Review

In den 80ern boomte kurzfristig eine Welle von Rausholfilmen, die das Vietnamtrauma ausbügeln wollten, und auch Ted Kotcheff steuerte ein Jahr nach seinem kritischen „Rambo“ einen konventionellen, unkritischen Beitrag dazu bei.
Nach der großer Logik sollte man wie bei allem Filmen dieses Genres nicht fragen, denn wieder einmal machen sich die Vietnamesen mal wieder alle Mühe gefangene amerikanische Soldaten zu verstecken und deren Existenz zu leugnen, sodass sie noch nicht mal Lösegeld fordern können. Und so ertragreich kann deren Arbeit auf den Reisfeldern nicht sein, dass man wirklich Knete darein investieren sollte, sie vor der Welt geheim zu halten. Doch als Actionfan interessieren solche Spitzfindigkeiten natürlich nicht, hier zählen andere Werte.
Die üblichen Klischees werden auch mal wieder reichlich bedient, denn liberale Schlappschwänze in der Regierung wollen diese Gefangenen lieber vergessen, echte Männer wie Colonel Cal Rhodes (Gene Hackman) jedoch nicht. Kein Wunder, denn sein Sohn ist noch in Vietnam interniert. Also stellt er über Jahre hinweg Nachforschungen an, findet dessen Standort und kann auch die ehemaligen Kameraden seines Sohnes bei ihrer Soldatenehre und bringt sie dazu ihm zu helfen – so wie es sich für hemdsärmelige Actionhelden der 80er gehört.

Doch die Truppe muss natürlich erst mal reichlich trainieren und persönliche Differenzen beilegen, ehe man als eingeschweißte Truppe funktioniert. Die härteste Aufgabe liegt jedoch noch vor ihnen: Die Befreiung der Gefangenen aus dem vietnamesischen Lager...
Getreu den Gesetzen des Genres liegen natürlich diverse Stolpersteine und Hindernisse im Weg, sodass der Plan nicht so bärig aufgeht wie eingangs geplant und man an diversen Stellen improvisieren muss. Das Glücken dieser Aktion ist jedoch garantiert, nur es bleiben natürlich einige Figuren auf der Strecke. Dabei kann es in vielen Fällen schon absehen, ob der Betreffende wohl lebt oder stirbt, doch zum Ende hin hat „Die verwegenen Sieben“ immerhin die eine oder andere Überraschung parat, sodass man nicht gänzlich stumpf den Genreregeln folgt. Wirkliche Neuerungen sollte man bei diesem Vietnamabenteuer aber nicht erwarten, vor allem bei der eher klischeehaften Darstellung der Vietnamesen nicht.
Dafür hat „Die verwegenen Sieben“ immerhin etwas mehr Tiefgang als „Missing in Action“ oder „P.O.W. – Die Vergeltung“, zeigt sich sogar an seinen Charakteren interessiert und gibt jedem eine kleine Backgroundstory. So kommen die Figuren über ihre Spezialgebiete (Tunnelratte, Sprengmeister, Pilot usw.) hinaus und haben alle ihre eigenen Probleme: Probleme sich einzugliedern, Vietnamtraumata und dergleichen. Natürlich ist die Lösung für fast alle Probleme gleich: Kameradschaft und Ehre, zum Schluss ist jedes Trauma überwunden und sei es durch den Heldentod – doch immerhin gibt es der eher konventionellen Rettungsmission zusätzliche Würze.

Dafür sieht es actiontechnisch hier nicht ganz so rosig aus: Eine Vietnamrückblende zum Auftakt, ein paar Übungen, eine kurze Schießerei im Grenzgebiet Vietnams und dann der Showdown. Sind die vorigen Actionszenen alle eher unspektakulär, so legt das Finale dafür dann wirklich los und präsentiert reichlich Geballer, Pyrotechnik und einige kleine Stunts, die das Herz des Actionfans erfreuen. Inszenatorisch hat Ted Kotcheff seit „Rambo“ auch nichts verlernt, nur von der reinen Actionmenge her kann „Die verwegenen Sieben“ nicht ganz so viel bieten.
Andrerseits ist die Besetzung zumindest für den B-Fan ziemlich prominent. Als A-Star darf Gene Hackman den alten Haudegen gewohnt hart und zielstrebig geben und Fred Ward als Nahkampfspezi spielt überzeugend. Patrick Swayze in einer frühen Rolle ist OK, doch auch ein paar Darsteller aus Hollywoods zweiter Reihe bzw. der B-Garde sind dabei: Reb Brown, Randall ’Tex’ Cobb sowie Pyun-Spezi Tim Thomerson. Sie spielen auch alle zufriedenstellend, Oscargewinner sind sie freilich nicht, aber hier ist es OK. Michael Dudikoff in einer ganz frühen Rolle bemerkt man allerdings gar nicht.

Ein wirklich innovativer Rausholfilm ist „Die verwegenen Sieben“ schlussendlich nicht und die Action wird etwas sparsam eingesetzt, aber dafür hat Kotcheffs Film Atmosphäre und ordentliche Charaktere. Kein großer Wurf, aber ganz nette Unterhaltung ohne größere Höhepunkte.

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