„Die schwarze Katze“ aus dem Jahre 1934 war einer der ersten für eine US-amerikanische Filmgesellschaft, hier die ehrwürdige Universal, gedrehten Filme des österreichischen Auswanderers Edgar G. Ulmer und zugleich das erste Aufeinandertreffen der klassischen Horror-Ikonen Bela Lugosi und Boris Karloff. Die Namensgleichheit mit einer Schauermär Edgar Allan Poes diente lediglich zu Werbezwecken, denn damit hat der Film nichts zu tun.
Das frisch vermählte Ehepaar Joan und Peter wird während seiner Flitterwochen in die Auseinandersetzungen der alten Feinde Dr. Verdegast (Bela Lugosi, „Dracula“) und Hjalmar Poelzig (Boris Karloff, „Frankenstein“) hineingezogen und muss, just nachdem es durchschaut hat, dass etwas nicht stimmt, um sein Leben bangen. Verdegast will Rache an Architekt und Kriegsverbrecher Poelzig nehmen, der ihn verraten und zudem Frau und Tochter weggenommen hat, Poelzig hingegen hat ein Auge auf Joan geworfen...
Der Film lebt insbesondere vom überragenden Schauspiel Lugosis und Karloffs, die sich hier über weite Strecken ein Psychoduell erster Güte liefern. Lugosi verkörpert den intelligenten, doch seelisch toten, von Rache getriebenen Verdegast, der nach Erlösung sucht, mit einer faszinierenden Inbrunst, die dennoch nie in alberne Theatralik abdriftet. Karloff wurde schauerlich herausgeputzt und verkörpert den finsteren, undurchsichtigen Poelzig, der im wahrsten Sinne einige Leichen im Keller hat, fulminant. Beiden wurden großartig morbide-philosophische, pathosgetränkte Dialoge auf die Lippen geschrieben, die dem Film eine düstere Tiefe verleihen. Die Kulissen des auf einem Massengrab erbauten Schloss Poelzigs schaffen zusammen mit der fast durchgängigen klassischen Musikuntermalung ein überaus stimmiges, fesselndes Ambiente, lediglich aufgelockert von einer komödiantischen Einlage zweier Polizisten.
Leider will die ereignisreiche Handlung nicht so recht in die mit 60 Minuten sehr knapp bemessene Spielzeit passen und so wundert man sich hin und wieder über das allzu flotte Tempo, das für Hintergrundinformationen oder das nähere Befassen mit dem einen oder anderen Vorfall keine Zeit lässt. Das ist überaus schade. Ich habe gelesen, dass die ursprüngliche Fassung um ein Drittel länger gewesen sein soll und radikal zurechtgestutzt (bzw. verstümmelt) wurde, insofern wäre dieser Umstand nicht dem Regisseur anzulasten.
Lugosi und Karloff in Hochform, zudem ein verdienter, seinerzeit sehr erfolgreicher Klassiker des „Universal“-Horrors. Sollte man gesehen haben!