Wie komme ich jetzt umhin, den Namen Tarantino zu erwähnen, wo sich der Vergleich doch mehr als aufdrängt?
Womit soll man eine auf „Pulp Fiction“ und „Reservoir Dogs“ gestylte Gangsterkomödie denn sonst vergleichen?
Vielleicht IST der weitgehend unbekannte Regisseur Skip Woods ja sogar Tarantino himself?
Oder zumindest jemand, der beim Vorbild gut beobachtet hat und nun ein buntes, aber ansprechendes Plagiat seines Schaffens abliefert.
Eine zumeist unterhaltsame Groteske mit viel schwarzem Humor.
Dieser setzt bereits in Minute eins ein, wenn ein Gangstertrio, zwei Kerle und eine Frau, eigentlich nur ein günstiges Angebot von Kaffee nutzen wollen, von der Kassiererin aber immer wieder Einschränkungen auferlegt bekommen, so dass irgendwann eine Schusswaffe eingesetzt wird.
Die drei Kriminellen tauchen nach und nach, episodenweise, wieder auf.
Und zwar bei Architekt Casey (Thomas Jane), der sich vor einigen Jahren vom Dasein des Drogendealers abgewandt hat, nun verheiratet ist und ein friedvolles und mit gesunder Ernährung angereichertes Dasein führt.
Doch als Nick, einer der Gangster aus der Eröffnungssequenz, mit einem Koffer Heroin bei ihm auftaucht, entwickelt sich aus einem scheinbar ganz normalen Donnerstag eine Ansammlung von kuriosen Begebenheiten, denn einige Leute haben es auf den Stoff abgesehen…
Die Komposition der Geschichte ist wahrlich nicht neu und auch im Verlauf werden nicht allzu viele Plot-Twists serviert, doch munter und vor allem zynisch geht es bisweilen zur Sache.
Vor allem die erste Hälfte kann in Sachen Humor und schlagfertigen Dialogen punkten.
Vom Besuch des als Pizza-Lieferanten getarnten Rastamannes, der am Telefon eine abgefahrene Dub-Nummer bringt, bishin zum psychologischen Gutachter für das bevorstehende Adoptivverfahren tummeln sich ein paar herrlich vogelige Figuren in Caseys Haus. Inmitten ein Casey, dem sein biederes Dasein so langsam aus den Händen gleitet, weil er eigentlich nur seine Ruhe haben will und ihn immer mehr Leute mit seiner dunklen Vergangenheit konfrontieren.
Dabei wirkt das Geschehen allerdings ein wenig konstruiert, denn warum kippt ein szeneerfahrender Kerl wie Casey das Heroin einfach in den Abfluss, obgleich er ja aufgrund einschlägiger Erfahrungen über weitreichende Konsequenzen aufgeklärt sein müsste?
Auch das genau getimte Kommen und Gehen einzelner Figuren wirkt ein wenig zu durchkalkuliert, raubt der Story aber insgesamt nicht seinen Unterhaltungswert.
Dafür liefert die nymphoman veranlagte Gangsterbraut in rotem Lack-Fummel ein paar herrlich obszöne Augenblicke, angefangen von der Schilderung eines Pornodrehs gegenüber Caseys Gutachter, bis hin zu einer Sexszene, bei der sie die komplette Kontrolle genießt.
Die Dialoge sind sarkastisch und bringen jede Menge Humor mit sich, ebenso wie einige Gewaltszenen, die zumeist recht überraschend auftauchen. Darüber hinaus gibt es zwei Flashbacks, die durch gleiche Handlung aus verschiedener Sichtweise hervorstechen.
Dabei fällt jedoch auf, dass die erste Hälfte deutlich munterer und komödiantischer abläuft, während nachfolgend mehr Härte an den Tag gelegt wird und das etwas abrupte Finale nicht vollends zufrieden stellt und nicht unbedingt durch logisches Verhalten der Figuren überzeugt.
Dafür bringen sämtliche Darsteller eine überaus zufrieden stellende Leistung. Thomas Jane performt den Wandel vom biederen Architekten zum zynischen Gangster wider Willen sehr gut, Michael Jeter sorgt als Gutachter für eine Menge Gelächter, während Paulina Porizkova mit nicht unerheblichen Erotikfaktor punkten kann.
Klar, man fühlt sich im Nachhinein deutlich an Tarantinos Werke erinnert, episodenhafter Storyaufbau, gut platzierte Rückblenden, konsequente Figuren mit ebenso konsequentem Ableben.
Aber die meiste Zeit bringt das Spaß und gute Unterhaltung, obwohl oder vielleicht weil sich fast alles an einem Schauplatz abspielt.
Und über die Anschaffung eines Kuhtelefons könnte man mal nachdenken…
7 von 10