Dead Silence, ein Titel von gleichwohl keinem als auch jedem Ausdruck. Ein Coverdesign von moderner Kälte. Von Tristesse in einem Meer ähnlich aufgemachter Artworks, welche die Furcht vor dem schemenhaften Grau in einem Zeitalter des bunten Individualismus in den Vordergrund rücken. Von den Machern von Saw. Ein gutes oder schlechtes Omen? Wenn etwas ohne Namen im Zusammenhang mit einem Kassenschlager angepriesen wird, dann hat der jenige oft nur dem Kabelträger den Kaffee gebracht. Bei Dead Silence ist das anders. Genau wie Saw stammt Dead Silence direkt aus den kreativen Köpfen von Leigh Whannell und James Wan. Letzterer führte auch Regie.
Gerade Saw ist ein Begriff, der die Kinogänger in unterschiedliche Lager spaltet. Wem können es die beiden Filmemacher letztlich recht machen? Einen fließenden Übergang suchte man offenbar, denn obwohl man im Sujet in eine andere Richtung gehen möchte, so finden sich unter starkem Blaufiltereinsatz doch so manche Parallelen.
Wir erinnern uns an die Puppe, welche schon damals wie eine Hommage an mysteriöse Elemente des italienischen Thriller-/Horrorkinos im ersten Film um den verqueren Moralisten Jigsaw wirkte?
In Dead Silence ist es eine deutlich an Profondo Rosso erinnernde Bauchrednerpuppe, die in einem Paket vor der Türe Jamie Ashens (Ryan Kwanten) steht. Der Zufall will es, daß Ryan Kwanten, eine etwas naive Handwerker-Figur spielt, fast genauso wie er auch die Rolle des Jason Stackhouse in True Blood anlegt. Kwanten erinnert mich auch immer etwas an Mark Wahlberg, dessen Bruder Donnie Wahlberg hier später noch den abgehalfterten hardboiled Cop geben wird.
Viel Zeit für Glück läßt man Jamie Ashens in Dead Silence nicht. Kurz ein bisschen China-Food eingeholt, spricht er auf dem Weg durch die Wohnung noch mit seiner Freundin, welche schon längst tot in den Federn liegt. Unter Mordverdacht kehrt er zurück nach Ravens Fair, dem Heimatkaff der beiden Liebenden, wo die Beisetzung stattfinden soll.
Des weiteren bleibt noch die Frage nach der geheimnisvollen Mary Shaw offen. Eine Frau aus einem Kinderreim. Eine Frau die keine Kinder hatte, sondern nur Puppen. Ein bombastischer Score von Charlie Clouser, obschon kaum memorabel doch von majestätischer Atmosphäre, treibt Dead Silence trotz der kargen Farbpaletten seiner zeitgenössischen Optik in eine artifizielle Horrorszenerie.
James Wan, der selbst Verbindungen zum Gruselkino der 50er und 60er zieht, versteht es, den Bezug zur Realität in alltäglichen Schreckmomenten wie einem Schatten im Gegenlicht des Schlafzimmerfensters aufzulösen. In anderen Szenen verschiebt er die Dimensionen von Raum und Zeit, läßt Kulissen wie eine organische Bedrohung erscheinen.
Surreal verwinden sich Sets mit geheimnisvoll aufwogenden Klängen, um dann in tödlicher Stille zu verharren – ein Herzstillstand für Protagonist und Zuschauer.
In der Unrated-Version dann doch nachträglich wieder um ein paar CGIs ergänzt ist es dem Look and Feel von Dead Silence sehr zuträglich, daß man sich zu Gunsten handwerklicher Effekte entschieden hat, wann immer es umsetzbar war. Die Mischung der verschiedenen Techniken macht schließlich die Dichte der stets kurzweiligen Weiterentwicklung aus.
Ähnlich wie Saw seinerzeit an Sieben ansetzte und eine beim ersten Teil noch adäquate Frischzellenkur bei einer Mischung aus Thriller und Horror umgesetzt werden konnte, bedient man sich für Dead Silence an Gruselfilmroutinen, welche im beiläufigen Beisein einer Kriminalhandlung in ein Bollwerk des Phantastischen ausgebaut werden.
Einzig die gestalterische Ausarbeitung des Endes ist dabei Geschmackssache. Während die im Bonusmaterial zu findende Alternativ-Version interessantere Ansätze beinhaltet, scheint man aus kommerziellen Gründen eine zeitlich geraffte Auflösung ganz im Stil des analytischen Rückblicks bei Saw gewählt zu haben. Dies ist insofern schade, weil man Dead Silence, wo es im Hintergrund auch die Billy-Puppe von Jigsaw zu sehen gibt, nie richtig vom erfolgreichen US-Debüt des australischen Teams aus James Wan und Leigh Whannell trennen kann, sondern es als ein Tangentenuniversum wahrnimmt.