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Wer ist Mihalis Kakogiannis? Kaum einer kennt den Regisseur von "Alexis Sorbas", mit dem Anthony Quinn sehr zu Recht einen großen Teil seines Weltruhms erlangt hat. Dabei haben wir diesen Kultfilm einer ganzen Generation mindestens ebenso Kakogiannis intensiver, einfühlsamer Regie zu verdanken.

Der Bau einer Materialseilbahn zu einer Braunkohlenzeche und Sorbas' Extratouren dabei sind nur vordergründig Inhalt des Films. Der eigentliche Inhalt, der "Alexis Sorbas" zu einem der ganz großen Kunstwerke der Filmgeschichte gemacht hat, ist eine psychische Reise: Alexis Sorbas nimmt seinen jungen Chef und Freund Basil - und mit ihm die Zuschauer des Films - an der Hand und führt ihn Stückchen für Stückchen aus dem verkopften Sachdenken heraus zu sich selber, zu seinen Gefühlen.

Noch auf dem Schiff schüttelt Sorbas den Kopf über Basil, der nicht hinaus an die Reling gehen will, um den Delphinen zuzusehen: "Was bist du nur für ein Mensch - machst dir nichts aus Delphinen!" - und macht ihm auch gleich strikt klar, dass er ihm zwar seine Arbeitskraft verkauft, dass aber der Mensch Sorbas nicht käuflich ist. Letzteren kann Basil nur durch Vertrauen und Freundschaft gewinnen, was im Lauf des Films zwar gelingt, aber auch immer wieder auf harte Proben gestellt wird.

Mit dem Wachsen dieser Freundschaft findet Basil allmählich heraus aus seiner intellektuellen Isolation; er öffnet sich für eine Liebesbeziehung zu einer jungen Witwe, während auch Sorbas eine Affaire mit einer zu ihm passenden, nicht mehr ganz jungen Frau pflegt. Die Frau stirbt, und Basils junge Liebhaberin wird von Dorfbewohner ermordet. Die beiden Männer sind wieder auf sich selbst zurück geworfen.

Auf die größte Belastungsprobe wird die Freundschaft gestellt, als die von Sorbas geplante und gebaute Materialseilbahn sich nach monatelanger Aufbauarbeit als krasse Fehlkonstruktion erweist: Das ganze Bauwerk bricht unter der Last der ersten, damit hinunter geschickten Baumstämme spektakulär zusammen. Aber Basil hat seine Lektion gelernt: vor den Trümmern seiner Pläne isst er mit Sorbas die Lammkeule, die sie zur Einweihung der Seilbahn gebraten haben, und lässt sich dann - eine letzte Lektion - von ihm den Sirtaki zeigen, mit dem Sorbas in Krisensituationen immer wieder zu sich selbst gefunden hat. Während sie tanzen, fragt Sorbas seinen Chef: "Hey Boss - hast du jemals erlebt, dass etwas so bildschön zusammenkracht?" Mit dem schallenden Gelächter der beiden Männer endet der Film.

Es gibt in der ganzen Filmgeschichte nur noch ein einziges, weiteres Werk, das mit diesem Film verglichen werden kann: Werner Herzogs "Fitzcarraldo" mit Klaus Kinski in der Hauptrolle.

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