Review

Trafen sich mal drei Regisseure.
Der Erste wollte einen dollen Hochseethriller drehen. Der Zweite wollte extremen Realismus in einem Hochseethriller. Der Dritte wollte beides und drehte „Adrift“, an den ein findig-windiger Verleih mal eben noch „Open Water 2“ tackerte, was angesichts des Ergebnisses nicht mal die schlechteste Entscheidung war.
Heraus kam Murks.

Da haben wir also eine wahrhaftig beklemmende Grundsituation, bei der versehentlich sechs Leute auf einer kleinen Hochseejacht ins offene Meer jumpen, um dann zu realisieren, dass sie die Leiter vergessen haben und nun nicht mehr zu Hochprozentigem, Kleinkind und Kippen zurückgelangen können.
Ja, daraus könnte man einen Thriller machen, unpretentiös, ungewöhnlich, frisch.

Leider erreichte nichts davon die sicheren Planken und das obwohl sich hier sechs motivierte No-Name-Mimen einen Wolf spielen, die Kamera durchaus Ordentliches leistet und auch sonst die Technik Sorgfalt liefert, wo es nur geht.
Den finalen Kopfschuss erhält dieses Filmchen durch ein imbeziles Drehbuch, an dem nicht weniger als vier Autoren rumgebastelt haben, um die 85 Minuten auch möglichst kontrovers aufzuwerten.
Das Ergebnis ist eine schlichte Ansammlung billigster Klischees.

Die sind zwar akzeptabel im Rahmen eines Direct-to-DVD-Schnellschusses, aber für den hier apostrophierten Realismusanspruch (schon der Hinweis „basierend auf einer wahren Geschichte“ sorgt hier für Grusel) wirkt das Ganze wie eine Wissensshow, in der uns mal möglichst graphisch vorgeführt wird, was man alles falsch machen kann und das auch noch in kürzester Zeit.
Der Flickenteppich von Skript läuft beinahe über von Versatzstücken aus dem Thrillerbaukasten und die werden mit einer Stalinorgelfrequenz abgefeuert, dass es eine wahre Freude ist.

Spätestens nach knapp 5 Minuten, wenn die mit Kleinkind ausgestattete junge Mutter auf den Bootsstegplanken ihr Kinder-Wasser-Trauma per blitzartigen Flashbacks wieder durchlebt und dennoch auf einen Törn aufbricht, feiert das hämische Gelächter fröhliche Urständ.
Und dann natürlich die übrigen Charaktere, die auch gut in jedem billigen C-Slashermovie Platz finden würden: der fürsorgliche Papi, der ewige Aufschneider, der nichts hinbekommende Rebell, dessen hin-und hergerissene Freundin und ein dummbratziges Fickblondchen, bei deren erstem Auftritt sofort Dutzende im Chor schreien: „Die stirbt als Erste!“.
Daß es später tatsächlich so kommt, macht die Sache nicht viel besser.

Ja, und so paddeln sie nun im Meer, nur in Badehosen, mit zwei Brillen, einem Messer und einer Schwimmweste und alle, die im Publikum noch nicht fröhlich schnarchen, haken die Checkliste ab.
Kletterversuche scheitern? Check.
Boot kommt und fährt vorbei? Check.
Hysterische Anfälle? Check.
Aggressionen ? Check.
Gruppengebet? Check.
Seil aus Badeklamotten reißt. Check.
Kind schreit im Boot hungrig? Check.
Handy kann erreicht werden und wird naß? Check.
Usw.

Nichts, aber auch gar nichts an diesem Skript ist neu, sondern einfach nur abgedroschen und dümmlich.
Dazu kommen Dialoge von unendlicher Banalität, Geständnisse, Liebesschwüre, Vorwürfe, Abschiede…alles aus der Konfektionskiste.
Aber niemand bekommt auch nur einmal einen wenigstens zeitweisen kühlen Kopf und diskutiert Chancen und Möglichkeiten, stattdessen fällt man sogleich gepflegt übereinander her. Mal ganz abgesehen von der absoluten Vermeidung des Sich-auf-dem-Rücken-treiben-lassens, was hier ungeheuer Kräfte sparen würde, anstatt dauernd wie ein Hund zu paddeln.
Stattdessen erlebt man so magische Augenblicke wie die Badehosen-Seilkletterung, die natürlich der Größte und Schwerste der ganzen Gruppe vornehmen muß, was zu einem zu erwartenden Ergebnis führt. Über die Handy-Episode will ich gar nicht erst anfangen…
Und weil man ja von dem halben Dutzend mindestens die Hälfte weghäckseln muß, wird’s dann noch richtig albern. Einer ertrinkt, einer ersticht sich versehentlich, einer dellt sich bei einer ungeklärten Aktion an der Schiffsschraube die Fontanelle letal ein, einer schwimmt in die Ewigkeit.
Wenn dann endlich eine Lösung gefunden wird, fragt man sich ernsthaft, warum darauf nicht schon mit besseren Werkzeugen vor einer Filmstunde gedacht worden war.
Und als Sahnehäubchen wird dann auch noch im – sapperlot – plötzlich aufschlagenden Tropensturm das Jugendtrauma bezwungen, damit wenigstens alle Klischees an Bord sind. Diese Sequenz ist dabei aber bzgl. Timing so schlecht geschnitten, dass sie nur noch nervt.

Prinzipiell kann man als Regisseur annehmen, dass ein Film in Schwierigkeiten ist, wenn einem seine Figuren total egal sind. Hier wünscht man sich schon nach fünf Minuten, dass die hoffentlich alle möglichst grausam verrecken, bis auf das Baby vielleicht.
Leute mit Angst vor Wasser haben möglicherweise dennoch so ihre Traumata damit abzuarbeiten und wer eh keine spannenden Filme ertragen kann, hält das womöglich sogar für gut. Für einen Thriller mit Realismusanspruch wäre dieses Teil aber in einer schattigen Videothek neben Reißern wie „Das Netz 2.0“ und „Eiskalte Engel 3“ am besten aufgehoben. In einer sehr schattigen. Mit Stromausfall. (2/10)

Details
Ähnliche Filme