Review

Bauchschmerzen


Nachdem er seinen Übererfolg mit „Saw“ verdaut und dem Torture Porn-Subgenre Mitte der 00er einen Kickstart spendiert hatte, begab sich James Wan drei Jahre später mit „Dead Silence“ an eine wesentlich klassischere Horrorrezeptur: dem Puppenschocker. Gepaart mit seinen danach schnell zum Markenzeichen werdenden Geistereinlagen. Denn hier verliert ein junger Mann auf grausame und mysteriöse Weise seine Freundin - kurz nachdem ihnen eine bizarre Bauchrednerpuppe geschickt worden war…

Mittlerweile weiß man, was James Wans Stil ist, was er in Sachen Horror kann und liebt, wie er in den letzten Jahren dem Genre zumindest im Mainstream schon seinen Stempel aufdrücken konnte. Doch auch an kleineren Details in „Dead Silence“ erkennt man schon Ansätze dieser Entwicklung und seiner Leidenschaft. Vom klassischen Universal-Logo zu Beginn über das sehr stimmige Intro bis zum bonkers Twist ganz am Ende (den er erst letztes Jahr mit „Malignant“ nochmal toppen konnte). Viel verdeutlicht recht unverschleiert, wozu Wan im Stande ist und was seine Vorbilder sind. Denn im Kern ist „Dead Silence“ eine sehr atmosphärische und creepy Ghost Story, verpackt samt Bauchreden, samt langer Saugezunge, samt Monstern und echtem Alptraumfutter. Der Trick mit der nahezu „Stummschaltung“ der Audiospur ist klasse und entgegen dem lauten Jumpscare-Trend. Und die Puppe erinnert schön an „Magic“ mit Anthony Hopkins damals. Dazu ein tröpfelnd-schöner Score und seine kompakte Laufzeit. Minuspunkte für einen äußerst blassen und austauschbaren Protagonisten. Ergibt eine gelungene Fingerübung für Wan, der danach noch zu wirklicher Hochform auflaufen sollte. Das hier ist nur ein Zwischenschritt. Nett für den hohlen Zahn. 

Fazit: schöner kleiner Bauchrednerpuppengrusler zwischen Moderne und Klassik, zwischen „Insidious“ und Hammer Horror. Das kann in dieser Kompaktheit fast nur James Wan. 

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