Sechs Leute treiben im Wasser – ja, und?
„Open Water“ bot zwei Leute im Wasser, das war auch schon nicht der Bringer.
So stellt man sich bei mehreren Personen doch zumindest mannigfaltige Möglichkeiten an Spannungsverursachung und gruppendynamischen Reibereien vor, aber all das bietet „Adrift“ leider nur in Ansätzen.
Interessant fand ich im Vorfeld jedoch die Frage, was denn die sechs im Wasser Treibenden alles anstellen könnten, um die Yacht wieder zu entern, - sie sind dummerweise baden gegangen, ohne zuvor die Leiter ins Wasser zu lassen. An Bord befinden sich lediglich ein Babyfon und das dazugehörige Baby.
Einfach hochspringen, um wieder an Bord zu gelangen? – Geschieht als erstes, klappt aber nicht, selbst die US-Flagge reißt, kein gutes Zeichen für einen glimpflichen Ausgang.
Die wenigen Bekleidungsstücke zu einem Seil verbinden? Wird auch getan, aber der schwere Muskelmann will sich als Klettermaxe versuchen, geht daneben, ein weiterer Versuch wird natürlich nicht unternommen, - die Damen ziehen sich auch nicht komplett aus, - obwohl BH-Riemen ja relativ stabil sind.
Per Räuberleiter, Affenschaukel zum rückwärts hoch hieven, oder menschlicher Pyramide?
Nur in Ansätzen, dafür sind die klischeebeladenen Figuren zu träge und kümmern sich mehr um Beziehungsprobleme und Lebenslügen. Die Wand der Yacht wäre für einen festen Halt nicht zu gebrauchen, die beiden Griffe zum Festhalten werden dummerweise erst später entdeckt, aber auch nicht effektiv genutzt.
Da gibt es auch eine Klappe am Rumpf, ein Messer ist immerhin vorhanden.
Nein, mit dem Messer wird versehentlich einer abgestochen, der schon die Idee hatte, ein Loch auszustechen, dadurch hineinzuklettern und es schnell wieder zu stopfen, bevor die Yacht sinkt (Meine Interpretation dieser dummen Szene).
Fünf Leute könnten versuchen, die Yacht zu neigen, damit der Sechste am anderen Ende hochspringen und sich festhalten kann.
Geschieht nicht, man paddelt lieber behände mit den Armen, anstatt einfach nur die Kräfte zu sparen. Außerdem werden Energien für Hysterieanfälle genutzt.
Man könnte natürlich auch einfach zum weit entfernten Ufer schwimmen.
Kommt super, gegen die Strömung zu schwimmen, vor allem, wenn man sich erst nach einem Tag im Wasser treibend, dazu entscheidet, macht dann tatsächlich eine.
Winken, wenn ein Boot vorbeikommt?
Geschieht, aber die Besatzung gegenüber besteht aus betrunkenen Silikondamen, die die Hilferufe als Applaus für ihre Melonen ansehen (auch meine Interpretation).
Warten, bis ein Delphin vorbei kommt, um sich per Flosse ans rettende Ufer bringen zu lassen? Geht nur bei „Wickie“ und „Flipper“.
Dann hilft nur noch eins: Warten, bis das Baby an Bord erwachsen ist, um die Leiter herab zu lassen.
Ja, es hätte wirklich mitreißend werden können, doch letztlich plätschern die Rettungsversuche ein wenig dahin und lassen mehr Ärger als Spannung aufkommen.
Das beginnt schon bei der Vorstellung der Figuren, denn, warum geht eine vom Meerwasser traumatisierte Mutter mit ihrem Baby an Bord einer Yacht, nur, um im Freundeskreis einen Geburtstag zu feiern. Zumindest würde man wohl kaum ein Baby zu einem so feuchtfröhlichen Anlass mitbringen, kann ja auch mal ein Wochenende an Omi nuckeln.
Das Trauma der armen Frau wird natürlich in grobkörnigen, gegen Ende völlig wirr geschnittenen Flashbacks häppchenweise serviert, so dass man von Begin an eine sehr starke Vermutung erlangen könnte, wer denn hier überlebt, schließlich muss das Trauma überwunden werden.
Die übrigen Charaktere bewirken beim Ableben kaum Mitgefühl, obgleich die Darsteller durchaus okay spielen und sich mühen, drückt ihnen das unausgegorene Drehbuch ziemlich einen rein.
Es kommt selten Mitfiebern auf, man treibt halt im Wasser, es ist kalt, Muskelkrämpfe, ein verhältnismäßig frühes „Vater Unser“, ein paar Tränchen der Verzweiflung, Tauchen nach dem verloren gegangenen Messer, ein Handy springt auch noch über Bord, Blutvergießen, aber keine Haie, das Babyfon übersteht einen kräftigen Regenschauer und ein Miteinander findet sich nur vereinzelt. Das Baby schreit, die Mutter auch und insgesamt herrscht viel Debakel, fesselnd ist das aber nicht so.
Zwar fängt die Kamera ein paar gefällige Unterwasseraufnahmen ein und auch mal einige Ansichten aus der Luft, doch mit ihr arbeitet der Score oft zu vordergründig.
Manchmal werden Dialoge einfach ausgeblendet, damit die Streicher die Wirkung der Worte übernehmen und dabei fast so etwas wie Größenwahn seitens der Regisseure entsteht, denn die Treibenden gehen mir an den Afterballen vorbei und sind charakterlich oberflächlich und austauschbar.
Auch, wenn ich mich gar nicht mal so schlecht unterhalten habe, um das einmal zu erwähnen, geärgert habe ich mich doch an einigen Stellen, da das flatterige Drehbuch den Protagonisten keine Logik mit auf den Weg gibt und stellenweise viel Lärm um nichts produziert.
Viel Potential wird verschenkt, ich hätte lieber ein paar verzweifelten Leuten bei pfiffigen Enterversuchen zugesehen, statt ihren banalen Auseinandersetzungen untereinander zu folgen.
So bleibt ein enttäuschendes Sequel, das zwar nicht komplett baden geht, aber weit hinter seinen Chancen bleibt.
Vielleicht bietet „Open Water 3“ ja gleich einen ganzen, treibenden Yachtclub, und eventuell gibt es dann ja mal ein paar Haie oder wenigstens kleine Happa-Happa-Fischchen, Menschen zum Liebhaben und etwas mehr Equipment im Wasser, um die Rettungschancen der Menschbojen zu erhöhen.
Nur bitte nicht „Open Water Zero – Wie alles begann“
Und Gott sprach, es sammle sich das Wasser unter dem Himmel…
…, denn das hatten wir auch schon mal.
4 von 10