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„You better watch out, you better not cry, you better not pout – I'm telling you why: He's making a list, checking it twice; gonna find out who's naughty or nice. He sees you when you're sleeping, he knows when you're awake, he knows if you've been bad or good, so be good for goodness sake. Santa Claus is coming to town!“

So erschallt es seit etlichen Jahrzehnten im Lied über den wohl berühmtesten Mitarbeiter der NSA, den Weihnachtsmann. Er sieht alles, führt seine Listen und droht schon den Kleinsten, sich besser gut zu benehmen – wer weiß, was ihnen sonst blüht! Den beunruhigend gruseligen, beängstigenden und pädagogisch höchst fragwürdigen Aspekt dieses saisonalen Klassikers erkannte auch US-Regisseur Lewis Jackson und drehte den neben seinem 1974 erschienenen „The Transformation“ anscheinend einzigen Film „Teuflische Weihnachten“, dessen Originaltitel „You Better Watch Out“ o.g. Song zitiert und der schließlich im Jahre 1980 in Troma einen Verleih fand, der den Film veröffentlichte.

Der kleine Harry muss mitansehen, wie der Weihnachtsmann seine Mutter „mit der Rute beglückt“ und erleidet dadurch einen schweren Psychoknacks. Als Erwachsener (Brandon Maggart, „Dressed to Kill“) arbeitet er in einer Spielzeugfabrik und beobachtet ganz genau die Nachbarskinder, über deren gute wie böse Taten er penibel Buch führt. Weihnachten schlüpft er ins Coca-Cola-farbene Rauschebartkostüm und bringt nicht nur den Kindern, was sie seines Erachtens verdienen…

„Die Kinder lieben mich alle!“

Ob das Mitansehen elterlichen Beischlafs imstande ist, wie im 1947 spielenden Prolog angedeutet ein Kind nachhaltig derart um den Verstand zu bringen, dass es als Erwachsener zum weihnachtsbesessenen Mörder wird, sei einmal dahingestellt; zumindest ist dies die Ausgangssituation dieses sich parodistisch und schwarzhumorig mit der Figur des Weihnachtsmann auseinandersetzenden Horrorthrillers. Fakt jedenfalls ist, dass misslungene Weihnachtsfeierlichkeiten schon so manchen traumatisiert haben dürften und so hat eben auch Harry nicht mehr alle Kugeln am Baum. Er spielt sich als Ankläger und Richter in einer Person auf und verhängt recht großzügig Todesstrafen. In diesem Ausmaße gegen unartige Kinder vorzugehen, war aber auch Jackson dann anscheinend doch zu krass, so dass Harry lediglich manch den „Geist der Weihnachtsnacht“ verratenden Erwachsenen, beispielsweise seine profitorientierten Chefs, aus dem Leben reißt wie eine Nordmanntanne im Dezember. Dabei behilft sich Jackson einiger weniger, recht mittelprächtiger blutiger Spezialeffekte und fällt ansonsten dadurch auf, der munteren Sause immer wieder jegliches Tempo zu nehmen, einzelne Szenen zu sehr auszudehnen und nicht vertuschen zu können, dass unter seiner Regie „Teuflische Weihnachten“ lediglich Kurzfilmpotential gehabt hätte. Erwartungshaltungschürend angerissene Handlungselemente werden einfach fallen gelassen, manch Pointe vertan (die Reaktion des „bösen“ Kinds Moss auf sein „Geschenk“ hätte man schon gern gesehen) und dennoch der Film etwas arg langatmig erzählt.

Dafür setzt man konsequent auf einen hauptsächlich aus Weihnachtsliedern bestehenden Soundtrack, fand passable Darsteller, die die nötige Mischung aus ernsten Mienen und leicht ironisierendem Overacting beherrschen und rückt das bunte Weihnachtstreiben in ansprechenden Kulissen in den kitschigen Schein der Lichterketten. Und die Schlusspointe ist dann irgendwie herrlich bekloppt. Freunde trashiger, sich selbst nicht sonderlich ernstnehmender Genrekost, die frech an gesellschaftlichen Heiligtümern rüttelt und hübsch geschmacklos mit dem Rentier-Schlitten um die Ecke biegt, werden ihren Spaß mit „Teuflische Weihnachten“ haben, alle anderen packen sich an‘ Kopp oder werden während der einen oder anderen zähen Szene endgültig rausgerissen – von der buckligen Verwandtschaft, vom unzufriedenen Nachwuchs oder dem brennenden Baum. Teuflische Weihnachten...

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