Hat man so etwas schon einmal gesehen?
Killer befindet sich im Haus einer Babysitterin.
Da gibt es mittlerweile den gleichen Inhalt zum dritten Mal aufgekocht.
Während das Original „When a stranger calls“ für die Zeit von 1979 noch mit dem Zitat „Haben sie nach den Kindern gesehen?“ zumindest in (meine) Filmgeschichte einging, blieb beim Remake „Unbekannter Anrufer“ schon nichts mehr hängen.
Und jetzt das ?!?
- Im Folgenden leichte Spoiler, weil man die Story ohnehin bereits kennt -
Ein Abklatsch voller Klischees, unkreativ und ohne bemerkenswerte Momente.
Fehlt nur noch die Frage des Anrufers „Was ist dein Lieblings-Horrorfilm?“.
Deuker auch, und doch kann ich mit dem Sujet immer wieder etwas anfangen:
Abiturientin Trisha soll bei den Walkers einen Abend auf Töchterchen Molly aufpassen, schon bald erreichen sie auf dem Handy und übers Festnetz merkwürdige Anrufe, später meldet sich eine verzerrte Stimme, die sie mit dem Tode bedroht. Boyfriend Matt und ein Knutschpärchen trudeln auch bald ein, können aber das Unheil kaum abwenden, weil sich der Killer bereits unmittelbar in ihrer Nähe befindet.
Man kennt das ja vielleicht noch vom Original: Die Cops verfolgen den anonymen Anrufer und als es schon fast zu spät ist, erfährt die Sitterin: „Der Anruf kommt direkt aus ihrem Haus!“ Uhuhuhu, Panik und Tempo folgen.
Hier hätte man glatt Wetten für den Zeitpunkt abschließen sollen, zu dem dieses Zitat Verwendung findet, denn es kommt, wie erwartet, haargenau so.
Aber auch der Rest des Ablaufs bietet kaum Überraschungen, - die Story wurde nur geringfügig geändert und lässt sich im Minutentakt vorhersagen.
Da haben wir eine Trisha, die eher aussieht wie eine Table-Dance-Britney, aber nicht wie eine Sitterin, der man die ganze Zeit beiwohnen darf, wie sie telefoniert oder sich Snuff-Bilder anschaut, die ihr vom Killer aufs Handy geschickt werden. Die Cops werden erst später gerufen, aber auch nur einmal, Hauptsache man kennt die Identität des Anrufers, danach kann man ja beruhigt zum Zimmergolf mit Boyfriend Matt übergehen, so wie es das Knutschpaar im Keller des Hauses auch tut. Selten erklangen bei Fummelszenen dieser Art so dämliche Dialoge und entstand so unnötiger Leerlauf.
Jedoch, auch wenn man das alles schon mindestens zweimal in ähnlicher Form gesehen hat, die Grundidee dieser urbanen Legende macht zumindest zeitweise Spaß und weil dazu im Hintergrund immer ein Gewitter toben muss und Dauerregen vorherrscht: Bitte schön, so ist es auch.
Was dieses Duplikat von den beiden Vorgängern ein wenig unterscheidet, ist der Gewaltfaktor, der hier eindeutig höher ist.
In den letzten Minuten schwenkt man gar zum Folterfilm um, da wird alles geknebelt, was sich bewegen könnte und auf alles eingeklöppelt, was man noch gebrauchen könnte.
Zumindest kommt noch ein Messer zum Einsatz und hinterlässt fx-technisch einen soliden Eindruck.
Dass sich Trisha während des Showdowns gegen den Killer behaupten muss, steht von Beginn an außer Frage, bleibt einzig zu klären, ob dieser nach sechs Kopfschüssen noch dreimal aufsteht oder schneller fritten ist.
Er ist. Wäre er doch einmal mehr aufgestanden.
Aber das Tempo im letzten Viertel stimmt, wenn der Score seltenerweise mal erklingt, ist der recht anhörlich und die mir unbekannte Darstellerin, die Trisha verkörpert, kann sogar recht gut Verzweiflung zum Ausdruck bringen, - einen durchschnittlichen Teenager in gewöhnlicher Umgebung eher nicht.
Das Motiv des Killers liegt allenfalls im Halbdunkeln: Ein abgewiesener Lustmolch von Familienvater, der seine eigene Familie umbringt (so schildern es die TV-News), um mit Trisha ein neues Leben beginnen zu können. Dafür dieser Aufwand?
Wofür bietet das plürrige Drehbuch denn einen kauzigen, durchaus markanten Nachbarn, damit der direkt beim zweiten Auftritt abgestochen wird?
Warum muss Regisseur Peter Mervis so viele Fast-Forwards und eine MTV-Schnitttechnik benutzen, während inhaltlich gar nicht Gehaltvolles im Bilde ist?
Vielleicht, um sich handwerklich hervorzutun? (Ging nach hinten los, einige Inserts bewirken den Verdacht auf einen defekten DVD-Player).
Und überhaupt: Warum nach dem mittelmäßigem Remake noch ein Rip-Off?
Vielleicht, um Deppen wie mich zu unterhalten, wenn auch auf Sparflamme.
Eine gute Freundin, mit der ich diesen Film konsumierte, hätte ihm offenkundig 2 von 10 gegeben und das lässt sich durchaus nachvollziehen.
Ich hatte an diesem Abend den doppelten, wenn auch nie ungetrübten Spaß,
4 von 10