Casey Wells hat abgeschlossen. Abgeschlossen mit seiner Vergangenheit als Schwerverbrecher in den Strassen von L.A. Casey hat geheiratet, ein kleines hübsches Eigenheim gekauft, schlägt sich als Architekt durch sein vorbildliches Leben in einem kleinen netten Vorort von Houston, wo er mit seiner Geliebten gerne ein Kind adoptieren möchte. Doch dann wird es Donnerstag, und seine Vergangenheit in Form seines ehemaligen Gangster-Kumpels Nick holt ihn ein...
„Thursday“ ist eine wahre kleine Perle, die leider in den Niederungen verschiedenster Geschäfte beinahe in Vergessenheit geraten ist. Liegt dies am Marketing? An dem unbekannten Regisseur Skip Woods? Eigentlich egal, denn vielleicht ist es genau diese Unbekanntheit die diesen Film so dermassen sympathisch macht.
Der bereits erwähnte Donnerstag im beschaulichen Casey-Heim wird zum absoluten Höllentrip für unseren Protagonisten, der diverse Tiefschläge fast im Minutentakt zu bewältigen hat. Mit oftmals tiefschwarzem Humor gespickt kämpft sich Casey (Thomas Jane) durch die verschiedensten Begegnungen mit vergangenen Bekannten. Was Thomas Jane hier an schauspielerische Leistung an den Tag legt verdient schlicht das Prädikat „Weltklasse“. Unglaublich, wie er seinen Wandel vom netten Nachbarn zum brutalen Gangster vorträgt – das ist wirklich hohe Schauspielkunst!
Auch sonst wartet der Film mit zwar eher unbekannten Schauspielern auf, die aber allesamt ihre Sache sehr gut meistern und dem Film einen bombastischen Touch verleihen.
Die Story ist sehr gut durchdacht und erinnert unweigerlich an Klassikern wie „Reservoir Dogs“ oder „Pulp Fiction“ – Der Vergleich mit Tarantino trifft den Stil von Skip Woods wohl am ehesten. Endlich sind die Sprüche wieder giftig, endlich werden Menschenleben wieder mit einer eiskalten Gleichgültigkeit behandelt, endlich wieder Situationen, die schlimmer nicht sein können, dies aber dann doch noch werden. Endlich!
„Thursday“ ist ein äusserst unterhaltsamer Film der zu keiner Zeit langweilig wird. Für jüngere Semester wohl nicht zu empfehlen – der Film ist oftmals ziemlich harter Tobak.
Wer schon lange wieder mal auf einen wirklich ausgezeichneten Gangsterfilm gewartet hat, muss hier einfach zupacken!
9/10 Punkte