Review

Tsui Hark kanalisierte seinen jugendlichen Furor in eine 90-minütige Gewaltorgie, die u.a. zum Wegbereiter für John Woos spätere Baller-Epen wurde. Hier ist aber noch alles roh und ungeschliffen: Für die Umsetzung seiner Schreckensvision nimmt Hark hundert Meter Anlauf und springt dem Zuschauer mit beiden Füßen voran in die Fresse. Eine ungezügelte Kamera fängt einen Großstadtmoloch ein, der wie die Ausgeburt der Hölle anmutet. Schmutz, Dampf, Verwahrlosung, Blut, Kadaver, Tod allenthalben. Blitzartige Szenenübergänge reißen einen plötzlich aus dem Geschehen und lassen einen dann doch wieder nicht mehr los. Der Tonfall wechselt abrupt von slapstickartigem Humor in rohe Gewaltausbrüche, untermauert von einem zwar geklauten, aber trotzdem großartigen, düster stampfenden Elektro-/Industrial-Score.

Die Story ist Schall und Rauch: Perspektivlose Jugendliche, mehrere Gangster, ein hilfloser Cop sowie die besagten „Söldner ohne Gnade“ steuern mit einem One-Way-Ticket ihrem unausweichlichem Verderben entgegen. Als es soweit ist, geht es längst nicht mehr um ein paar gestohlene Schecks, sondern um nicht weniger als das Ende der menschlichen Zivilisation. Der Weg dorthin ist gepflastert mit Geschmacklosigkeiten, die oft weit über ihr Ziel hinausschießen – von der Tiersnuff-Sequenz ganz zu schweigen. Aber gerade weil sich „Söldner kennen keine Gnade“ um keinerlei Befindlichkeiten schert, ist er heute ein Leuchtstern des frühen Hongkong New Wave Cinema, ein Fanal des Pessimismus.

Details
Ähnliche Filme