Hinsichtlich eines Weihnachts-Slashers ergibt sich grundlegend ein ordentliches Potential, wenn typische Sitten und Bräuche den Mustern eines Horrorfilms unterliegen.
Einer wie „Bad Santa“ ist noch nicht einmal diesem Genre zuzuordnen, doch er hat auf anderer Ebene gezeigt, wie man aufgesetzte Fröhlichkeit dieser Festtage ad absurdum führen kann. Mit einem Killer im Weihnachtsmannkostüm ließe sich ähnliches entwickeln, doch gerade von den Jungs von Troma hätte man an dieser Stelle ein frecheres Ausloten der Grenzen des schlechten Geschmacks erwartet.
Allein welchem kindlichen Trauma der Killer ausgesetzt ist, mutet überaus lächerlich an, denn als Kind beobachtete Harry seinen Dad im Weihnachtsmannkostüm, wie er nach dem Geschenke verteilen ein wenig an seiner Mom schnuffelte.
Jahre später, als frisch beförderter Bürohengst einer Spielzeugfabrik, führt Harry Buch über brave und unreine Kinder und rächt sich während der Feiertage an jenen, die nicht in sein weihnachtliches Weltbild passen.
Fast fünfzig Minuten vergehen, bis Harry endlich als Weihnachtsmann in Erscheinung tritt und die Stadt unsicher macht. Bis dahin herrscht gähnende Langeweile aufgrund Inhaltslosigkeit. Harry am Fließband in der Fabrik, Harry bei der Probe seiner Maskerade, Harry summt auf psychotische Weise ein Weihnachtslied, Harry beim Telefonat mit seinem Bruder, einem vorbildlichen Familienvater, dem er noch heute die Schuld an seinem Trauma gibt. Die Figur Harrys ist nicht interessant genug, um so viel Zeit ohne einschneidende Ereignisse mit ihm zu verbringen, zumal Brandon Maggart in dieser Phase dem Overacting gnadenlos zum Opfer fällt.
Aber auch nach dieser langen Phase wird es kaum besser. Maggart geht zwar in der Rolle des ambivalenten Weihnachtsmanns voll auf, während er sich in den Mittelpunkt einer Weihnachtsfeier stellt und einen ganzen Van voller Geschenke in einem Kinderkrankenhaus abliefert, doch dem Ganzen fehlen schlicht die Morde.
Lediglich einmal holt er die Axt heraus, als Menschen nach einer Messe die Treppe herunter marschieren und ihm dabei drei Leute zum Opfer fallen. Ansonsten wird ein unglaublicher Vorlauf gegenüber einem „sündigen“ Nachbarsjungen betrieben, der am Ende nur einmal kurz erschreckt wird, was in keiner Relation steht.
Was ferner nervt, ist der teilweise unsägliche Score, bestehend aus schrägsten Synthie-Sounds, wenn mal nicht gerade das 35. Weihnachtslied in miserabler Fassung unterlegt wird.
Das steht völlig konträr zu der durchaus gegebenen winterlichen Stimmung mit verschneiten Straßen, festlicher Beleuchtung und vielen Figuren in Feierlaune.
Das schlimmste ist aber, dass der Erzählung jedwede Ironie fehlt, dem Erzähltempo jeglicher Schwung abgeht und die Story zu fast keiner Zeit Spannung erzeugen kann.
Allenfalls zum Showdown, als Harry vom wütenden Mob mit Fackeln durch die nächtlichen Straßen gejagt wird. Die letzten Einstellungen sind hingegen einzig und allein typisch Troma, zumindest an dieser Stelle erwartet den Zuschauer ein Schmunzeleffekt.
Mutlos und harmlos sind wohl am ehesten Attribute, die auf diesen müden Slasher zutreffen.
Erst präsentiert er rein gar nichts, um interessante Figuren in den Vordergrund zu rücken und als das Schlachten eigentlich losgehen sollte, kommt er mit ein paar angedeuteten Axthieben daher, die für Splatterfans eine reine Aufwärmübung darstellen.
Phasenweise ein wenig winterlich, alles andere erfüllt jedoch kaum seinen Zweck und mäandert unmotiviert und dröge vor sich hin.
3,5 von 10