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Das Comeback des Jahres!

Bei dem Film konnte man wirklich nicht damit rechnen, dass er gut werden würde. Erstens liegt Stallones letzter überzeugender Film ("Copland", 1997) fast zehn Jahre zurück, und zweitens war das "Rocky"-Franchise nach einigen schwachen Fortsetzungen toter als tot, und drittens ist Stallone bereits 60 Jahre alt und auf seinem Karrieretiefpunkt. In dem Alter steigt nicht einmal mehr George Foreman in den Ring. Die besten Voraussetzungen eigentlich für eine Flachlandung und Blamage erster Ordnung, einen filmischen Axel Schulz sozusagen.

Doch Stallone hat sich nicht nur körperlich wieder fit gemacht, sondern der ganze Film (Drehbuch, Regie, Hauptrolle) geht komplett auf seine Kappe. Und er macht in allen drei Disziplinen eine beeindruckende Figur. Als Darsteller war er ja immer unterschätzt, obwohl es nach Filmen wie dem ersten "Rocky" oder "Copland", in dem er darstellerisch sogar gegen Schwergewichte wie Robert De Niro und Harvey Keitel bestehen konnte, eigentlich klar war, dass er unter den 80er-Actionhelden (Schwarzenegger, Van Damme etc.) der mit Abstand beste Schauspieler ist.

„Rocky Balboa“ knüpft an den ersten (und besten) Teil der Rocky-Saga an und ist ein über weite Strecken eine sehr ruhige und entspannte Charakterstudie. In den ersten zwei Dritteln gibt es gar keine Action, erst in der letzten halben Stunde beschließt Rocky, noch einmal in den Ring zu steigen. Die Trainingsphase wird in dem Film leider in einer einzigen längeren Montage abgehandelt, für mich der einzige Schwachpunkt in dem Film, da ich mir hier mehr Ausführlichkeit gewünscht hätte. Der Kampf, der dann den größten Teil des dritten Aktes einnimmt, ist hingegen sehr spannend inszeniert.

Der Film hat mich durch seine emotionale und nicht zu sentimentale Tiefe überrascht und mich damit nicht nur an den ersten Teil, sondern auch an die ersten 90 Minuten von „Million Dollar Baby“ und ähnliche gelungene Sport-Dramen erinnert. Auch wenn ein paar Klischees bedient werden und die Grundsituation des Films, dass ein 60-jähriger Mann (sofern Rockys Alter im Film mit dem echten Alter Stallones übereinstimmt) gegen einen etwa halb so alten Weltmeister antritt, etwas unglaubwürdig wirkt, sorgen Stallones sichere Regie und das gut geschriebene Skript dafür, dass das Ganze nie ins Peinliche abgleitet. Ich bin sehr positiv überrascht und glaube nach dem Film sogar, dass Stallone das noch totere „Rambo“-Franchise wieder auf Vordermann bringen kann, was nach den beiden tumben Fortsetzungen, die mittlerweile auch schon ca. 20 Jahre zurückliegen, eine fast unlösbare (und auf den Blick alles andere als erstrebenswerte) Aufgabe ist. 8,5/10

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