Review

Man kann nicht gerade behaupten, dass die Shaw Studios für ihre Komödien berühmt sind; auch Exploitation – Regisseur Kuei Chi Hung gehört eher nicht zu den Leuten, die als Spezialisten für das Genre gehalten werden. Nach dessen sonstig auffallenden Arbeiten empfindet man ihn vielmehr für das Gegenteil von einem lustigen Kerlchen; dennoch sollte er hier für eine zumindest leicht unterhaltsam - vergnügliche Variante des damals schon bewährten Rosaroten Panther Themas zuständig sein.
Richtig viel erwarten darf man nicht, aber die Produktion ging auch offensichtlich nur mit dem Motiv an den Start, das Publikum für 90min Ablenkung anzulocken und es mal aus seinem aschgrauen Alltag zu reissen.

Dies mag in der damaligen Epoche soweit gelungen sein; es hätte aber weitaus mehr bedurft, sich bis nach dem Abspann einzubrennen oder gar wie sein Leitbild zum Klassiker zu avanchieren. Eine Art Spannungsmoment taucht erst knapp nach der Hälfte der Lauflänge auf; vorher [ und nachher ] wird sich ein bisschen die Zeit mit kleineren Neckereien vertrieben. Wenn man gutmütig sein will, kann man darin die Vorstellung der Figuren sehen; allerdings sind diese derartig auf ihre Funktion reduziert, dass bereits nach der Einleitung eines mehr oder weniger missglückten Deals Jeder sicher auf seinem Posten steht.

Mit der Rattenfängersage hat es trotz dem Titel natürlich nichts zu tun, und derartig unwiderbringlich in Bann ziehen tut die Geschichte auch nicht. Der comigale und zu entsprechend aufgedrehter Musik gehaltene Vorspann zeigt die eigentliche Thematik an: Der dicke und schon recht betagte Streifenpolizist Niou Chen [ Paang Paang ] ist die ganze Zeit hinter dem Kleinkriminellen Lin Ziqing [ Lau Luk – wa ] her. Beide sind durchaus miteinander befreundet, aber stehen halt auf verschiedenen Seiten des Gesetzes und sind leider auch voneinander abhängig. Allerdings immer zum Nachteil des Anderen. Wenn Niou Lin dingfest machen kann, wird er befördert. Wenn er ihn verpasst, wieder degradiert. Und beide brauchen das Geld, haben sie doch Kinder zu ernähren und sind auf jeden HK Dollar angewiesen. Die fatale Lage spitzt sich zu, als Lin auf die fesche Anna Wong [ Tanny Tien Ni ] trifft, die mitsamt ihren Eltern [ Yeung Chi Hing, Ouyang Shafei ] im grossen Stil andere Mitbürger um ihre Eigentümer beraubt und den mehr oder weniger Glücklosen unter ihre Fittiche nimmt.

So deichselt sich das eine geraume Weile hin und her; Kuei lässt die Geschichte zwar schnell entfalten, hat aber nur Marginales zu erzählen. Man hangelt sich ganz entspannt von einer Situation zur nächsten; meist werden die gleichen Sachlagen unter entsprechend veränderten Vorzeichen in Augenschein genommen. Der Handlungsrhythmus als eine Abfolge von gering modifizierten Running Gags, in der die Personen ihr Leben angesichts auftretender Schwierigkeiten meistern müssen.
Dabei werden Herrschende Massenbedürfnisse befriedigt; der Trupp der Taschendiebe nimmt nur die Reichen und dabei auch noch bevorzugt die ausländischen Touristen aus und strebt ansonsten wie jeder Bürger nur nach seinem Anteil von Glück. Da man sich desöfteren auf offener Strasse und ausser den Abstechern zu Flughafen und nobler Einkaufsmeile in nicht gerade gutbetuchten Gegenden aufhält, werden bevorzugt heimische, populäre Motive verwendet - um den Kollektivcharakter zu erwärmen. Bei den Wangs daheim ist es zwar gemütlich, aber auch sehr klein und ein Grossteil der Möbel nur notdürftig am Umfallen gehindert.

Gross Hineininterpretieren ist dabei natürlich nicht; die Belange der Kriminellen werden keineswegs kritisch betrachtet oder gar nur der Anschein einer moralischen Verfehlung ins Spiel gebracht. Im Gegenteil; sie tun es ja nur, weil sie selber nichts haben und auch nichts anderes Können.
[ „Was anderes habe ich nicht gelernt“Max, der Taschendieb, 1962 ]
Darüberhinaus sind sie ja auch sehr liebenswert porträtiert, teilweise sogar tollpatschig und unschädlich. Ausserdem wird dieselbe Verharmlosung wie auch später bei Sammo Hungs Carry on Pickpocket [ 1982 ] als Notstand genommen; sogar derselbe Wortlaut der Rechtfertigung als Ausrede eingebracht. Als viel später die wahren bösen Buben – Drogenschmuggler und Mörder, Hach ! – auftauchen, sind die natürlich das wahre Übel der Gesellschaft.
Alles andere wäre auch unpassend für pures Entertainment und soll deswegen ausnahmsweise als legitim gelten.

Schade nur, dass man auch in anderen Belangen so gar keinen Biss entwickelt.
Knallharte Attacken gegen Miß- oder Berufsstände fehlen; Lin und Niou sind eher die von der sozialen Umgebung Geplagten und damit die eingeschüchterten Spielbälle statt die Player. Folglich reagiert man auch mehr statt wirklich spritziger Aktionen und bleibt nur unter sich wirklich agil. Der normalerweise zeitlose Schabernack ist mittlerweile auch etwas angestaubt; legt sich meist in klassischen Sketchen wie Verfolgungsjagden zu Fuss und schnell hinter der Ecke verstecken bloss. Wortwitz war gar kaum einer zu entdecken. Parodien und Satiren fehlen wegen ihrem oft groben Materials auch; dafür werden bewährte Slapstickoptionen wie das Herumirren in einem Gang mit sehr vielen Türen mit einem Lächeln eingespeist; die Mechanismen des Humors liegen eher auf der Mimik und der Gestik, bei der sich meist vor Anschiss vorm Chef und anderer Bedrohung geduckt wird.
Mit herunterhängenden Armen wird auch die Inszenierung vollzogen. Die sonstigen drastischen Formulierungen und betonten Effekte weichen gar lyrischen Momenten auf einem Spielplatz; auf dem der zu oft im Gefängnis steckende Lin mit seinen beiden jungen Kindern mal einen Tag gemeinsam verbringen darf. Sowieso ist erstaunlich, wie verhätschelnd lieb Kuei mit der Handlung umgeht.

Seine sonst mit wahre Stärke – die Umsetzung von räudigen Actionszenen – wird nicht nur mengenmässig vollkommen vernachlässigt, sondern man bemüht sich bei den Wenigen nicht einmal, irgendeinen Knackpunkt einzubringen. Im Finale findet wie bei auch Sammos Film die Hatz auf einem Schiff statt; sollte eigentlich die perfekte Kulisse für etwas Atemberaubendes zwischen Polizisten, Verbrechern und einer Horde Taschendiebe abgeben können, stellt aber nur den Schauplatz für milde Kabbeleien mit einem kleinen Schuss Esprit dar. Man erwartet ja nicht, dass sich wie üblich an exaltierter Gewalt geweidet wird, aber hier sieht es wie der Rest nach eigentlich Nichts aus; alles sehr dünn und noch nicht einmal so richtig für den Augenblick dienend. So wird am Ende natürlich ein Konsens für Alle gefunden; nur der Zuschauer auf der Suche nach Mehr bleibt auf der Strecke. Temporeich und kurzweilig mag es ja sein, aber darüberhinaus ist es eine zu viel zahme und belanglose Angelegenheit. Another Shaw Production. Keine, die man sehen muss. Keine, die man von Jemand wie Kuei sehen will.

Details
Ähnliche Filme