Review

Es ist nicht ganz einfach zu "Half Nelson" eine Review zu verfassen. Dennoch ist es mir ein Bedürfnis diesen Film jedem etwas näher ans Herz zu legen.

Sicherlich kann sich "Half Nelson" als Gesamtpaket mit ähnlich thematisierten Filmen nicht unbedingt messen, da das Thema der Drogensucht im öffentlichen Berufsleben kaum bis gar nicht in anderen "Drogenfilmen" wie z.B. "Requiem for a Dream" oder "Trainspotting" behandelt wurde. Es geht hier nich um eine Gruppe von Jugendlichen die einer Droge verfallen. Es geht um einen jungen, öffensichtlich überforderten Lehrer, welcher um das Leben besser verarbeiten zu können, zu Kokain greift.

Bei Koks soll es nicht bleiben, und der Dealer des Vertrauens rät dem Lehrer (großartig Ryan Gosling, Mord nach Plan) zu Crack. Jenes nimmt der Pädagogen-Junkie gerne an. Wie es so kommen muss, verfällt er immer mehr den tückischen Rauschmitteln, sodass ihn eines Tages seine Schülerin Dacy (Shareeka Epps, ebenfalls großartig) auf der Toilette der Umkleidekabine der hiesigen Sporthalle mit ner Cracktüte erwischt. Nach dieser "Zusammenkunft" entsteht zwischen Lehrer und Schülerin eine Art Freundschaft, welche skurriler kaum sein könnte.

Dacy's führt ein trostloses Leben. Ihr Vater kümmert sich nicht um sie. Ihr großer Bruder sitzt im Knast und ihre Mutter, kurioserweise Polizistin, hat alle Hände voll mit der Arbeit zu tun. Da trifft es sich gut das Lehrer Dunne sie ab und an nach dem Basketballtraining mit nach Hause nehmen kann.

Eines Tages erfährt Dacy, das der beste Freund ihres Bruders, welcher nebenher auch der einzige aus dem Viertel ist der sich um sie kümmert, der Dealer ihres "neuen Freundes" Dunne ist. Man merkt nun schon, das "Half Nelson" zwei Handlungstränge besitzt. Die Geschichte Dunne's arbeitet sich allerdings etwas müßig voran, sodass Dacy sich zur eigentlichen Hauptperson entwickelt.

Die schauspielerischen Leistungen der Protagonisten sind derart gut, das man wirklich glaubt das zumindest Ryan Gosling ein echter Junkie ist. Das typische "an-die-Nase-fassen" der Kokser ist nur ein kleiner Teil der darauf hindeutet, das der Kerl schon desöfteren mit diesem Rauschmittel in Verbindung gekommen sein könnte. Darüberhinaus wirkt Gosling ohnehin wie ein Junkie. Hagere Statur, Augenränder wie die eines Bassetts und eine Körpersprache ähnlich eines Kleiderständers. Eine perfekte Perfomance, welche völlig zurecht eine Oscarnominierung einbrachte.

Sehr hervorheben möchte ich, das "Half Nelson" das Ende offen lässt, kein aufgesetztes Happyend zu Tage fördert und auch nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt.

FAZIT:

Sensationelle Darstellerleistungen, eine interessante, wenn auch kontroverse Story sowie gelungene Kameraarbeit. Letztere erinnert manchmal an einen Dokumentarfilm. Dieser Stil verwirklicht das ganze nochmals und macht den Film authentischer.

8/10

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