Aus der Feder des superben Walter Moers stammt die Figur des Seemansgarn spinnenden Blaubären mit Nordeutscher Seele. Der Käpt'n pflegt seinen drei Enkeln von seinen Abenteuern zu berichten und erfreut sich ansonsten stets an einer guten Mahlzeit. An seiner Seite der ergebene Hein Blöd, immer bereit, Käpt'n Blaubär im Kampf gegen seinen Erzfeind Professor Doktor Feinfinger beizustehen!
1999 kam dieses - eigentlich natürlich an Kinder gerichtete - Franchise zu Kinoehren. Der sehr gelungene abendfüllende Trickfilm ist jedoch wirklich intelligente Unterhaltung mit dezentem Witz und fantastischen Einfällen. Oberflächlich mit infantilen Zutaten und simpler Story operierend, ist Käpt'n Blaubär für reifere Semester aber mindestens genauso unterhaltsam, wie für kleine Hosenscheißer.
Vor allem Bösewicht Feinfinger in seinem sinistren Wasserschloß, kongenial gesprochen von Helge Schneider, weiß zu begeistern. Schneider ist unbestrittener Höhepunkt des Films, dessen großer Pluspunkt einfach die großzügige Screentime Feinfingers ist.
Der Film selbst ist jedoch auch losgelöst von den Figuren einfach bezaubernd. Er spielt mit Elementen des Phantastischen Films, gar des Horrorfilms, und ist damit einer der wenigen gelungenen deutschen Ausnahmefilme dieses Metiers! Feinfinger an seiner monströsen Orgel ist praktisch Dr. Phibes, respektive das Phantom der Oper in Natura. Überhaupt sind der unglaubliche Ideeenreichtum, die unkonventionelle Fanatasie dieses Films wirklich beachtenswert.
Ich wundere mich auch stark über die Freigabe ohne Altersbeschränkung. Nicht das 2-5 jährige nach Sichtung des Films einen ernsthaften Schaden davontragen würden... aber sie werden den hintergründigen Humor, die Wortspiele und die Gesamthandlung eh nicht raffen! Und... ja, wie soll ich es nennen? Kindergrusel, also leichter, verschmitzter Horror ist hier schon enthalten. Ich meine halt eine Freigabe ab sechs wäre realistischer. Aber da erwarte ich natürlich zuviel von der FSK - da müßten die nämlich mal einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen; mit ihrer Freigabe eine realistische Empfehlung, eine Hilfestellung für Eltern aufzeigen...
Nun denn, ich denke, ich habe nun klargestellt, daß der Blaubär kein reiner Kinderquatsch oder gar hohles Verdummungsfernsehen a lá Pokemon und Konsorten ist. Der Film ist einfach eine megafette Empfehlung für alle, die nicht nur Gore Galore und Titten brauchen, sondern sich auch an einer wundervoll fantastischen Geschichte mit Hammer-Atmosphäre erfreuen können. (Jaha, Hammer war grad zweideutig gemeint, das Schloß! Einfach Geil!)
9/10
MovieMadness