt.

Wan generiert daraus eine überaus straff erzählte Mischung aus Spuk- und Puppenhorrorfilm, der sowohl auf unheimliche Atmosphäre, düstere Locations und das generelle Umbehagen der Zuschauer in Bezug auf die Puppen setzt.
Ryan Kwanten ist eine typisch gewöhnliche Interpretationsfigur, die, verfolgt von einem Polizisten (hervorragend besetzt mit Donnie Wahlberg), sich mit der Schuld seiner Familie (und seines verhassten Vaters) auseinander setzen muss und in ein Wespennest stößt.

Obwohl gerade mal 90 Minuten lang, wirkt in „Dead Silence“ keine Minute verschwendet, keine großen Schnörkel, keine großen Extras.
Puppen tauchen auf und verschwinden; die Zeit scheint einzufrieren, Opfern wird der Kiefer aufgerissen und die Zunge entfernt (Wan hat es nicht nötig, das auch nur einmal zu zeigen!), Gruselspannung statt derben Effekten.
Dahinter steckt ein böser Geist und der steckt natürlich auch in den Puppen – und der Kniff ist eben, nicht zu schreien, damit niemand deiner Zunge habhaft werden kann.

Sonderpunkte gibt’s natürlich für das riesige, verfallene Theater am Rande eines Sees mitten im Nirgendwo, wo selbstverständlich der Showdown abzulaufen hat, das ist eine Location, an die man sich immer wieder erinnert.

Die Story ist nicht sonderlich wendungsreich, baut aber sehr geschickt ein kleines Rätsel auf und nach Offenlegung der Tatsachen wird die zu erwartende Handlung druckvoll nach Hause gespielt.
Besonderes Augenmerk sollten Fans ausgefallener Schlussdrehs auf „Dead Silence“ werfen: der bösartige Schlusstwist hat es durchaus in sich und kommt nicht schon Stunden vorher mit lautem Rumpeln angebraust.

Alles in allem eine feine, kleine Horrorgeschichte, die für sich selbst stehen kann und endlich mal Gänsehaut anstatt Ekelreflexe verursacht.
Empfehlenswert: 8/10

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