Review

Unser Brot wird erwachsen. Und damit meine ich jetzt nicht, dass Bernd plötzlich unaufhörlich wächst oder ähnliches, sondern das seine Filmkost immer weniger auf ein Kinderpublikum ziehlt, sondern sich langsam als ernsthafte Unterhaltung für Jugendliche und Erwachsene etabliert. Zwar waren die brotigen Abenteuer in ihrer Art schon immer zynisch und dadurch bestens für die Größeren geeignet, doch meist war immer noch genug naiver Witz vorhanden, damit auch die Kleinen ihren Spaß haben. Doch bei "Kasten" sollte man sich nun langsam wirklich Gedanken machen, ob man dieses Filmabenteuer Kindern unter, na sagen wir mal, 10 Jahren wirklich zeigen sollte. Denn in "Kasten", der brotigen Version des Independent-Hit "Cube" und dem wohl besten Berndfilm überhaupt, geht es alles andere als harmlos zu.

In "Kasten" finden sich unsere drei KiKa-Freunde Chili, Briegel und Bernd, eines Tages in einem merkwürdigen, Kastenförmigen Raum wieder, der völlig von der Ausenwelt abgeschnitten zu sein scheint. Als sich Briegel daran macht, das Geheimnis des Raumes zu lüften, muss er schnell feststellen, dass der Raum mit rotierenden Sägeblättern ausgestattet ist, die immer dann aktiv werden, wenn er mit seinem Briegel-O-Thron Nachforschungen anstellt. Und auch merkwürdige Klopfgeräusche lassen unsere Freunde mächtig ins Grübeln geraten. Wo sind sie hier? Warum sind sie hier? Und vor allem: wie kommen sie hier unversehrt wieder raus? Filmfreunde, die das packende Original "Cube" kennen, werden schnell feststellen, dass die Macher dieses Puppenstücks große Fans davon gewesen sein müssen. Viele Parallelen, sowohl im Handlungsverlauf, als auch in der Geschichte an sich sind unübersehbar. Genauso wie im Original machen sich die Figuren natürlich auch hier auf die Suche nach dem Sinn und dem Ausgang des Ganzen und auch hier macht sich unter ihnen schnell blanke Panik breit. Ohne Frage ist das Skript und das Drehbuch zu "Kasten" das bisher rundeste und cleverste der brotigen Filmreihe.

Ungewöhnlich für einen Berndfilm ist dieses Mal vor allem der Spannungsbogen. Während sich die anderen Filme des Kastenbrotes ja doch eher auf den zynischen Witz und die frechen Sprüche von Bernd konzentrieren, so hat man es als Zuschauer hier erstmals auch mit einem richtigen Spannungsbogen zu tun, der bis zum Schluss nicht abbrechen möchte. Denn die Erklärung und der Ausgang des ganzen Treibens sind nicht ganz so vorhersehbar, wie man auf den ersten Blick glauben mag. Dazu kommt auch noch ein recht gelungener Aufbau von Atmosphäre, die zwar sicherlich keine Schweißperlen auslösen kann, für einen simplen TV-Puppenfilm aber doch recht beachtlich ist. Panik macht sich unter unseren Freunden breit und die Situation scheint über größere Zeit doch recht aussichtslos zu sein. Jüngere Zuschauer dürften jedenfalls schon das ein oder andere Mal leichtes Herzflattern kriegen, wenn die rotierenden Sägeblätter durch den Raum schwirren, die unermüdlichen Klopfzeichen zu hören sind, das Licht plötzlich ausgeht etc. Kleinere Zuschauer sollten sich da vielleicht lieber fern halten.

Aber natürlich darf auch der typische Bernwitz nicht fehlen, von dem es natürlich, trotz des thrillerförmigen Treibens, auch hier wieder eine Menge gibt. Bernd kann es natürlich auch hier wieder nicht lassen allerhand skurrile Kommentare von sich zu geben, wenn z. Bsp. Chili verzweifelt versucht durch die Wand zu brechen, wenn Briegel ein ums andere Mal Haarscharf an einer der Fallen vorbeischrammt oder er ein ums andere Mal die Kinder vor dem Fernseher bittet das Gezeigte nicht nachzumachen, bis er am Schluss ernüchternd feststellt, dass es sowieso nur die Erwachsenen sind, die ihre Kinder für so blöd halten würden, das Gezeigte nachzumachen.

In punkto Inszenierung ist das Ganze natürlich nicht allzu aufwändig. Anders als bei "Cube" spielt sich "Kasten" eigentlich nahezu durchgängig nur in einem einzigen Raum ab, erst kurz vor Schluss kommt noch ein weiterer Raum (der dann eher an "Cube Zero" erinnert) hinzu. Dafür hat man diese Räume aber herrlich fahl ausgeleuchtet, so das auch dadurch Atmosphäre aufkommen vermag. Es gibt einige nette Spezial Effekte und einen richtig gut gelungenen Score, den man so sicher nicht in einer Sendung des Kinderkanals erwarten würde. Einzig und allein die, am Computer entstandenen, Sägeblätter können nicht sonderlich überzeugen. Aber nun gut, bessere Animationen hätte das Budget sicher auch nicht zugelassen. Alles in allem bleibt die Inszenierung, für einen Kika-Film, jedenfalls auf beachtlichem Niveau.

In Sachen Darsteller gibt es dieses mal allerdings nicht allzu viel zu berichten, einfach weil dieses mal die drei Puppen überwiegend die Einzigen sind, die das Geschehen bestimmen. Erst zum Schluss taucht ein recht guter und herrlich versiffter Michael Kessler, für ein paar Minuten, auf, der, als längst im Kasten verweilender alter Mann, ganz nett aufgelegt ist. Anders dagegen der junge Philip Wiganz als Frank Stein Jr., der sicher nicht zu den talentiertesten Kinderdarstellern gehört. Ansonsten aber machen auch die Puppenschauspieler ihre Sache wieder fabelhaft gut, genauso wie Tanja Schumann, Jan Mixsa und Jörg Teichgraeber, die dem Schaf, dem Busch und dem Brot wieder ihre exzellenten Stimmen leihen. So und nicht anders muss das sein!

Fazit: "Kasten" entpuppt sich im Endeffekt als der erwachsenste und beste Streifen, der bisherigen Filme um das Kastenbrot mit den viel zu kurzen Armen. Die Geschichte wirkt rund, die Inszenierung überzeugend und die Handlung wirklich alles andere als naiv, sondern spannend und interessant. Familienfreundlich bleibt es dabei selbstverständlich dennoch, aber für die ganz Jungen dürften schwirrende Sägeblätter, Panikanfälle, sowie die recht knisternde Atmosphäre, dennoch eher ungeeignet sein. Doch für jeden Bernd- und Thrillerfreund von 10-99 Jahren dürfte sich "Kasten" als ein wunderbar knackiges Puppenspiel erweisen, das langsam wirklich das Zeug dazu hätte, normale Spielfilmlänge anzunehmen. So bleiben es aber 40 spannende und unterhaltsame Filmminuten, die man sich als (großer) Bernd-Freak absolut nicht entgehen lassen sollte!

Weiter so!

Wertung: 7,5+/10 Punkte

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