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Es kann nur einen wahren Champion geben: Rocky Balboa!
Nach 30 Jahren bestreitet er nun seinen letzten Kampf - und verabschiedet sich als einer der ganz Großen von seinen Fans. Viele waren skeptisch: Ein 60-jähriger Ex-Actionstar noch einmal im Ring? Ist das nicht pure Geldmacherrei oder der verzweifelte Versuch, noch einmal im Rampenlicht der großen Hollywood-Öffentlichkeit zu stehen?
Mitnichten! Mit "Rocky Balboa" hat sich Sylvester Stallone vor und hinter der Kamera nüchtern und ehrlich mit dem Altern und dem letzten Emporkommen eines gealterten Boxstars auseinandergesetzt. Schöngeredet wird nichts, keine Altersfalte wird wegtouchiert, kein Selbstzweifel durch künstliches Siegerdenken ersetzt. Und das war genau der richtige Weg für das große Finale der größten Underdog-Geschichte aller Zeiten.
Wie die ganz reale Vergangenheit mit so manchem "Comeback" zeigte, ist es auch keineswegs völlig unrealistisch im weiter fortgeschrittenen Alter von knapp 60 Jahren noch einmal im Ring zu stehen.

"Rocky Balboa" orientiert sich erfreulicher Weise back to the roots, in die Anfänge der Rocky-Ära. Vorbei sind die Zeiten des großen Reichtums und nach dem Tod seiner Frau Adrianna ist dem gealterten Star nicht mehr viel im Leben geblieben - außer seinem kleinen italienischen Restaurant mit mexikanischen Köchen und seinem distanziert lebenden Sohn Rocky Jr..
Soll es tatsächlich so enden? Als ein computersimulierter Boxkampf dem Ex-Champ und Publikumsliebling einen k.o.-Sieg gegen den aktuellen Titelträger Mason "The Line" Dixon (Antonio Tarver) zugesteht, ergreift "Rocko" trotz vieler Bedenken schließlich die letzte Chance, noch einmal das im Leben zu tun, wovon sovieles in den vergangenen Jahzehnten geprägt wurde.

"It ain't over 'til it's over!"

Es kam in den letzten Jahren wirklich selten vor, aber wenn ich meine Einschätzung von "Rocky Balboa" mit einem Wort umschreiben sollte, so fällt mir spontan nur "Gänsehaut" ein.
Dieser Film ist eine Wucht, in erster Linie als schlichtes, emotionales Drama, welches vor dem Hintergrund von fünf Vorgängerfilmen (ungedingt vor dem Kinogang ansehen!) fast schon epochalen Charkter gewinnt.
Fans der Rockyfilme fühlen sich sofort wie zu Hause. Rocky trainiert wieder an kühlgelagerten Rindshälften, schlendert durch die trostlosen Gassen seines Bezirks und - das ist der wahre Kracher - trifft hierbei auf all jene Personen, die schon seit Jahr und Tag zu Rocky gehören wie "Eye of the Tiger" zum Songrepertoire von Survivor. Alle Darsteller, so z.B. Burt Young und Milo Ventimiglia, sind sebstverstänlich nun um Jahre gealtert - und genau das macht so unheimlich viel her, sorgt für zahllose emotionale Momente, für eine ungeheure filmische Kraft und Ausdrucksstärke!
Das Boxen selbst steht bei "Rocky Balboa" beinahe schon im Hintergrund. Vielleicht ein Fünftel der Handlung konzentiert sich auf Trainingseinheiten und den eigentlichen, furiosen Endfight. Und genau an dieser Stelle ziehe ich auch einen Punkt in der Endwertung ab, denn ich hatte hin und wieder den Eindruck, dass das Verhältnis von Drama und Boxfilm leider nicht ganz ausgewogen daherkommt. Auch wenn es Teil von Rockys seiner Frau Adrian nachtrauerndem Charakter ist, so verbringt der Film meines Erachtens doch einen Tick zu viel Zeit mit dieser Thematik (Rückblenden freilich incl.), ohne sich merklich vorwärts zu bewegen. Mehr Boxanteile will ich damit beileibe nicht fordern, vielmehr hätte der Film während der ersten rund 40 Minuten eventuell 5-10 Minuten kürzer ausfallen können.

Aber dieser von mir vorgebrachte Kritikpunkt wiegt nur minimal. "Rocky Balboa" ist ganz großes Kino! Ein Drama muss nicht immer komplexe Wertgefüge vertreten, ausgefeilte Charaktere bieten oder philosophische Botschaften übermitteln. Es geht auch nach simpler Rocky-Logik: Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist! Du musst nur an dich glauben, es kommt darauf an, wieviel Schläge man einstecken kann, nicht wieviele man austeilt!
Natürlich ist es vollkommen nachvollziehbar, dass dies nicht jedem Publikum gefallen wird - wer jedoch den Charme der nun 30 Jahre alten Rocky-Legende verinnerlicht hat und auf geradlinige Unterhaltung steht, dem präsentiert Sly Stallone hier schlicht das Beste, was er seit vielen Jahren zu stande gebracht hat: Viel schlichte aber ehrliche und emotionale Dramatik, wenig aber klasse inszenierte Action und ein Rocky in körperlich mehr als beachtlicher Form sollten auch die größten Kritiker verstummen lassen! Der "Italian Stallion" ist zurück, und wie! Als hätte es "Rocky 5" nie gegeben - da finde ich mich selbst mit dem unendlich klischeetriefenden Quotenschwarzen und Rocky-Gegner Antonio Tarver gerne ab. Den Schwergewichts-Boxer nimmt man ihm immerhin durchaus ab und auch schauspielerisch gibt er sich keine Blösse. Hier jetzt noch über die Leistungen von Stallone, Young und co. zu philosophieren würde an Blasphemie grenzen, daher lass ich es.

Fazit: Ein bewegendes Generationentreffen der totalen Begeisterung! Der bisher beste Film des Jahres 2007.

P.S: Einen Gummipunkt ziehe ich dem Film noch pro forma ab, weil er selbst im Abspann nicht Survivors "Eye of the Tiger" bringt. Im Trailer kam das einfach nur geil und dann muss ich doch schmachten :(

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