Review

Es ist doch immer wieder erstaunlich, unter welchen seltsam übersetzten englischen Titeln Filme in Deutschland gezeigt werden. Da wird aus "Adrift" schon einmal "Open Water 2" gemacht, obwohl Selbiger mit "Open Water" nun aber mal so gut wie nichts zu tun hat (mit Ausnahme der Tatsache, dass beide Filme auf dem offenen Meer spielen). Doch diese leise Kritik an der scheinbar kommerzträchtigen Vermarktung von Kinofilmen hierzulande soll nur eine Randnotiz dieser Rezension darstellen. Um Verwirrungen vorzubeugen, werde ich jetzt im Weiteren den Originaltitel ("Adrift") verwenden. Nun also zum Film.

Angeblich nach einer wahren Begebenheit erzählt "Adrift" die Geschichte von einer Handvoll Jugendfreunde, welche sich Jahre später auf Einladung des Lebemannes unter ihnen auf einen Segeltörn vor der Küste Mexikos begeben. Auf dem offenen Meer überkommt dann alle Beteiligten (mehr oder minder freiwillig) die plötzliche Lust auf Schwimmen und sie springen von der Yacht ins Meer. Nur hat keiner der Sechs daran gedacht, vorher eine Leiter herunterzulassen, damit man auch irgendwann mal wieder auf die Yacht steigen kann. Fortan versucht man mit allen Mitteln (Messer, Seil aus Badesachen etc.) die glatten und steilen Außenwände des Bootes zu erklimmen, was sich als erfolglos erweist. Die unkonventionellen "Schiffbrüchigen" geraten zusehends in Panik und drohen zu ertrinken...

Das Positive an diesem Low-Budget-Psychothriller zuerst: "Adrift" ist sowohl inszenatorisch als auch technisch solide. Unkonventionelle Bilder voller Schönheit kontrastieren die scheinbar aussichtslose Situation der Protagonisten. Auch die düstere, unheilsschwangere Musikuntermalung trägt zur Schaffung einer beklemmenden Atmosphäre bei. Dass "Adrift" dabei mit zunehmender Länge dennoch nicht mehr zu fesseln vermag, ist dem unlogischen, ja schon idiotischen Verhalten der stupide gezeichneten Protagonisten geschuldet (von der haarsräubend konstruierten Ausgangsidee sehe ich hier einmal ab). Alle von ihnen entsprechen ausnahmslos gängigen Klischees. Da hätten wir die dümmliche Blondine, welche natürlich sofort Panik verbreitet; den prolligen, aufgeblasenen Macho, der sich zu pubertärem Kräftemessen hinreißen lässt; die ach so glückliche Kleinfamilie (das Baby befindet sich als Einziges auf der Yacht), welche dem ganzen Treiben wohl einen emotionalen Touch geben sollte. Mit diesen plumpen Stereotypen ohne Ecken und Kanten - auch das Wasser-Trauma von einer Beteiligten wirkt wie ein ausgelutschtes Klischee - kann man ob ihrer fast schon zelebrierten Dummheit einfach kein Mitleid haben. Meine ungekrönte Nr. 1 dabei ist ein Verhalten der Marke "Ich schwimm dann mal los und hol` Hilfe..." - und das auf offenen Meer. Lustig, nicht wahr?

Fazit: "Adrift" ist ein handwerklich solider Psychothriller auf hoher See, dessen Drehbuch jedoch mehr als schwach ist. Die Spannung - von der der Film eigentlich leben sollte - wird konterkarriert durch zahlreiche Logiklöcher und stereotype Charakterzeichnungen. Das eigentlich beklemmende Schreckensszenario verliert dadurch an Klasse und hinterlässt einen mediokren Gesamteindruck. Schade eigentlich.

Details
Ähnliche Filme