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Cunnilingus mit Mütze

Was denkt sich ein Kind, wenn es den Weihnachtsmann dabei erwischt, wie er den Schlüpper seiner Mutter lupft? Heutzutage wohl nicht mehr allzu viel, haben von der Mama über Santa bis zum Sex mittlerweile ja alle Beteiligten ihre Magie und Heiligkeit extrem früh verloren. Doch damals und besonders in diesem kleinen Festtagsschmankerl, ist das ein Schock für den kleinen Harry, der ihn lebenslang prägt. Noch als Mitvierziger und Chef einer Spielwarenfabrik versucht er nun den echten Weihnachtsspirit in die Welt zu tragen, bestraft die bösen Kinder und beschenkt die guten. Doch als er eines Tages zu viele böse, zynische und egoistische Menschen trifft und um sich hat, geht der Hardcore-Knecht Ruprecht mit ihm durch und er fährt härtere, endgültigere Bestrafungen auf... zum Beispiel eine Axt in den Kopf.

Viel mehr abgefahrene, seltsame Charakterstudie und Wahnvorstellung (aus der Perspektive des Kranken!) als Krippenslasher, ist es ein Leichtes, diesen Vollblutsanta abzustrafen. Doch das kann eigentlich nur durch falsche Erwartungen kommen. Denn der Film an sich ist anders, besonders, stark. Da gibt es nix. Wirklich blutige Morde sind zwar rar und auch in Sachen Spannung oder (unfreiwilliger) Komik haben andere Vertreter seiner Untergattung klar die Nase vorn, doch "You Better Watch Out" (so der Originaltitel) hat Qualitäten, die seine Konkurrenz nichtmal ansatzweise besitzt. Herz, Chuzpe, Subversion und sogar Gesellschaftskritik. Harry kauft man die Leidenschaft für seine Berufung Santa zu sein vollkommen ab, er wird fast zu einer Art Antiheld. Wenn er am Ende von aufgebrachten Wutbürgern mit Fackeln durch die Straßen gejagt wird, dann kann man nur Mitleid haben und sich fragen, ob man nicht auf der falschen Seite steht. Außerdem spielt ihn Brandon Maggert grandios. Das (zu?) traumhafte Happy Ending kommt dann genau richtig, wenn auch etwas abrupt und unerwartet. Das ist mutig, das ist speziell, das ist nicht jedermanns Sache. Doch ich mag Harry den sympathischen Psychopathen mit seinem Buch der lieben und bösen Kinder sehr gerne. Er ist wohl genauso falsch verstanden wie der Film.

Fazit: Psychogramm in rot-weiß, Gutmensch goes Goreextremist, Trauma mit Happy End - "Christmas Evil" ist einer der außergewöhnlichsten Xmas-Genrefilme, die je gemacht wurden. Nicht realistisch aber sehr interessant und irgendwie seltsam tragisch. Hat eine Ausnahmestellung in der Christmasrotation verdient. Fein! 

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