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„Tödliche Strahlen“ von US-Regisseur Lambert Hillyer ist ein schwer unterhaltsamer Science-Fiction-Horror-Film aus dem Jahre 1936, ein früher Beitrag zum schier unerschöpflichen, viele Filmemacher beeinflusst habenden Themenfundus „Radioaktive Strahlen“. Mit den Hauptrollen wurden niemand Geringere als Bela Lugosi („Glen or Glenda?“) und Boris Karloff („Die Hexe des Grafen Dracula“) betraut, durch ihre Arbeiten für die „Universal“ Stars der Frühzeit des Tonfilms und unsterbliche Genre-Ikonen.

Im Auftakt seines Films mischt Hillyer klassische Gruselelemente wie das an Gothic-Horror erinnernde, abgelegene Schloss des Forschers Dr. Rukh (Boris Karloff), in dem er mit seiner blinden, unheimlichen Mutter zusammenlebt, mit futuristischen Ingredienzien. Dr. Rukh hat eine Art Super-Teleskop entwickelt, mit dem es ihm gelingt, bis zum Andromeda-Nebel vorzudringen und durch einen eingefangenen Lichtstrahl Jahrtausende alte Bilder eines Meteoreinschlags auf der prähistorischen Erde zu projizieren. Diese führt er seinen wissenschaftlichen Kollegen vor und zusammen beschließt man, zur Einschlagsstelle in Afrika zu reisen, um das Objekt zu finden und untersuchen zu können. Während der Expedition erinnert „Tödliche Strahlen“ zeitweise gar an einen Abenteuerfilm; ein gelungenes Abwechslungsreichtum, das Interesse weckt. Besessen von seinem Forschungsdrang vernachlässigt er seine Frau, die sich schließlich in jemand anderen verliebt und sich von Rukh abwendet – eine unglückliche Romanze gesellt sich also auch noch hinzu. Es kommt, wie es kommen muss: Dr. Rukh wird von der Radioaktivität des Gesteins verstrahlt und kann fortan nur mit einem Medikament seines Kollegen Dr. Benet (Bela Lugosi) überleben.

Doch die Lebensgefahr ist nicht die einzige Folge seiner Verstrahlung. Alles, was Dr. Rukh im „strahlenden Zustand“, mit frühen Spezialeffekten durch leuchtende Körperteile visualisiert, anfasst, ist dem Tode geweiht. Außerdem wirkt sich sein Zustand negativ auf seine Psyche aus und er wird zu einem wahnsinnigen Mörder, der sich von seinen Kollegen, die die Strahlen humanmedizinisch einsetzen und wohldosiert mit ihr Blinde heilen, hintergangen und übervorteilt fühlt – und so muss einer nach dem anderen sterben.

Was in „Tödliche Strahlen“ aus heutiger Sicht als wissenschaftlicher Humbug erscheint, macht der Film mit dem Charme seiner zeitgenössischen Naivität locker wett und überzeugt mit einer für die damalige Zeit anscheinend so typischen tragischen Note sowie wirklich netten Effekten wie beispielsweise dem unter Strahleneinfluss zerberstenden/zerschmelzenden Felsen. Die charakterliche Fehlentwicklung, die Dr. Rukh erfährt, ist wahrlich erschreckend und führt zu einem ambivalenten des Zuschauers zur Figur, die sich zwischen den Polen Mitleid und Verachtung bewegt. Sie mahnt einerseits symbolisch den verantwortungsvollen Umgang mit Radioaktivität zum Wohle der Menschheit an und warnt andererseits vor ihren Gefahren. Karloff hat man eine so gelungene Maske verpasst, dass ich ihn zunächst fast nicht erkannt hätte und auch Lugosi steht seine ungewöhnliche Rolle als vernunftbetonter Dr. Benet großartig zu Gesicht.

So kann man sich an einer gut funktionierenden Melange verschiedener Genres mit Schwerpunkt auf Science Fiction, am Charme einfacher Spezialeffekte und veralteter wissenschaftlicher Visionen aus der Zeit vor der bemannten Raumfahrt sowie zwei fabelhaft aufspielenden Schauspielgrößen ebenso erfreuen wie an einer inhaltlichen Ausrichtung mit einem gewissen Tiefgang sowie einem kurzweiligen, dramaturgischen Konzept und inszenatorischen Geschick, die auch heute noch keinerlei Langatmigkeit aufkommen lassen. Für Freunde des phantastischen Films mit Sicherheit hochinteressanter, historisch wertvoller Stoff – fast wie ein prähistorischer Meteoriteneinschlag...

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