Nachdem Sylvester Stallone jahrelang in der Versenkung verschwunden war, nun das Comeback mit einer weiteren Fortsetzung jenes Films, der ihm in den 70ern zu Weltruhm verhalf.
Rocky Balboa (Sylvester Stallone) hat das Boxen seit Jahren an den Nagel gehängt und lebt in der Vergangenheit, seitdem seine Frau Adrian an Krebs starb. Häufig besucht er ihr Grab, in dem Restaurant, das er leitet, erzählt er seinen Gästen alte Boxstorys und erinnert sich an die Leute in seinem Viertel zu, wie sie zu Zeiten des ersten „Rocky“ waren. Ähnlich wie Clint Eastwood in späteren Jahren setzt sich auch Stallone mit den Konsequenzen des Alterns für einen Helden auseinander und zeigt, wie dieser zwischen vergangenem Ruhm und heutigem Alltagsleben gefangen ist.
Im Boxsport regiert derweil der Schwergewichtschamp Mason ’The Line’ Dixon (Antonio Tarver), bis her jeden Kampf gewonnen hat – die meisten durch einen schnellen K.O. Verständlicherweise revoltiert das Publikum dagegen, Mason wird unbeliebt und bekommt einen weiteren Hieb, als ein Sportsender einen Computerkampf simulieren lässt: Mason vs. Rocky in seinen besten Jahren – und der Computer kürt Rocky zum Sieger. Dabei stellt Stallone die beiden Zeitalter des Boxens auch optisch gegenüber, die Szenen in Rockys Viertel erinnern optisch arg den ersten Teil aus den 70ern, in Masons Hütte und der Arena regiert hingegen moderne, flotte Ästhetik.
Davon angespornt will Rocky wieder Boxen, nur gegen lokale Größen. Doch Masons Manager wollen den Computerkampf nun Realität werden lassen. Rocky trainiert, obwohl nur wenige ihm Chancen ausrechnen...
„Rocky Balboa“ ist altmodischer Film, der direkt auf das Nostalgieflair der versammelten „Rocky“-Fans bauen kann. Schon die Story orientiert sich arg am Erstling, wieder tritt der sympathische Underdog gegen den unsympathischen Favoriten an, Wille gegen Können, wie es die Werbezeilen für den Finalkampf propagieren. Insofern sollte man nicht auf Überraschungen bauen, das Ende der Chose ist abzusehen, doch Stallones Neuauflage legt einen ziemlichen Drive vor, besitzt keinerlei Durchhänger und qualifiziert sich damit locker als bestes „Rocky“-Sequel.
Für besonderes Flair ist bei diesem Film gesorgt, der wie sein Held wie ein Anachronismus wirkt. Rocky als Figur und als Film sind dieselben geblieben, immer noch ist der italienische Hengst etwas simpel gestrickt und wiederholt seine Sätze mehrfach, doch immer noch wirken er und die Lebensphilosophie, die er in so simple Sätze verpackt, ebenso sympathisch wie packend. Nicht alle begegnen ihm dabei mit Wohlwollen, gerade der junge Champ und der eigene Sohn müssen erst wieder an Rockys Qualitäten erinnert werden, doch erneut zeigt der Underdog es allen – wenngleich der Sinneswandel bei Sohnemann etwas konstruiert wirkt.
Im Vergleich zu anderen „Rocky“-Sequels heißt es hier weniger Action, mehr Drama, als back to the roots. Rocky muss mit seinem Leben klarkommen, während gleichzeitig einige neue, vor allem aber alte Bekannte auch ihre Probleme haben und denen Rocky versucht zu helfen. Dabei findet Stallone erfreulich treffsicher den Grat zwischen Unter- und Überbetonung der Subplots, baut Rockys neue weibliche Bezugsperson, Marie (Geraldine Hughes), die im ersten Teil noch ein Teenie war, gut mit ein ohne daraus eine nervige Lovestory zu machen.
Doch trotz der Reduktion von Action verzichtet auch „Rocky Balboa“ nicht auf den großen Endfight und der hat es mal wieder in sich. Modern inszeniert, famos durchgestylt (z.B. schwarz-weiß-Bilder mit wenigen Farbmomenten, ähnlich wie „Sin City“) und temporeich geht es zur Sache, auch die Kampfchoreographie hat es in sich, wenngleich man sich von dem Wort Realismus verabschieden sollte: Mal wieder stecken die Kontrahenten zig Megahiebe gegen den Kopf weckt und derjenige, der gerade noch kurz vorm K.O. stand, der kann in der nächsten Runde schon wie der Sieger des Kampfes wirken. Vorm Kampf steht natürlich die obligatorische Trainingssequenz zur gewohnten Musik, von Stallone extrem gelungen inszeniert und eine der wohl stärksten Passagen des Films.
Schauspielerisch kann Sylvester Stallone nicht ganz an seine Glanzzeiten anknüpfen, gelegentlich wirkt seine Rocky-Verkörperung wie etwas bemühtes Zitat, jedoch ist seine Leistung immer noch sehr gut. Burt Young als Paulie spielt so routiniert wie eh und je, Milo Ventimiglia als Rocky-Sohn ist OK und auch Geraldine Hughes kann sich als einzige größere Frauenrolle in der Männerriege gut behaupten. Antonio Tarver hat nicht ganz das Charisma früherer Rocky-Kontrahenten, schlägt sich aber auch ordentlich.
Mit „Rocky Balboa“ hat Sylvester Stallone eine famose Aufbereitung der Saga und das beste Sequel zu dem Boxklassiker inszeniert. Herrlich nostalgisch gemacht, jedoch nie veraltet wirkend, mit dem richtigen Sinn für Drama und einem schicken Endfight. Bisweilen sind die Lebenswandel einiger Charaktere etwas sehr simpel dargestellt und ein Hauch Naivität ist „Rocky Balboa“ nicht abzusprechen, doch stark ist Stallones Comeback auf jeden Fall.